Stuttgarter Chinesen fürchten Coronavirus Sprachschule schließt vorübergehend

Von Katrin Maier-Sohn 

In Stuttgart leben über 7000 Einwohner mit chinesischer Staatsangehörigkeit oder mit chinesischem Migrationshintergrund – wie erleben sie den Ausbruch des Coronavirus?

Nach dem chinesischen Neujahrsfest kehren viele in Stuttgart lebende Chinesen von ihren Familienbesuchen zurück. Das beunruhigt die Zurückgebliebenen. Foto: Wilhelm Mierendorf
Nach dem chinesischen Neujahrsfest kehren viele in Stuttgart lebende Chinesen von ihren Familienbesuchen zurück. Das beunruhigt die Zurückgebliebenen. Foto: Wilhelm Mierendorf

Stuttgart - Mehr als 7000 Einwohner mit chinesischer Staatsangehörigkeit oder einem chinesischen Migrationshintergrund wohnen in Stuttgart. In ihrer Freizeit pflegt diese Gruppe auch die vielfältigen Traditionen aus der alten Heimat. So wird seit 1997 an der Chinesischen Sprachschule in Feuerbach immer samstags die chinesische Sprache gelehrt. Die gemeinnützige Einrichtung unterrichtet dort mittlerweile mehr als 400 Schüler. In den Klassen werden neben Chinesisch auch Aktivitäten wie Malen, Kampfkunst, Schach und Tanz unterrichtet. Der Chor widmet sich traditioneller und moderner chinesischer Musik.

Doch seit zwei Wochen sind die Klassenzimmer der Schule leer. Weder Schüler noch Lehrer betreten seit dem 19. Januar die Räumlichkeiten in der Klagenfurter Straße. Jegliche Aktivitäten sind eingestellt und werden voraussichtlich auch bis auf Weiteres eingestellt bleiben. Zu groß ist die Angst, dass sich jemand mit dem Coronavirus anstecken könnte. „Viele unsere Schüler und Lehrer haben Familie in China. Zum chinesischen Neujahrsfest am 25. Januar sind sie dorthin geflogen“, sagt Schulleiterin Wei Chen. Sie könne nicht ausschließen, dass sich Schüler, Lehrer oder Familienmitglieder auf der Reise mit dem Coronavirus angesteckt haben.

Daher sei es für alle am sichersten, vorerst die Schule geschlossen zu halten. Die umfangreichen Medienberichte halte sie alle auf dem Laufenden und werden über Fernsehen und Zeitung verfolgt. „Die Sicherheit der Kinder steht für uns an erster Stelle“, betont Chen. „Wir wissen nicht, wie lange die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit dauert, daher überlegen wir, die Schule noch zwei weitere Wochen zu schließen, um sicher zu gehen, dass sich niemand infiziert hat.“

Angst vor Ansteckung bei Heimkehrern

Und auch anderswo in Stuttgart bleibt die Angst vor einer möglichen Ansteckung nicht unbemerkt. Uwe Mossart leitet mit seiner chinesischen Frau das Restaurant „Sichuan“ im Stuttgarter Westen, das dafür bekannt ist, dass auch viele Chinesen dort essen. „Die chinesischen Gäste reden mit uns und untereinander kaum über das Virus“, berichtet er. „Aber seit ungefähr einer Woche haben wir weniger Gäste.“ Grund sei ebenfalls die Angst, sich bei Heimkehrern anzustecken, die zuvor auf Familienbesuch in China waren.

Mossart selbst war zur Zeit der SARS-Krise in Schanghai tätig, bis die Baustelle, auf der er arbeitete, aufgrund der Seuche schloss. „Die Chinesen werden das auch diesmal in den Griff bekommen“, meint er. „Ohne die Krankheit klein zu reden, dürfen wir nicht vergessen, wie viele Menschen in Deutschland an der Grippe oder Krankenhauskeimen sterben.“

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