Tötungsdelikt in Holzgerlingen Ist der Untermieter der Dreifachmörder?

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Ein hausinterner Streit hatte tödliche Folgen: Nach dem Tod drei Bewohner eines Hauses fahndet die Kripo nun nach dem Nachbarn aus dem Dachgeschoss.

Nach der Bluttat in der Bühlenstraße in Holzgerlingen laufen die Ermittlungen abgeschirmt auf Hochtouren. Foto: 7aktuell.de/Marc Gruber
Nach der Bluttat in der Bühlenstraße in Holzgerlingen laufen die Ermittlungen abgeschirmt auf Hochtouren. Foto: 7aktuell.de/Marc Gruber

Holzgerlingen - Die Kriminalpolizei geht im Fall des dreifachen Leichenfunds in Holzgerlingen (Kreis Böblingen) einer ersten Spur nach. In dem Haus an der Bühlenstraße, in dem eine Frau und zwei Männer tot aufgefunden wurden, lebte ein Untermieter. Der Mann ist 30 Jahre alt und zumindest bisher spurlos verschwunden. Er gilt der Polizei als Tatverdächtiger. Möglicherweise ist der 30-Jährige aus Deutschland ausgereist – wobei dies wegen der Grenzkontrollen nicht mehr so einfach sein dürfte. Der Mann stammt aus Bosnien. Bis zu der Bluttat hatte er im Dachgeschoss des Hauses zur Untermiete gewohnt.

Kurz vor 10 Uhr am Mittwoch waren die drei Leichen entdeckt worden. Den gesamten Tag über hatten Beamte der Spurensicherung im und ums Haus nach Hinweisen auf Tat und Täter gesucht. Bis zum Mittwochabend stand kaum mehr fest, als dass die Frau und die beiden Männer offenkundig Opfer einer Gewalttat geworden waren. Polizeisprecher Peter Widenhorn sprach von „Spuren massiver Gewalteinwirkung“. Bei dieser Formulierung ist es in der ersten schriftlichen Stellungnahme von Polizei und Staatsanwaltschaft auch am Donnerstag geblieben. Details werden – wie bei laufenden Ermittlungen üblich – weiterhin nicht bekannt gegeben. Dazu zählt auch, wie die Opfer zu Tode kamen und auf welche Tatwaffe die Verletzungen hindeuten. Dass sich im Haus ein Gewaltverbrechen abgespielt hat, daran besteht freilich kein Zweifel.

Die Spuren führen zum Mann aus dem Dachgeschoss

Die Opfer sind am Donnerstag obduziert worden. Im Haus suchen weiterhin Ermittler nach Spuren. Das Landeskriminalamt hat Spezialisten seines Kriminaltechnischen Instituts eingeschaltet. Die Kriminalpolizei in Böblingen arbeitet mit einer 40-köpfigen Sonderkommission, die nach dem Tatort „Bühlen“ benannt ist, an der Aufklärung.

Die Identität der Opfer ist inzwischen geklärt. In dem Haus lebten eine 27 Jahre alte Frau mit ihrem 33-jährigen Lebensgefährten, außerdem dessen 62 Jahre alter Vater. Bei ihnen handelt es sich auch um die Hausbesitzer, somit um die Vermieter des nunmehr gesuchten 30-Jährigen. Dabei ist er nicht nur wegen seines Verschwindens unter Verdacht geraten: „Auch die Spurenlage im Haus deutet darauf hin, dass der Gesuchte mit der Tat etwas zu tun hat“, sagt Polizeisprecher Widenhorn.

Schon wieder Tod in einer häuslichen Gemeinschaft

Die Mutter der 27-Jährigen hatte der Polizei den Verdacht gemeldet, dass irgendetwas nicht stimmen könne. Ihre Tochter war zu einer Verabredung am Mittwochmorgen nicht erschienen. Außerdem konnte die Mutter sie telefonisch nicht erreichen. Nachdem der Besatzung eines Streifenwagens niemand öffnete, gingen die Beamten zunächst davon aus, dass hinter der Haustür jemand wegen schwerer gesundheitlicher Probleme hilflos sei. Gegen 9.45 Uhr brach die Feuerwehr die Tür auf. Dann wurde erst das ganze Ausmaß des Alarmfalls deutlich.

Die Polizei hat es nicht zum ersten Mal mit solchen dramatischen Tötungsdelikten in häuslichen Gemeinschaften zu tun. Das Jahr hatte schon mit einem besonderen Drama in Rot am See im Kreis Schwäbisch Hall begonnen, als ein 26-Jähriger am 24. Januar sechs Familienangehörige erschoss. Im Dezember 2018 wurden in einem Mehrfamilienhaus in Böblingen eine 38-jährige Frau und ihre 61-jährige Mutter erstochen aufgefunden – getötet vom 17-jährigen Sohn.

Konflikt um Miete – oder ein psychiatrischer Fall?

Was im Holzgerlinger Mordfall der Hintergrund der Bluttat gewesen sein könnte, wird noch ermittelt. Offenkundig muss es schon länger Konflikte gegeben haben. Doch selbst ein Streit zwischen Mieter und Vermieter über Mietpreis oder Wohnungskündigung würde eine solche grausame Bluttat allein nicht begründen. Womöglich könnte der Hintergrund ähnlich sein, wie bei einem Mordfall im Januar 2015 in Böblingen, wo in bester Wohnlage am Murkenbach ein 74-jähriger Vermieter erstochen wurde. Als Täter wurde der 39-jährige Mieter festgenommen. Der litt unter einer schizoaffektiven Psychose, von der niemand etwas wusste. Er stach auf sein Opfer 50-mal ein. Urteil: Psychiatrie.

Wie es im Holzgerlinger Mordfall dem Täter gelungen ist, drei Menschen zu überwältigen und zu töten, darüber will die Polizei nichts verraten. Auch nicht, ob sich die Leichen in unterschiedlichen Räumen befanden. „Das ist Täterwissen“, sagt Polizeisprecher Widenhorn. Und der dringend Tatverdächtige ist zu diesem Zeitpunkt noch auf der Flucht.