Muhammet Sözer, den alle Memos nennen, spielt die Bedeutung dieses Spiels nicht herunter. Im Gegenteil. „Das ist ein Do-or-die-Spiel“, sagt der Futsal-Nationalspieler des TSV Weilimdorf vor dem WM-Qualifikationsspiel an diesem Donnerstag (18.30 Uhr) in der Göppinger EWS-Arena gegen die Slowakei. Nur wenn das deutsche Nationalteam gewinnt, hat es noch eine Chance, bei der WM 2024 in Usbekistan am Ball zu sein. Wenn nicht, „ist der große Traum“ (Sözer) geplatzt.
Unter den 20 Top-Nationen
Damit kein falscher Verdacht aufkommt: Dass die Mannschaft von Bundestrainer Marcel Loosveld diese Qualifikationsspiele in der sogenannten Eliterunde überhaupt – und das erstmals – erreicht hat, ist schon ein Riesenerfolg. „Wir sind unter den 20 Top-Nationen in Europa. Dafür, dass wir erst 2016 unser erstes Länderspiel bestritten haben, ist das aller Ehren wert“, meint Sözer. Ein Jahr davor wurde die deutsche Futsal-Nationalmannschaft gegründet.
Fast schon logisch, dass sie gegen die größeren Futsal-Nationen noch Lehrgeld zahlt. In Frankreich gab es ein 2:6, gegen Kroatien in Chemnitz ein 1:5. Mit der Slowakei folgt nun ein Gegner auf Augenhöhe, gegen den es in der Gruppenphase zwei Unentschieden gab. Ein Sieg in Göppingen und ein weiterer beim Rückspiel am 9. Oktober in Levice würde die Mini-Chance vor den zweiten Duellen mit den beiden Favoriten wahren. Am 15. Dezember geht’s ins kroatische Slavonski Brod, am 20. Dezember kommt Frankreich nach Dresden. Nur der Gruppenerste qualifiziert sich direkt, der zweite hat noch Relegationschancen.
Gute Erinnerungen an Göppingen
„Wir möchten die Eliterunde zum Lernen nutzen, aber so lange wir eine rechnerische Möglichkeit haben, wollen wir auch um unsere WM-Chance kämpfen. Das werden wir in Göppingen zeigen“, betont Sözer. An die EWS-Arena haben er und die deutsche Auswahl sehr gute Erinnerungen. Im vergangenen April gab es im Play-off-Spiel gegen Schweden ein 4:2. Sözer war an allen vier Toren beteiligt, zudem sorgten 2871 Zuschauer für eine neue Futsal-Rekordkulisse in Deutschland.
Der 28-Jährige gehört zu den routinierten Führungsspielern im deutschen Team. Sein sieben Jahre jüngerer Vereinskollege und Freund Suad Ak gilt als der aufstrebende Stern am deutschen Futsal-Himmel. „Er hat das Potenzial, um ganz nach oben zu kommen und auch einmal für eine Weltklasse-Futsal-Mannschaft zu spielen“, sagt Sözer. Was Ak besonders auszeichnet? Er ist mit beiden Beinen technisch gleich stark, enorm kreativ, und er profitiert von seinem eminent schnellen Antritt. Zulegen muss er noch an der körperlichen Robustheit und an der Intensität gegen den Ball.
In Bielefeld aufgewachsen
Sözer kennt den Nachwuchsstar so gut wie kein anderer. Er ist so etwas wie sein Mentor. Beide wuchsen als Nachbarn in der Nähe von Bielefeld auf, spielten zusammen im von Aks Cousin Yasim Kacar 2014 gegründeten MHC Futsal Club Bielefeld-Sennestadt. 2021 wechselte Sözer zum damaligen deutschen Meister TSV Weilimdorf, ein Jahr später folgte ihm Ak nach Stuttgart. Sözer nahm ihn an die Hand.
Beide wohnen gemeinsam in einem Haus in Herrenberg, neben dem sechsmaligen Training pro Woche arbeiten sie in der Firma von Weilimdorfs Spielleiter Michael Bachmann. Sözer im kaufmännischen Bereich, Ak im Lagerbereich. „Eine Win-win-Situation“, sagt Bachmann, der froh ist über jeden zuverlässigen Mitarbeiter.
Futsal an der Schule
Zudem ist das Futsal-Duo noch an der Gemeinschaftsschule in Gäufelden tätig, in der Arbeitsgemeinschaft vermitteln sie einmal wöchentlich Schülern der vierten bis siebten Klasse das Futsal-Abc. „Die Teilnehmer sind begeistert, anders als im Fußball sind sie häufiger am Ball“, hofft Sözer auf weitere Futsal-Asse von morgen: „Wir brauchen einfach in der Breite mehr Spieler, sonst wird Futsal immer eine Randsportart bleiben“, befürchtet der Nationalspieler und hofft auf die für die Sportart so wichtige öffentliche Aufmerksamkeit am 5. Oktober in Göppingen: „Vielleicht können wir einen neuen Zuschauer-Rekord aufstellen.“