Waiblingen Bei Übergewicht droht Ungemach

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Eine Wiegeaktion der Kreisverkehrswacht in Waiblingen gibt den Fahrern Auskunft, ob ihr Wohnmobil oder Gespanne zu viel geladen hat.

Prävention statt Strafzettel – ein Wiegeservice der Kreisverkehrswacht Foto: Gottfried Stoppel
Prävention statt Strafzettel – ein Wiegeservice der Kreisverkehrswacht Foto: Gottfried Stoppel

Waiblingen - Das hätte sich der Herr hinter dem Lenkrad nicht gedacht: Sein schickes Wohnmobil mit Motorradträger am Heck müsste eigentlich sofort aus dem Straßenverkehr gezogen werden. Dabei hat er das Zweirad noch nicht einmal aufgeladen, und die Gattin ist auch noch nicht mit an Bord. Das zulässige Gesamtgewicht des Fahrzeugs ist trotzdem schon um etwa 130 Kilogramm überschritten. Und auf der Hinterradachse lasten rund 400 Kilogramm mehr als erlaubt. „So dürfen Sie nicht weitern fahren“, erklärt Jochen Schippert dem verdutzten Fahrer. Bei einer gewöhnlichen Kontrolle drohte dem Mann, geschätzt 60 Jahre alt, Ungemach. Doch er kommt ungeschoren davon.

Schippert ist Mitarbeiter der Kreisverkehrswacht Rems-Murr, die an diesem Samstagvormittag kurz vor den Sommerferien zusammen mit dem Landkreis auf dem Parkplatz des Kreisberufsschulzentrums in Waiblingen eine kostenlose Beratungs- und Wiegaktion veranstaltet. Zum Einsatz kommt die digitale mobile Radlastenwaage, die der Landkreis erst vor ein paar Wochen erworben hat. Rund 35 000 Euro koste das gute Stück, erzählt der Verkehrsdezernent Richard Sigel.

Der Mann am Lenkrad des Wohnmobils muss das Wasser aus dem Tank seines Mobils ablassen. Anschließend bringt das Fahrzeug zwar rund 100 Kilogramm weniger auf die Waage, die Achslast hinten verringert sich dadurch gar nicht. Dann steigen zwei Mitarbeiter der Verkehrswacht auf den Motorradträger, die zusammen etwa 160 Kilogramm wiegen – und plötzlich erhöht sich die Achslast um weitere 350 Kilogramm. Allgemeines Staunen.

Schippert erklärt, dass es beim Packen und Beladen von Wohnmobilen und Gespannen mit Wohnwagen – aber auch von Personenwagen – entscheidend sei, wo genau die Lasten verstaut werden. Faustregel: schwere Gegenstände nach unten packen und alles gleichmäßig verteilen. Die Prüfer drücken jedoch ein Auge zu, der Fahrer des überladenen Mobils verspricht, vorsichtig heim zu rollen und sofort auszuladen.

Die Wiegeaktion, die erstmals stattfindet, stößt auf viel Interesse. Es herrscht ein Kommen und Gehen. Die meisten der rund 30 gewogenen Wohnmobile und Caravans sind nicht überladen. Ein Ehepaar legt mit seinem Gefährt eine Punktlandung hin. Die beiden erreichen auf das Kilogramm genau das zulässige Gesamtgewicht – und fahren gleich weiter in den Urlaub an die Ostsee.