Krimikolumne

Veit Etzold: „Seelenangst“ Hart und grausig

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Hart, schwarz, gruselig: Veit Etzold geht mit „Seelenangst“ von Anfang an in die Vollen. Der Thriller rund um Satanisten und Exorzisten ist nichts für schwache Nerven.

So stellte sich Gustave Doré den Sturz des Satans vor. In Veit Etzolds Thriller spielt dieser Knick in der himmlischen Karriereleiter auch eine Rolle. Foto: StZ
So stellte sich Gustave Doré den Sturz des Satans vor. In Veit Etzolds Thriller spielt dieser Knick in der himmlischen Karriereleiter auch eine Rolle. Foto: StZ

Stuttgart - Franco Gayo (wer dächte bei diesem Namen nicht an Francisco Goyas Schreckensbilder?) liegt tot auf dem Parkettboden. Hände und Füße sind ins Holz genagelt. Die Spitze eines Langschwertes schaut aus seinem Mund. Die Waffe ist ihm von seinem Mörder eingeführt worden. Rektal, würde ein Mediziner sagen.

Kein Zweifel: Veit Etzold geht auch in seinem zweiten Clara-Vidalis-Thriller wieder in die Vollen. Die „Seelenangst“ ist nichts für Zartbesaitete. Der 1973 in Bremen geborene Autor stattet sein Buch mit allem aus, was hart und grausig ist: Mord, Folter, Kindesmissbrauch, Exorzismus.

Clara Vidalis und ihre Kollegen suchen einen Mörder namens „Der Drache“ (wer dächte bei diesem Spitznamen nicht an die Serienkiller von Thomas Harris?), der sich für sein blutiges Handwerk scheinbare Gutmenschen ausgesucht hat. Leute, die nach außen hin ein großes soziales Herz haben, in Wirklichkeit aber schwerkriminellen Machenschaften nachgehen. Doch dem Drachen geht es nicht um Rache für die Opfer, er hat etwas ganz anderes im Sinn . . .

Etzold taucht mit seinem Thriller tief in die Szene der Satanisten und der Exorzisten ein. Er schildert schaurige Riten und Rituale, er beschreibt, mit welchen psychologischen Mechanismen Menschen zu willenlosen Handlangern des Bösen werden.

Ob das Buch zum theologischen Diskurs taugt, mögen Berufenere beurteilen. Auch, welche Rolle Opus-Dei-Mitglieder bei der Recherche im Vorfeld gespielt haben mögen (immerhin: der liberale Kardinal Lehmann hat die erzkatholische Vereinigung ja schon mal gegen ihre Kritiker in Schutz genommen).

Was aber bleibt, ist ein formal und erzählerisch souverän konstruierter Thriller, dessen Wirkung sich auch bei protestantischen Lesern entfaltet, die mit Teufeleien und Gegenteufeleien sonst nicht so viel am Hut haben.

Veit Etzold: „Seelenangst“. Roman. Bastei Lübbe TB. 414 Seiten, 9,99 Euro. Auch als E-Book, 8,49 Euro.