Waldfriedhof in Stuttgart-Degerloch Wenn bei der Beerdigung der Laubbläser dröhnt

Von Caroline Holowiecki 

Sandra Hoppe aus Stuttgart-Sillenbuch hat ihre Mutter verloren. Die Trauerfeier auf dem Waldfriedhof in Stuttgart-Degerloch wurde aber jäh durch die Müllabfuhr und geräuschvolle Gartenarbeiten gestört. Wie kann das passieren?

Friedhöfe wie der Waldfriedhof sollten ein Ort der Erinnerung sein. Foto: Archiv/Simone Bürkle
Friedhöfe wie der Waldfriedhof sollten ein Ort der Erinnerung sein. Foto: Archiv/Simone Bürkle

Sillenbuch/Degerloch - Vor der Haustür steht ein kleiner Altar. Fotos sind darauf drapiert, ebenso bunte Blumen und anderer herbstlicher Schmuck. Sandra Hoppe hat einige Jahre in Mexiko gelebt, und die Tradition des Dia de los Muertos, des Tages der Toten, hat sie nach Sillenbuch mitgebracht. Die Mexikaner glauben, dass die Seelen Verstorbener an den Tagen rund um Allerheiligen heimkehren. Für Sandra Hoppe ist das ein tröstlicher Gedanke.

Sie musste vor wenigen Tagen ihre Mutter zu Grabe tragen. Mitte Oktober fand die Urnenbeisetzung auf dem Waldfriedhof in Degerloch statt. Für Sandra Hoppe, ihre Schwester sowie andere Verwandte und Freunde hätte es ein festlicher Abschied werden sollen. Stattdessen spricht die 50-Jährige von einem „entsetzlich empathielosen“ Erlebnis.

Geräuschvoll drei Mülltonnen geleert

Während der Gedenkrede – eine Cousine der Verstorbenen habe da gerade ein Gedicht vorgetragen – sei ein Müllauto vorgefahren und habe geräuschvoll drei Tonnen geleert. Laut Sandra Hoppe hat sich die Szene etwa 20 Meter von der Trauergemeinde entfernt abgespielt. Die Ansprache sei dadurch kaum zu verstehen gewesen. Die Bestatterin habe vergeblich versucht zu intervenieren.

Kurz darauf, während eines Liedes der Hymnus-Chorknaben, in deren Reihen der Enkel der Verstorbenen singt, habe unweit ein Laubbläser gedröhnt. „Die sind furchtbar laut, die Dinger“, sagt Sandra Hoppe. Auch dieser Beitrag sei durch die Lärmbelästigung sehr schlecht wahrnehmbar gewesen. Von einem stimmungsvollen Erlebnis ganz zu schweigen.

Die Familie hat sich bei der Stadt Stuttgart beschwert

„Das ist ein No-go“, resümiert Sandra Hoppe. Ihr und den anderen Trauernden sei die Möglichkeit eines würdevollen Abschieds genommen worden, „das ist ein einmaliger Moment“, klagt sie. Sämtliche Anwesenden seien fassungslos gewesen. Im Nachgang habe sie einigen Gästen zumindest den Text des vorgetragenen Gedichts kopiert und nachgereicht.

Die Geschwister Hoppe haben sich mit einem Brief an die Friedhofsverwaltung und das städtische Garten-, Friedhofs- und Forstamt gewandt, ein Onkel habe es ihnen gleichgetan, „er hat sich furchtbar aufgeregt“. Die beiden Frauen möchten erreichen, dass andere Familien in solch einem emotionalen Moment nicht ähnliche Erfahrungen machen müssen. Es müsse doch möglich sein, solche Arbeiten und die Termine der Beerdigungen zu koordinieren. Tatsächlich ist die absichtliche oder wissentliche Störung einer Bestattungsfeier nach Paragraf 167a des Strafgesetzbuches sogar strafbar und kann im schlimmsten Fall mit einer Geld- oder einer Freiheitsstrafe geahndet werden.

Diese Regeln gelten bei Beerdigungen

Im Rathaus scheint man ratlos, denn „selbstverständlich“ gebe es Regeln, damit Trauerfeiern und Bestattungen reibungsfrei ablaufen und Angehörige in Ruhe Abschied nehmen können. Mitarbeiter würden informiert, wo wann Begräbnisse stattfinden. „Während der Feierlichkeiten müssen alle Mitarbeiter die Motoren ihrer Geräte ausmachen und dürfen auch keine Unterhaltungen führen. Auch Gewerbetreibende werden von den Aufsehern angehalten, so zu verfahren“, teilt Verwaltungssprecherin Jasmin Bühler nach Rücksprache mit dem Garten-, Friedhofs- und Forstamt mit.

Auf den Friedhöfen in der Stadt fänden im Jahr etwa 5000 Beerdigungen statt. „In Einzelfällen kann es vorkommen, dass es dennoch unbeabsichtigt zu Störungen kommt. Das ist natürlich sehr bedauerlich“, sagt sie. In diesem Jahr habe es zwei Beanstandungen über die Gelben Karten gegeben, und der genannte Fall lasse sich nur so erklären, dass die Lärmverursacher die Beerdigung nicht gesehen hätten. „Gerade der Waldfriedhof ist in vielen Bereichen schwer einsehbar“, teilt Jasmin Bühler mit.

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