Umwelt Schwieriger Weg zur Einigung

Leben: Werner Ludwig (lud)
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Am Ende der ersten Runde haben mit Ausnahme der USA alle Blöcke Treibhausgasminderungen zugesagt – die EU immerhin um drei Prozent pro Jahr von 2030 an. Doch das Urteil der Software ist ernüchternd: 3,2 Grad Erwärmung bis 2100. „Das reicht nicht, Sie müssen mehr tun!“, ruft Kapmeier. Mit Hilfe einer Kollegin „überflutet“ er die Delegierten der Entwicklungsländer mit einer blauen Folie, die den Anstieg des Meeresspiegels symbolisiert. Die Grafiken an der Wand zeigen, wie schwer die Aufgabe ist, vor der echte und gespielte Regierungsvertreter stehen: Obwohl die Emissionen aus fossilen Energien aufgrund ihrer Zusagen von 2060 an nicht mehr steigen, setzt sich der Temperaturanstieg fort. Der Grund: der CO2-Ausstoß liegt weiter über der Menge, die Pflanzen und Meeresalgen der Atmosphäre entziehen.

C-Roads wurde am Massachusetts Institute of Technology (MIT) mit Unterstützung der gemeinnützigen Organisation Climate Interactive entwickelt. Kapmeier hat mehrere Forschungsaufenthalte am MIT absolviert und ist Ansprechpartner von Climate Interactive im deutschsprachigen Raum. Beim Software-gestützten Rollenspiel World Climate können sich die Studenten selbst engagieren – und gleich das Ergebnis ihrer eigenen Entscheidungen sehen, erläutert Kapmeier. „Das bringt viel mehr, als wenn ich nur eine Vorlesung zum Thema Klimawandel halten würde.“

Hinter der übersichtlichen Benutzeroberfläche von C-Roads verbergen sich die Szenarien der Klimamodelle des Weltklimarats IPPC. Wer tiefer einsteigen will, kann die zugrunde liegenden Annahmen studieren und diese innerhalb bestimmter Grenzen verändern. „Natürlich handelt es sich bei den Ergebnissen um Modellrechnungen“, sagt Kapmeier. Doch die Trefferwahrscheinlichkeit sei hoch. So deckt sich etwa der Temperaturverlauf, den das Modell auf Basis der Treibhausgasemissionen seit 1850 errechnet hat, sehr gut mit den tatsächlich gemessenen Werten.

Ein dicker Brocken für Entwicklungsländer

Im Seminarraum hat die zweite Verhandlungsrunde begonnen. Es fällt auf, dass die Delegierten stärkere Klimaschutzbemühungen ihrer Länder nun an Bedingungen knüpfen. „Wir reduzieren unsere Emissionen jährlich um zwei Prozent, wenn die anderen entwickelten Länder mitmachen“, sagt der Vertreter Indiens. Die Entwicklungsländer verlangen von den reicheren Ländern 650 Milliarden Dollar für Klimaschutzinvestitionen (der echte Klimafonds soll gerade einmal 100 Milliarden umfassen) und versprechen dafür eine höhere Emissionsminderung von 1,8 Prozent im Jahr. Die USA wollen den CO2-Ausstoß nun doch etwas senken, aber nur wenn China und Indien mehr tun als bisher zugesagt.

Nun liegt der Temperaturanstieg bei 2,5 Grad. Es geht in die Verlängerung. Angebote werden durch den Raum gerufen. Die US-Städte bieten 200 Millionen für den Klimafonds, zu dem sogar die Energielobby etwas beisteuern will. Das Geld soll aber nur fließen, wenn alle anderen Länder spätestens 2030 beginnen, ihre Emissionen zu senken. Das ist besonders für die Entwicklungsländer, die ihre Bevölkerung aus der Armut holen wollen, ein dicker Brocken.

Bei jedem neuen Vorschlag dürfen die Studenten raten, was er wohl für das Gesamtergebnis bringen mag. Dabei wird schnell deutlich, dass nur alle Länder gemeinsam den Klimawandel wirksam bremsen können. Kapmeier zitiert Angela Merkel: „Es reicht nicht, wenn nur die Industrieländer CO2-neutral werden.“ Nach langem Hin und Her stehen endlich die ersehnten zwei Grad an der Wand. Kapmeier legt Sakko und Krawatte ab – und damit auch die Rolle des UN-Generalsekretärs.

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