Verärgerte Schulleiter in Stuttgart Ein Aufruf zur Unzeit
Der Lehrermangel ist hausgemacht. Dass der Appell zur Mehrarbeit nach der Pandemiebelastung schlecht ankommt, war erwartbar, meint Inge Jacobs.
Der Lehrermangel ist hausgemacht. Dass der Appell zur Mehrarbeit nach der Pandemiebelastung schlecht ankommt, war erwartbar, meint Inge Jacobs.
Dass die Aufforderung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Kultusministerin Theresa Schopper an den Schulen in Stuttgart besonders schlecht ankommt, kann niemanden überraschen. Denn gerade in der Landeshauptstadt ist die Versorgung mit Lehrern seit Jahren schon zu Schuljahresbeginn schwierig, gibt es unbesetzte Stellen. Auffangen müssen das die Bestandslehrkräfte.
Auffangen mussten und müssen sie auch die Zusatzbelastungen, die die Coronapandemie mit sich gebracht hat: von den Coronatests und deren Verteilung und Dokumentation über neue digitale Lehrformen bis hin zu einer Schülerschaft, die wegen der langen Lockdown-Zeit durch den Wind war – und es zum Teil immer noch ist. Nicht nur beim Lernen, auch beim Verhalten. Das schlaucht.
Dass jetzt der Ukraine-Krieg viele Flüchtlinge nach Stuttgart getrieben hat, konnte niemand ahnen. Auch die Dauer des Krieges nicht. Aber inzwischen muss man damit rechnen, dass er länger geht und viele Kinder und Jugendliche erst mal hierbleiben. Da verwundert es schon, dass die Verwaltung – zumindest für die beruflichen Schulen – offenbar keine Szenarien und Kapazitätenberechnungen vorbereitet, wie der geschäftsführende Schulleiter berichtet.
Und es verwundert auch, dass die Verträge von Lehrern, die jetzt oder seit Jahren einspringen, pünktlich zu den Sommerferien beendet und danach wieder neu gemacht werden müssen. Was ist denn das für ein Signal? Wer Lehrkräfte gewinnen oder halten will, sollte ihnen Wertschätzung zeigen. Das gilt besonders im teuren Stuttgart.