Stuttgarter Kickers Kickers setzen auf Kaminski

Von Jürgen Frey 

Mit dem neuen Coach Alfred Kaminski, bisheriger Oberligatrainer und Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, soll der „Powerfußball“ auf die Waldau zurückkehren.

Akribischer Arbeiter: Alfred Kaminski Foto: Baumann
Akribischer Arbeiter: Alfred Kaminski Foto: Baumann

Stuttgart - Am 14. Mai herrschte im Presseraum des Gazistadions Schockstarre. Gut drei Wochen nach dem Absturz in die Fußball-Regionalliga haben die Stuttgarter Kickers an gleicher Stelle ihren neuen Trainer präsentiert: Alfred Kaminski (52). Die Weltuntergangsstimmung ist einer vorsichtigen Zuversicht gewichen. Die Mienen sind ernst. Große Töne werden nicht gespuckt. Wie auch? Noch besteht der Kader aus zwei Spielern. Jetzt ist der Trainer da. Und Schritt für Schritt soll eine schlagkräftige Mannschaft zusammengebastelt werden. „Die Trainerentscheidung ist eine Schlüsselentscheidung, und wir haben es uns nicht leicht gemacht“, sagt der Sportdirektor Michael Zeyer. Der bisherige Oberligatrainer und Leiter des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) sei von Anfang an eine Option gewesen. „Wir konnten seine Arbeit ein Jahr lang beobachten und sehen, wie er die U 23, trotz schwieriger Umstände, weiterentwickelt hat“, erklärt Zeyer.

Genau die gleiche Aufgabe stelle sich nun wieder. Mit dem Unterschied, dass am Ende möglichst der Wiederaufstieg stehen soll. „Wir wollen diese Ziel angreifen“, sagt Zeyer. Und Kaminski, der mit einem Zweijahresvertrag ausgestattet ist, verspricht: „Wir werden alles versuchen, so weit oben wie möglich zu landen.“ Dann macht er eine kurze Pause und ergänzt: „Ein Selbstläufer wird der Wiederaufstieg nicht.“ Vielmehr ein Marathon, der nicht nach einem, nicht nach fünf und auch nicht nach 20 Kilometern entschieden werde, sondern eben ganz am Ende. Dies erfordert eine Top-Fitness. Genauso wie die Umsetzung der geplanten Spielweise. „Alfred Kaminski soll den Powerfußball auf die Waldau zurückbringen“, sagt Zeyer. Der neue Coach spricht von „Fußball mit Emotionen, mit Leidenschaft und hoher Laufbereitschaft“.

Märkle neuer Oberliga-Trainer?

Ein Gesicht der Mannschaft ist bisher nicht zu erkennen. Außer der Verpflichtung der Stürmer Mijo Tunjic (SV Elversberg) und Shqipon Bektasi (Hessen Kassel) steht offiziell noch nichts fest. Torwart Patrick Drewes (vom VfL Wolfsburg II) hat nach dem Abstieg aus der dritten Liga seine Zusage zurückgezogen. Aus der U 23 sollen fünf, sechs Spieler, darunter Nico Blank, Burhan Soyudogru und Volkan Celiktas, aufrücken. Aus dem bisherigen Drittligakader wird nur eine sehr überschaubare Zahl an Spielern dabei bleiben. Bei Sandro Abruscia sollen die Chancen ganz gut stehen. Ansonsten versuchen die meisten – auch Bentley Baxter Bahn – in der dritten Liga unterzukommen.

Bleibt die Frage, wer die Aufgaben von Kaminski als Trainer der Oberliga-Mannschaft und als NLZ-Leiter übernimmt. Einer der Kandidaten ist Dieter Märkle. Der Polizist war im Nachwuchsbereich schon für 1860 München und den FC Augsburg tätig.

Kaminski dagegen will nach der Beförderung seine Chance nutzen. „Du musst den Fußball lieben, dann liebt er dich“, hat er einmal gesagt. 20 Jahre lang arbeitete er bei der Zollfahndung in Hamburg. Der gebürtige Möllner befasste sich als Ermittlungsbeamter mit organisierter Kriminalität. 2003 machte er sein Hobby Fußball zum Beruf. 2005 erwarb er die DFB-Fußball-Lehrer-Lizenz. 2006 holte ihn Michael Henke als Co-Trainer zum 1. FC Saarbrücken, später übernahm er selbst den Cheftrainerposten. 2008 ging’s als sportlicher Leiter zur SV Elversberg, 2010 zum FC Homburg – als sportlicher Leiter und Trainer. Erfahrungen als Chefanalytiker und Scout sammelte er 2012/13 unter Trainer Ralph Hasenhüttl beim VfR Aalen. Seine letzte Station vor den Blauen waren die Offenbacher Kickers. Nun kommt ihm bei den Kickers in Stuttgart in einer der schwierigsten Phasen der Vereinsgeschichte eine Schlüsselfunktion zu.