Verkehrsminister weiht Radweg in Ludwigsburg ein Nach jahrelangem Streit: Radweg eingeweiht

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An der Marbacher Straße ist das erste Teilstück eines umfassenden Routenkonzepts der Stadt realisiert. Zur Einweihung kommt der grüne Landesverkehrsminister Winfried Hermann – und kritisiert die lange Dauer der Umsetzung.

Offizielle Einweihung mit Prominenz: Bürgermeister Michael Ilk, Verkehrsminister Winfried Hermann und Oberbürgermeister Werner Spec (von  rechts) Foto: factum/Granville
Offizielle Einweihung mit Prominenz: Bürgermeister Michael Ilk, Verkehrsminister Winfried Hermann und Oberbürgermeister Werner Spec (von rechts) Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - Fast vier Jahre Streit im Gemeinderat und anderthalb Jahre Bauzeit: Am Samstag hat die Stadt Ludwigsburg den neuen Radweg Marbacher Straße eingeweiht. Neben dem Verkehrsminister Winfried Hermann sind rund 100 Bürger der Einladung an das Heilbronner Torhaus gefolgt – darunter auch Stadträte von SPD, Grünen und Ökolinx. Die Vertreter der CDU blieben dem Eröffnungsradeln fern, und auch für die Freien Wähler gingen nur Ex-Stadträte sowie die Neumitglieder OB Werner Spec und Bürgermeister Michael Ilk an den Start.

Der Gemeinderat habe sehr mutig gehandelt, als er 2014 beschlossen hat, zehn Radrouten in Ludwigsburg zu bauen, lobte der Verkehrsminister. Doch dann habe offenbar viele Räte der Mut verlassen. Denn mit dem Radweg Marbacher Straße ist lediglich das erste Teilstück vom großen Konzept realisiert worden: „Wie sollen wir die Welt verändern, wenn wir für ein Stück von zehn fünf Jahre brauchen?“ fragte Hermann. So lange hatte es gedauert, weil vor allem Räte von CDU und Freien Wählern wiederholt versucht hatten, die Entscheidung zu kippen.

„Wir müssen alle Karten ziehen“

„Wenn ein Beschluss gefasst ist, muss alles getan werden, um ihn umzusetzen“, appellierte der mit dem Fahrrad angereiste Minister. Dass in Ludwigsburg noch viel nötig sei, habe er allein schon daran ablesen können, dass er ohne Anleitung von Bürgermeister Ilk nicht vom Bahnhof zum Heilbronner Torhaus gefunden hätte.

Der Oberbürgermeister meinte kämpferisch, bei allen Kontroversen habe man nicht mehr endlos viel Zeit zum Reden und zum Zerreden. Die Bürger hätten ein Recht auf saubere Luft, und man könne ihnen nicht länger zumuten, sich durch den täglichen Stau zu quälen, sagte Spec. „Wir müssen alle Karten ziehen. Dazu gehört auch, dass das Auto manchmal zurückstehen muss.“ Kaum hatte der OB auf den dichten Verkehr in Marbacher-, Stuttgarter- und Heilbronner Straße an diesem fast normalen Samstagmorgen hingewiesen, blieb wie zur Bestätigung ein Notarztwagen im Stau stecken und übertönte mit seiner Sirene minutenlang alle Redner.

OB wirbt für BRT-Busse

In den letzten 50 Jahren sei alles für das Auto gemacht worden, sagte Hermann. Und auch wenn dem Auto jetzt etwas Platz weggenommen werde, sei das kein Grund zur Klage: „Die Autofahrer werden fair behandelt – wie alle anderen Verkehrsteilnehmer“, so der Grüne.

Auch wenn sich Spec und Hermann am Samstag Seit’ an Seit’ präsentierten, wurden doch Differenzen sichtbar: Der OB, der sich im Juni zur Wahl stellen muss, befindet sich Wahlkampfmodus. Als Motor dient ihm das BRT-Bussystem. Folglich kommt er auch, wo es um Radwege geht, schnell auf schienenlose Bahnen zu sprechen. Der Verkehrsminister wollte nicht in dieses Loblied einstimmen, sondern stellte klar, dass Stadt, Kreis und Land einen Kompromiss vereinbart hätten. Das Ziel seien Stadtbahnen; BRT-Busse dienten nur der Überbrückung. Doch Spec beharrte: Diese Busse könnten die Stadtbahn dauerhaft ergänzen. Außerdem könnten im Windschatten des Trassenbaus weitere Radstrecken entstehen: „Radwege werden bei den BRT-Trassen immer mitgeplant.“

Der befürchtete Stau ist ausgeblieben

Trotz oder gerade wegen des jahrelangen Streits sei ihm der Radweg Marbacher Straße ans Herz gewachsen, bekannte Michael Ilk. Was ihn besonders freute: „Bisher habe ich nur positive Rückmeldungen bekommen.“ Weder habe es den von den Kritikern prognostizierten Stau gegeben, noch seien die Stadtbusse auf der Strecke geblieben. „Im Gegenteil, die sind seither sogar pünktlicher“, sagte der neuerdings für Mobilität zuständige Bürgermeister. Allein am Morgen des 2. April seien bergauf 963 Räder gezählt worden: „An einem Dienstag, das sind also keine Freizeitradler.“

Der neue Radweg ist 2,1 Kilometer lang und kostete 1,2 Millionen Euro. Das Land hat den Bau mit 450 000 Euro bezuschusst.

Radwegebau mit Hindernissen

Routenkonzept
Im Juli 2014 hat der Ludwigsburger Gemeinderat ein Radroutenkonzept beschlossen, das vorsieht, Straßen und Gehwege so auszubauen, dass Biker die Stadt sorglos auf zehn Routen queren können; vier davon sollten bis 2020 fertig sein. Bereits 2015 gab es erste Zweifel an der Realisierung: Schon der erste Teilabschnitt – der jetzt eröffnete Radweg Marbacher Straße – offenbarte scheinbar unüberbrückbare Differenzen im Gemeinderat. Wiederholt wurde der bereits gefasste Beschluss auf Drängen von Freien Wählern und Christdemokraten gekippt – bis das Projekt im Juli 2017 mit 21 zu 19 Stimmen beschlossen wurde.

Bauzeit
Nicht nur die Planungs-, auch die Bauzeit war lang: Mit dem Bau des Radweges ist Ende August 2017 begonnen worden, aber erst Weihnachten 2018 war er fertig. Die vom Land beauftragte Sanierung der Neckarbrücke sowie Kanal- und Leitungsarbeiten der Stadtwerke (SWLB) hatten sich hingezogen.