Verbot in Osnabrück Bannmeile für Elterntaxis zur Schule

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Was früher die große Ausnahme war, ist heute die Regel: Eltern fahren ihre Kinder morgens zur Schule. Osnabrück hat jetzt die Chauffeursdienste bis vors Schultor verboten.

Lernen durch Laufen: Kinder müssen ihre eigene Erfahrungen im Straßenverkehr machen – und das beginnt schon morgens auf dem Weg zur Schule. Foto: dpa
Lernen durch Laufen: Kinder müssen ihre eigene Erfahrungen im Straßenverkehr machen – und das beginnt schon morgens auf dem Weg zur Schule. Foto: dpa

Osnabrück/Stuttgart - Es eines der großen Daueraufregerthemen: Elterntaxis zur Schule. Ein Trend, der nicht zu bremsen ist. Meldungen über Eltern, die sich im morgendlichen Berufsverkehr wie Rowdys benehmen, um ihrem Nachwuchs den Weg zur Schule zu bahnen, füllen die Zeitungsspalten. In Osnabrück ist den Stadtväter jetzt der Kragen geplatzt. Per einstimmigen Ratsbeschluss ist Eltern untersagt worden, ihre Kinder direkt vors Schultor zu chauffieren. Wer gegen die Anordnung verstößt, muss ein Bußgeld zahlen.

Bannmeile für Elterntaxis

Klagen über das allmorgendliche Chaos vor den Schulen gibt es viele, genauso wie Versuche, die kreuz und quer parkende Autolawine zu bändigen. In Osnabrück, Stuttgart, Hamburg, Köln oder anderswo. Neu ist: Als bundesweit erste Stadt werden in Osnabrück an sämtlichen Schulen Bannmeilen eingerichtet, um dem „riesigen Problem“ der Elterntaxis Herr zu werden.

Ein Brandbrief von Ralf Hermann, Rektor der Schillerschule in Bad Cannstatt, an die Grundschuleltern hatte im Dezember 2014 landesweit für Aufsehen gesorgt. Eltern, die ihre Kinder bis vors Schultor kutschierten, würden für ein Verkehrschaos sorgen und andere Schüler ernsthaft gefährden, hieß es darin.

Elterntaxis: Unkalkulierbares Risiko für Schulkinder

Die Grundschule am Schölerberg in Osnabrück hatte bereits vor zwei Jahren in Zusammenarbeit mit Polizei und Verkehrswacht sichere Haltepunkte eingerichtet, die Eltern morgens ansteuern können. Diese Bereiche sind wenige Hundert Meter vom Schulhof entfernt. Die Kinder können den Rest des Weges in Tempo-30-Zonen alleine oder in Gruppen zurücklegen.

Der Eindruck, dass immer mehr Eltern ihre Kleinen herumkarren, trügt nicht – und ist sogar wissenschaftlich untermauert. Eine Studie der Bergischen Universität Wuppertal im Auftrag des ADAC von 2013 belegt, dass Elterntaxis ein großes und unkalkulierbares Sicherheitsrisiko für Schulkinder sind. So gut gemeint die Absichten auch sind (die Schule liegt auf dem Weg zur Arbeit, es regnet, man macht sich Sorgen um die Sicherheit wegen des Verkehrs), die Folgen sind mitunter verheerend. Autos blockieren die Straßen rund um die Schulen, andere Schüler müssen sich ihren Weg durch die Blechlawinen und Abgasschwaden bahnen. Mütter und Väter suchen hektisch nach einem Durchkommen und einer Parklücke. Die Zeit drängt, schließlich müssen die Erwachsenen zur Arbeit.

Die Alternative: Elterntaxis-Haltestellen

Durch regelwidriges Anhalten und riskante Wendemanöver gefährdeten Eltern „in vielen Fällen teils massiv“ die Sicherheit andere Schulkinder und Verkehrsteilnehmer, kritisiert der ADAC. Da viele Eltern trotz wiederholter Warnungen und Mahnungen von Schulen, Polizei und Verkehrswacht uneinsichtig sind, fordert der ADAC flächendeckende „Elterntaxis“-Haltestellen, die mindestens 250 Meter vom Schuleingang entfernt liegen.

Laut „Elterntaxi-Studie“ machen sich inzwischen weniger als 50 Prozent der Schüler eigenständig auf dem Weg zur Schule (1986: 90 Prozent). Die übrigen werden per Kfz vorgefahren. Das vergrößert nicht nur die Verkehrsprobleme und belastet die Umwelt zusätzlich, sondern bringt Heranwachsende vor allem um (überlebens)-wichtige Erfahrungen im Straßenverkehr.

Die Welt erkunden – auf dem Weg zur Schule

„Der Umgang mit alltäglichen Konflikten ist wichtig für die persönliche Entwicklung“, erklärt der Kölner Diplom-Pädagoge und Schulberater Detlef Träbert. Kinder müssten eigene Erfahrungen machen, um soziale Kompetenz zu entwickeln. Anders gesagt: Um die Welt zu erkunden und zu entdecken. Und das fängt schon frühmorgens an – auf dem eigenen Weg zur Schule.

Info: Was sind Helikopter-Eltern?

Helikopter-Eltern
Eltern wollen immer das Beste für ihr Kind. Doch der Wunsch, dass alles perfekt sein muss, kann Kinder auch erdrücken und ihrer Persönlichkeitsentwicklung Schaden zufügen. Um ein realistisches Selbstbild zu entwickeln und den schwierigen Umgang mit Gefühlen, Konflikten, Niederlagen und anderen Menschen zu erlernen, müssen Kinder selbstständiges Denken und Handeln trainieren. Tagtäglich. Überfürsorgliche Eltern, die wie ein Helikopter über ihrem Kind kreisen und es auf Schritt und Tritt kontrollieren, erschweren den Prozess des Reifens und Erwachsenwerdens.




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