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Weinkolumne Lesestoff Schnapsidee

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Die StZ-Weinkolumnistin Kathrin Haasis folgt dem Trend und tauscht Wein gegen das neue In-Getränk: einen Gin aus dem Schwarzwald.

Aus dem Schwarzwald kommt der Gin mit dem wohlklingenden Namen Monkey 47. Foto: dpa
Aus dem Schwarzwald kommt der Gin mit dem wohlklingenden Namen Monkey 47. Foto: dpa

Stuttgart - In einem Hotel im Senegal bin ich einst einem Engländer über den Weg gelaufen. Der Mann hieß Paul, er war mit dem Motorrad von Paris nach Dakar gefahren und am Schluss waren ihm alle Papiere gestohlen worden. Paul saß den ganzen Tag in der Lobby und überbrückte die Zeit des Wartens damit, Gin zu trinken. Er bewegte sich kaum, bis auf seinen Arm mit der Hand am Glas. Das sei in Afrika die beste Methode, mit dem Klima zurecht zu kommen, erklärte er. Der farblose Schnaps war für ihn wie Medizin, zum Beispiel gegen Malaria.

Inzwischen ist Gin in aller Munde. Im Stuttgarter Westen hat der Gastro-Tausendsassa Michael Wilhelmer aus seinem Lokal Ampulle einen Dry Gin and Beef-Club gemacht, in der Szenepassage Fluxus gibt es ein Geschäft, das nur Wacholderschnaps verkauft. Schön ist, dass bei dem Trend Schwaben mitmischen: Alexander Stein, Spross der Jacobi 1880-Familie in Weinstadt, hatte die Schnapsidee, das hochprozentige Getränk mit dem Spitzenbrenner Christoph Keller auf höchstem Niveau zu produzieren – nach der Rezeptur eines englischen Offiziers, der sich 1951 im Schwarzwald mit dem Gasthaus „Zum wilden Affen“ zur Ruhe gesetzt haben soll. Monkey 47 heißt er, weil 47 Zutaten drin stecken. Und entsprechend komplex ist er: Wacholder steht im Vordergrund, viele Kräuter, eine frische Zitrusnote und ein pfeffriger Abgang folgen. Er wirkt, als wäre er gut für die Gesundheit – und würde Paul sicher exzellent schmecken

Das Urteil der StZ-Weinrunde:

Harald Beck Wie könnte ich als gebürtiger Freudenstädter über einen Gin aus dem benachbarten Loßburg lästern. Wäre ich noch Schwarzwälder, wär ich bestimmt der Aromen wegen mit im Fanclub. Jetzt bin ich im Remstal und bleib doch lieber beim Wein.

Holger Gayer Ich bin ja keine Schnapsdrossel, insofern kann ich nur völlig laienhaft sagen, dass dieser Gin sensationell nach Wacholder duftet und danach sehr medizinisch schmeckt. Trotzdem läuft er runter wie Öl. Gefährliche Sache!

Monkey 47 Schwarzwald Dry Gin
33 Euro, Black Forest Distillers, Loßburg, unter anderem bei Manufactum (www.manufactum.de).