Stuttgarter Studio-Theater Trump als Realsatire

Furchtlos an die großen Themen: der Regisseur und Intendant Christof Küster Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Furchtlos an die großen Themen: der Regisseur und Intendant Christof Küster Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

„Nicht kleckern, klotzen“ oder „Wie man reich wird“ lauten die Buchtitel von Donald Trump. Der Regisseur Christof Küster bringt im Studio-Theater ein Stück über den US-amerikanschen Präsidenten heraus – mit vielem, was man noch nicht wusste.

Kultur: Adrienne Braun (adr)

Stuttgart - Von dem Mann kann man einiges lernen. „Wie man reich wird“ nennt sich eines der Bücher von Donald Trump, „Gib niemals auf“ ein anderes. Christof Küster hat sich die Mühe gemacht, tatsächlich die Ratgeber zu lesen, auch wenn Trump sie vermutlich nicht selbst verfasst hat, sondern ein Ghostwriter. Und der Theatermann hat gestaunt, wie viel man in Titeln wie „Nicht kleckern, klotzen“ über Trumps Leben und Denken erfahren kann. So schreibt Trump unter der Überschrift „Rache“: „Zielen Sie auf die Halsschlagader.“ – „Wenn man das liest“, so Küster, „weiß man nicht, ob das grotesk oder nur noch gruselig ist.“

Christof Küster ist Leiter des Studio-Theaters, das sich immer wieder großen, politischen Stoffen gewidmet und mit einer Helmut-Kohl-Revue und dem Stuttgart-21-Musical „Die Schlichtung“ überregional Schlagzeilen gemacht hat. Diesmal wagt sich Christof Küster mit einem Stück über den US-amerikanischen Präsidenten an ein noch größeres Thema. Am Samstag hat „The Trump Trial“ Premiere, eine Collage ganz unterschiedlicher Texte, angefangen bei Trumps Ratgeberliteratur bis hin zu Interviews, etwa einem Gespräch mit dem „Playboy“ von 1990, bei dem er identische Formulierungen wie heute verwendete – die er damals allerdings auf Japan bezog, heute dagegen auf China.

Zunächst war sich Christof Küster nicht sicher, ob er sich wirklich Trump widmen soll. „Ich war hin- und hergerissen“, sagt er, „bei der Inaugurationsrede wurde mir ganz anders.“ Dann aber ist er jenseits der tagesaktuellen Berichte immer wieder auf interessante Details gestoßen – dass Trump zum Beispiel Werbung für McDonald’s gemacht hat. „Da dachte ich, das lohnt sich“, so Küster, der in „The Trump Trial“ jene Aspekte beleuchten will, „von denen man in den Videos im Internet nichts erfährt“.

Der Präsident tritt keinen Tropfen Alkohol

Schon 1988 wollte Trump Präsident werden, 1993 erlebte er einen dramatischen Niedergang und ging pleite. Sein Bruder ist an seiner Alkoholsucht gestorben. „Trump betont immer wieder, dass das für ihn entscheidend gewesen sei“, sagt Küster, „er trinkt keinen Tropfen.“ Wie ist Trump aber tatsächlich? „Wir haben im Team viel diskutiert, aber er bleibt ungreifbar.“ Wie jeder Mensch habe auch der US-Präsident viele Facetten. „Der strenge Vater, die Militärakademie, da versteht man dann aber schon manches etwas besser“, meint Küster. Im Stück erfährt man auch, dass Trump schon 1990 offen erklärte, dass der Atomkrieg in seinem Denken eine große Rolle spiele. „Es gibt Momente, wo es gruselig wird“, sagt Küster über seine Inszenierung, „aber die Realsatire ist auch immer wieder unterhaltsam.“ Es werden auf der Bühne ausschließlich Originaltexte verwendet: „Wir spitzen nicht zu, sondern lassen die Realsatire persönlich sprechen.“

Großes Politik auf der kleinen Bühne

Auch bei der „Schlichtung“ bewies Christof Küster sein Gespür, aus dokumentarischem Material einen so spannenden wie amüsanten Theatertext zu destillieren. In diesem S-21-Musical wurden ausschließlich Zitate aus den Schlichtungsgesprächen verwendet – und Küster gelang es, der aufgeheizten Debatte mittels Humor die Aggression zu nehmen. „Es hat manchmal seinen Reiz, die große Politik auf die kleine Bühne zu bringen“, sagt er.

In „The Trump Trial“ verwandelt sich diese kleine Bühne mal zum Golfplatz, mal zum Trump-Tower oder zum Oval Office, dem Büro des Präsidenten im Weißen Haus. Die Inszenierung spielt mit Zeitsprüngen, aber man erfährt immer, in welchem Jahr man sich gerade befindet. Gundi Anna Schick spielt Donald Trump, aber auch die anderen Schauspieler – Barbara von Münchhausen, Boris Rosenberger, Christoph Franz und Shirin Brendel – schlüpfen in die Figur, wenn sie zum Beispiel von Trumps Kindheit berichten. Damit soll den vielen Seiten von Trump, der manchmal auch an ein großes Kind erinnert, Rechnung getragen werden. So verkündete der Präsident stolz, wofür der rote Knopf auf seinem Schreibtisch sei: Damit könne er sich eine Cola bestellen.

Der Präsident als Bühnenfigur

Regisseur Christof Küster wurde 1969 in Wuppertal geboren und von Pina Bauschs Tanztheater geprägt. Während er die Schauspielschule in Frankfurt besuchte, inszenierte er bereits und gründete das „Graue Theater“. Ein Jahr lang war er am Hessischen Landestheater Marburg fest im Ensemble, aber eigentlich wollte er immer inszenieren. Die Liebe führte Küster nach Stuttgart, er bekam ein Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg und Engagements am Staatstheater Stuttgart. Seit 2008 ist er künstlerischer Leiter des Studio-Theaters Stuttgart.

Stück Donald Trump ist streitlustig und hat zahllose Prozesse geführt. Von den angeblich bisher 4095 Klagen und Prozessen ist er in mehr als der Hälfte der Fälle selbst als Kläger aufgetreten. „The Trump Trial“, eine Stückentwicklung von Christof Küster, beleuchtet die vielen Seiten des amerikanischen Präsidenten. Die Premiere findet am Samstag, dem 10. Juni, statt und ist ausverkauft. Weitere Vorstellungen vom 14. bis 17., vom 21. bis 24. sowie am 30. Juni – und am 1. sowie vom 5. bis 8. Juli im Studio-Theater.




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