Windräder bei Donzdorf/Geislingen Rückenwind für weltweit einzigartiges Testfeld

Die Standorte für Windräder in der Region sind oft umstritten. Nun ist ein Forschungstestfeld für Windenergie auf einem Gelände zwischen Donzdorf und Geislingen im Kreis Göppingen geplant – und zumindest in der Regionalpolitik sind alle damit einverstanden.

Wie lassen sich Windräder verbessern? Dieser Frage wollen Wissenschaftler auf dem Forschungstestfeld bei Geislingen/Steige nachgehen. Foto: dpa
Wie lassen sich Windräder verbessern? Dieser Frage wollen Wissenschaftler auf dem Forschungstestfeld bei Geislingen/Steige nachgehen. Foto: dpa

Geislingen - Wenn es um Windräder geht, sind sich die Fraktionen im regionalen Planungsausschuss selten einig – erst recht, nachdem der aktuelle Windatlas des Landes die Standortauswahl der Region zumindest in Frage stellt. Doch jetzt sind sich die Regionalpolitiker einmal einig gewesen: Die Ausnahmegenehmigung für ein Windrad-Forschungstestfeld auf dem Höhenzug zwischen Donzdorf und Geislingen wurde einstimmig beschlossen. Das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) plant zwei Windenergieanlagen und vier Messmasten mit jeweils rund 100 Metern Höhe. „Ein Windenenergie-Testfeld in dieser Größe und in derartig komplexem Geländen gilt als weltweit einzigartig“, betont der Projektleiter Andreas Rettenmeier auf der Homepage des ZSW.

Zuschüsse von Bund und Land

Auf dem Testfeld werden die Wissenschaftler des ZSW und ihre Partner, die im Forschungscluster WindForS zusammenarbeiten, untersuchen, wie sich der Betrieb, die Leistung und die Lebensdauer von Windrädern in bergigen Gebieten optimieren lassen. Dort sei der Betrieb schwieriger als im flachen Gelände, weil Ertragsprognosen und damit die Wirtschaftlichkeit unsicherer, die mechanische Belastung und die Wartungskosten aber höher seien. Es geht aber auch um die Frage, wie leisere, leistungsstärkere und leichtere Rotoren entwickelt werden können. „Die Ergebnisse der sollen auf kommerzielle Großanlagen übertragen werden und der Industrie neue Impulse liefern“, sagt Retteneier. Für das Projekt gibt es eine Förderung des Bundes von 10,4 Millionen Euro und des Landes von 1,2 Millionen Euro. Begleitet wird der Testlauf auch von einer Untersuchung, ob und wie sich die Anlage auf Tiere und Pflanzen auswirkt. Geplant ist auch ein Rundweg mit Schautafeln.

Zahlreiche Standorte untersucht

Da das Areal für das Testfeld in einem regionalen Grünzug liegt, in dem normalerweise nicht neu gebaut werden darf, und nicht zu den von der Region ausgewählten Standorten für Windräder gehört, bedarf es für die Errichtung der Anlage einer Ausnahmegenehmigung. Die kann nach Meinung der Region erteilt werden, letztendlich wird darüber aber das Regierungspräsidium Stuttgart entscheiden. Vor dem Beschluss werden auch andere Stellungnahmen eingeholt – von betroffenen Gemeinden und Verbänden.

Das ZSW untersuchte für das neue Testfeld zahlreiche Standorte in Baden-Württemberg und Bayern, auch vier weitere im Kreis Göppingen: weiter östlich am Stöttener Berg und am Hungerberg bei Geislingen, Tegelberg bei Kuchen und Pferchtfeld bei Wiesensteig. Der jetzt gefundene Standort erfülle als einziger nahezu alle Bedingungen, sagt der regionale Planungsdirektor Thomas Kiwitt. Dabei geht es einerseits um eine exponierte und unbewaldete Freifläche an einer Geländesteilstufe, andererseits um mittlere Jahreswindgeschwindigkeiten von 5 bis 6,5 Meter pro Sekunde mit hohen Turbulenzen und wechselnden Schrägströmungen.

Windräder sollen 20 Jahre stehen

Nach Angaben der Region ist die Anlage rund 1500 Meter von Stötten entfernt, der Abstand zu den Weilern Kuchalb und Unterweckerstell sowie einigen Aussiedlerhöfen ist aber geringer. An dem Standort stehen bereits zwei meteorologische Messmasten, zwei weitere sollen noch errichtet werden. Dazu sollen zwei Windenergieanlagen mit einem Rotordurchmesser von 54 Metern und einer Gesamthöhe von 100 Metern gebaut werden. Diese Anlagen sollen mindestens 20 Jahre laufen, aber nicht zur kommerziellen Stromerzeugung benutzt werden. Die Messmasten sollen mindestens zehn Jahre stehen.