Theatergruppe „Die Eulen“ aus Filderstadt Der Vorhang fällt zum letzten Mal

Von Thomas Krämer 

Die Theatergruppe Die Eulen bringt seit fast 40 Jahren Stücke auf die Bühne. Bald ist damit Schluss. Mit „For Sale – Zu Verkaufen“ endet die Geschichte der Theatergruppe.

Die Eulen proben das Stück „For Sale – Zu Verkaufen“, das auch ihr letztes sein wird. Foto: Thomas Krämer
Die Eulen proben das Stück „For Sale – Zu Verkaufen“, das auch ihr letztes sein wird. Foto: Thomas Krämer

Plattenhardt - Es ist eine Gaunerkomödie, die die Theatergruppe Die Eulen in dieser Spielzeit auf die Bühne bringt. Im Stück „For Sale – Zu Verkaufen“ von Daniel Stenmans geht es um dilettantische Diebe, scheinbar grundehrliche Spießbürger mit krimineller Energie, Liebe und Enttäuschungen, vergnügliche Missverständnisse und ungeahnte Wendungen, mit denen das Stück den Zuschauern einen amüsanten Abend bereitet.

Doch wenn bei der Vorstellung am 17. Februar der Vorhang fällt, dann geschieht dies nicht nur zum letzten Mal in der aktuellen Spielzeit, sondern für immer. Die Eulen treten von der Bühne ab. „Mir ist es aus Altersgründen nicht mehr möglich, die Gruppe zu leiten“, sagt Barbara Metelmann. Es habe niemanden gegeben, der die Aufgabe übernehmen wollte, bedauert die 80-Jährige, die 1979 zusammen mit weiteren sechs Theaterbegeisterten nach rund einem Jahr Vorlauf den Verein „Die Eulen“ gegründet hatte – darunter Ilka Klein und Carola Rieder, die bis heute dabei sind.

Bei einer Probe blickten sie in die Läufe von Maschinenpistolen

Mit zwei Einaktern von Ephraim Kishon – „Anästhesie“ und „Die Perle“ – stellte sich die Amateurtheatergruppe dem Publikum vor. Anfangs habe man noch kein festes Domizil gehabt, erinnert sich Metelmann. „Wir sind wie die Kinder Israels umhergezogen“, sagt sie schmunzelnd. Geprobt wurde sogar in einem Bunker in Stuttgart. „Als einmal das Licht ausfiel, tasteten wir uns zum Ausgang und blickten nach dem Öffnen der Tür in die Läufe von Maschinenpistolen und die Augen von Hunden“, sagt Metelmann. Ein Anwohner hatte die Schauspieler für Terroristen gehalten und die Polizei gerufen – es war die Zeit der RAF.

1982 stellte die Kommune den Amateurschaupielern einen eigenen Raum zur Verfügung – „wenngleich ein Stadtrat damals die Frage gestellt hat, was denn diese Dahergelaufenen wollen“, erinnert sich Metelmann. Bis heute befindet sich das „Eulennest“ mit Werkstatt und Lagerraum für Requisiten im Keller der Weilerhauschule. „Als wir dann kurz darauf den Pavillon als Raum für Proben und Aufführungen bekommen haben, wurden wir sesshaft“, schildert Metelmann das glückliche Ende der „bewegten“ ersten Jahre.

1999 spielten die Schauspieler sogar auf einer Drehbühne

„Wir sind am Anfang mit der Maßgabe eingestiegen, jeweils im jährlichen Wechsel ein Stück für Kinder und eins für Erwachsene zu spielen“, sagt Metelmann. Einzige Bedingung: Die Stücke, sagt sie, mussten besetzbar und umsetzbar sein. „Václav Havels Gauner-Oper haben wir 1999 sogar auf einer Drehbühne aufgeführt“, sagt die Schauspielerin und Regisseurin, die für die Auswahl der Vorlagen verantwortlich war.

Etwas Besonderes waren für sie auch „Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt, die 1991 in der Art einer Betriebsbesichtigung in einem Kernkraftwerk inszeniert wurden. 1995 stand „Chauvelin oder Lang lebe der König“ auf dem Programm, das Erich Kästner nie vollendet hatte und das vom damaligen VHS-Leiter Peter Beck vervollständigt wurde. Weitere Glanzstunden waren für Metelmann „Nora oder Ein Puppenheim“ von Henrik Ibsen, „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ von Michael Ende oder „Der nackte Wahnsinn“ von Michael Frayn, die für die Schauspieler harte Arbeit gewesen seien, wie sich Metelmann erinnert. Doch der Zeitgeist ging auch an den Eulen nicht vorbei. Es kamen weniger politische Stücke auf das Programm. „Es war einfach leichter, Publikum für Krimis oder Komödien zu finden“, begründet Metelmann diesen Schritt. Und auch das Kindertheater sei 2012 mit einem Stück von Paul Maar eingestellt worden, weil das Interesse nicht mehr so groß gewesen sei.

An mehreren Samstagen sind die Aufführungen zu sehen

Metelmann stand oft nicht nur selbst auf der Bühne, sondern übernahm bei allen Stücken auch die Regie. Mit einer Ausnahme: Bertolt Brechts „Mutter Courage und ihre Kinder“, bei dem Metelmann allerdings die Hauptrolle spielte. „Es war das Geschenk der Gruppe zu meinem 50. Geburtstag“, erinnert sie sich an ihr persönliches Highlight in der Historie der Eulen. Metelmann, die unter dem Einfluss ihrer Tante – diese war selbst Schauspielerin – bereits im Alter von fünf Jahren ihr erstes Stück geschrieben hatte, verabschiedet sich nun zwar von der Theaterbühne. Der Filderstädter Kulturszene wird sie jedoch erhalten bleiben. „Ich werde weiterhin Lesungen halten“, sagt Metelmann.

Das aktuelle Stück „For Sale“ ist am Sonntag, 14. Januar, außerdem jeweils samstags am 20. und 27. Januar sowie am 3., 10. und 17. Februar zu sehen. Die Aufführungen finden im Musikpavillon in Plattenhardt an der Straße „Im Weilerhau“ statt. Beginn ist jeweils um 19.30, Saalöffnung um 18.45 Uhr.

Karten gibt es zum Preis von zwölf Euro (neun Euro) unter karten@theater-die-eulen.de, Telefon 0711/7 07 91 21 (ab 14 Uhr) oder im i-Punkt am S-Bahnhof in Bernhausen.