Tanz-Personalien in Berlin Bleibt Sasha Waltz beim Berliner Staatsballett?

Von Hartmut Regitz 

Die Diskussion ums Berliner Staatsballett könnte eine überraschende Wende nehmen: Die Co-Direktorin Sasha Waltz will das Ballett nicht im Stich lassen, fühlt sich überrumpelt und will in Ruhe über ihre Zukunft nachdenken.

Fühlt sich für das Staatsballett verantwortlich: Sasha Waltz am Montag vor der Presse Foto: dpa/Paul Zinken
Fühlt sich für das Staatsballett verantwortlich: Sasha Waltz am Montag vor der Presse Foto: dpa/Paul Zinken

Stuttgart - Noch ist nichts entschieden. Zumindest nicht in Sachen Sasha Waltz. In einer für Montag kurzfristig einberufenen Pressekonferenz bekräftigte zwar der Intendant Johannes Öhman seinen Entschluss, ab Januar nächsten Jahres das Amt eines Geschäftsführenden und Künstlerischen Direktors am Dansens Hus in Stockholm zu nehmen und führte dafür nicht zuletzt familiäre Gründe an. Aber Sasha Waltz, sichtlich angeschlagen und bleich, widersprach entschieden dem Eindruck, sie ließe das Staatsballett im Stich, um ihre choreografische Karriere weiter voranzutreiben.

„Ich habe mich von den Ereignissen überrumpelt gefühlt und konnte keinen Einfluss auf den Zeitpunkt der Auflösung unserer Zusammenarbeit nehmen“, sagte Waltz. Doch selbst wenn sie, erklärte sie weiter, „aus Verantwortungsbewusstsein für die Zukunft des Balletts und die Bedürfnisse dieser komplexen Struktur“ ihr Amt zur Verfügung stellt, heißt das noch lange nicht, dass sie geht. Der Nachsatz ihres Statements hat es in sich: „In meiner Verantwortung gegenüber dem Staatsballett werde ich in Ruhe eine Entscheidung über das Ende meiner Amtszeit fällen.“ Es kann also durchaus sein, dass die renommierte Choreografin bleibt, wenn sich ein Mann fürs Klassische findet. Ihr Vertrag läuft bis 2024/25. Und das Projekt einer Doppelspitze hält sie ebenso wenig gescheitert wie das Projekt eines Doppelensembles, das das traditionelle Repertoire bestreitet und Zeitgenössisches weiterentwickelt.

Die Tänzer habe ein Wörtchen mitzureden

Unterdessen hat das Kandidatenkarussell Fahrt aufgenommen. Es kann einem schwindlig werden angesichts der vielen Namen. Vor allem für Adolphe Binder und Bettina Wagner-Bergelt sieht man Chancen; schließlich wäre man beim Wuppertaler Tanztheater Pina Bausch froh, wenn eine der beiden Direktorinnen, die es laut Gerichtsbeschluss dort gibt, nach Berlin zöge: am besten Adolphe Binder, die unter dem in Stuttgart unvergessenen Ray Barra an der Deutschen Oper diente und später Interimschefin an der Komischen Oper war. Auch andere Ex-Stuttgarter sind im Gespräch. Aber Christian Spuck (Zürich) und Filip Barankiewicz (Prag) werden sich hüten, ihre sicheren Positionen preiszugeben. Auch Benjamin Millipied können sich manche an der Staatsballett-Spitze vorstellen. Der kurzzeitige Ballettdirektor der Pariser Oper brächte jedenfalls den Glamour, den man in Berlin liebt. Leider ist er kein guter Choreograf, dafür aber mit William Forsythe befreundet, den man gerne an der Spree sähe. Auch eine Ballettkritikerin hat sich in Stellung gebracht, indem sie den ebenfalls in Stuttgart bekannten Paul Chalmer als Nachfolger empfiehlt. Beide hatten sich schon gemeinsam am Hessischen Staatsballett beworben. Von der nächsten Saison an als klassischer Partner an der Seite von Sasha Waltz verfügbar wäre der aktuelle Wiener Ballettchef Manuel Legris; seine Stelle in Wien wird Martin Schläpfer übernehmen.

Doch für sie wie für alle anderen gilt: Viele fühlen sich berufen, aber wenige werden auserwählt. Denn auch die Tänzer haben diesmal, so ein Versprechen von Kultursenator Klaus Lederer, in der Findungskommission ein Wörtchen mitzureden. Falls es dazu, wie gesagt, noch kommen sollte.