Tradition an den Osterfeiertagen Maultaschen mal im Salzwasser und mal in der Brühe

Die Hemminger Landfrauen Ingeborg Piro (links), Renate Rudolf und Birgit Bard und ihr Rezeptbuch. Foto: Simon Granville

Dass Schwaben an den Osterfeiertagen die gefüllten Teigtaschen essen, hat Tradition. Die Hemminger Landfrauen bereiten sie selbst zu.

Leonberg: Stefanie Köhler (koe)

Das Maultaschenrezept ihrer Mutter kennt Ingeborg Piro im Schlaf. Die Vorsitzende der Landfrauen sieht noch genau vor sich, wie sie und ihre vier Geschwister damals vor dem Kessel standen und die gefüllten Teigtaschen probierten. Die Qualitätskontrolle sei das gewesen, erzählt Ingeborg Piro und lacht. Zweieinhalb Pfund Nudelteig hat ihre Mutter gekauft und dann mehrere Stunden in der Küche verbracht, um am Gründonnerstag genug Maultaschen zu servieren. So ist es bei Schwaben verbreitet. Was davon übrigblieb, kam geröstet mit Ei auf den Tisch. Eine Tradition, die Ingeborg Piro lange fortgeführt hat. Auch hat sie zum Beispiel den Kindern ihres Bruders gezeigt, wie man Maultaschen zubereitet. „Bei jedem schmecken sie anders“, stellt die 63-Jährige fest. Mittlerweile essen sie und ihr Mann am Tag vor Karfreitag bei einem befreundeten Paar Maultaschen. Doch unterm Jahr lässt es sich die Landfrau nicht nehmen, sie selbst zu machen. Ihre Mutter habe die Zwiebeln und den Lauch immer in der Pfanne gedämpft. „Beides muss gut durch sein, sonst schmeckt es nicht“, findet Ingeborg Piro. Auch der Spinat wurde gedämpft – „und dann musste das Wasser raus“.

 

So geht das Rezept für Maultaschen der Hemminger Landfrauen. Foto: Simon Granville

Renate Rudolfs Mutter hat sogar den Nudelteig selbst gemacht. Der große Aufwand schreckte die Hemmingerin, die ebenfalls bei den Landfrauen Mitglied ist, lange ab, selbst Maultaschen zuzubereiten. Die gab es in der Familie meist im Frühsommer, nachdem der Spinat erntefrisch aus dem Garten kam. Fleisch aß die Familie – weil katholisch – an den Osterfeiertagen ohnehin erst am Ostersonntag. Pellkartoffeln mit Fisch und Käse oder Quark sowie Süßspeisen beispielsweise landeten bis dahin auf dem Teller.

Maultaschen mit Bärlauch

Vegetarische Maultaschen seien schwieriger zuzubereiten als die mit Fleisch, meint Renate Rudolf und erhält Zustimmung: Man müsse mit den Zutaten experimentieren, um die richtige Konsistenz zu finden, damit die Masse hält. Vor Jahren habe sie Kartoffeln verwendet, berichtet Renate Rudolf. „Das war nicht lecker. Etwas fehlte“, so ihr Fazit. Ihre letzten vegetarischen Maultaschen hätten nicht perfekt zusammengehalten. „Ich habe sie daher angebraten. Essen kann man sie ja trotzdem“, sagt Renate Rudolf.

Birgit Bard bestätigt das. Sie lacht. „Wenn sich die Maultaschen lösen, ist das eine Katastrophe. Sie schmecken zwar, sehen aber nicht mehr schön aus.“ Als gebürtige Rheinland-Pfälzerin aus dem Hunsrück lernte sie das Maultaschenmachen erst in Hemmingen kennen – beim ökumenischen Bibelsonntag jeden Januar, für den am Vortag 800 Maultaschen entstehen. Bis dato aß Birgit Bard am Gründonnerstag Pellkartoffeln mit Kräuterquark und hartgekochten Eiern. Heute schätzt die 64-Jährige Maultaschen mit Bärlauch. Selbstgemachte servieren sie und ihr Mann in großem Stil an dessen Geburtstagsfeier nach Ostern.

Salzwasser? Oder Gemüsebrühe? Die Geister scheiden sich

280 Mitglieder stark sind Hemmingens Landfrauen. Der 1951 gegründete Ortsverein ist einer der größten Ortsvereine im Kreis Ludwigsburg. Bei der Kulturnacht im vorigen Jahr verkauften die Landfrauen beim Bauhof selbstgemachte Maultaschen. Die seien so nachgefragt gewesen, dass Nachschub hermusste. Der auch rasch aus war.

Birgit Bard und Renate Rudolf schwören auf Gemüsebrühe – „für den Geschmack“ –, dagegen setzt Ingeborg Piro auf Salzwasser. Der Geschmack komme durch die Gewürze in den Maultaschen, findet die Vereinschefin. So oder so: Wichtig sei, die Nudelplatten mit Eiweiß zu bestreichen, ehe die Füllung draufkommt. Eiweiß dient als Kleber, sonst lösen sich beim Kochen die Platten. Die Landfrauen raten, die Maultaschen zehn Minuten lang ruhen zu lassen – „damit sich alles verbindet“ –, und sie dann für zehn Minuten zu kochen. Maultaschen selbst herzustellen, sei gar nicht so kompliziert, meint Birgit Bard. Sie halte sich immer an die Rezeptangaben. Und nennt Maultaschen den „Inbegriff des schwäbischen Essens“. Selbstgemachte würden immer gut ankommen. Renate Rudolf nickt. „Sie schmecken jedem, auch weil so viele Varianten möglich sind.“

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