Wohnanlage Fasanenhof Geplante Sanierung schürt Ängste

Die Wohnanlage Fasanenhof ist in die Jahre gekommen und muss saniert werden. Foto: Kratz
Die Wohnanlage Fasanenhof ist in die Jahre gekommen und muss saniert werden. Foto: Kratz

Seit 40 Jahren leben in der Wohnanlage Fasanenhof Menschen mit Behinderung. Es ist bis heute ein Vorzeigeprojekt. Doch das Gebäude muss saniert werden, die Bewohner müssen raus.

Filderzeitung: Alexandra Kratz (atz)
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Fasanenhof - Die Worte klingen niedergeschlagen: „Es ist soweit. Wir müssen alle raus. Es wird grundsaniert. Viele von uns leben seit 30, 40 Jahren hier. Wir haben hier unser soziales Umfeld, unsere Helfer im Alltag, unsere Freunde. Wer von uns kann nach der Renovierung die Miete noch bezahlen?“ So steht es in einer E-Mail an unsere Redaktion. Auf mehreren Seiten wird beschrieben, warum die Wohnanlage Fasanenhof für die Menschen, die dort leben, etwas ganz Besonderes ist. Die Verfasserin fragt sich, wohin die Bewohnerinnen und Bewohner nun sollen, ob die über Jahre gewachsene Gemeinschaft auseinandergerissen und über die ganze Stadt verteilt wird. „Weil sich keiner gekümmert hat? Wir bezahlen, wie jeder andere auch, unsere Miete. Wir wollen unsere Heimat nicht verlieren“, benennt sie Vorwürfe und Sorgen, die im Raum stehen.

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Hintergrund ist die bevorstehende Sanierung der Wohnanlage am Laubeweg 1 auf dem Fasanenhof. Diese ist schon seit Jahren immer wieder im Gespräch, nun wird es ernst. Die SWSG erklärt auf Nachfrage unserer Zeitung, dass die Arbeiten im Februar 2023 beginnen und etwa 19 Monate dauern sollen. Geplant sei eine „umfassende energetische Modernisierung“. Die Fassade und die Dachdämmung werden erneuert, neue Fenster eingesetzt, die Balkone und Hauseingänge neu gestaltet. Die Elektrik muss modernisiert, die Bäder, Fußböden und Wandbeläge müssen saniert werden. Außerdem sind Verbesserungen beim Brandschutz und beim Fluchtwegekonzept und eine Neuorganisation der gewerblich genutzten Flächen vorgesehen.

Das will die SWSG für die Bewohner tun

„Während der Sanierungsarbeiten sind Wohn- und Pflegebereiche nicht nutzbar. Durch die besondere Situation der Bewohnerinnen und Bewohner und den erheblichen Umfang der Maßnahmen ist die Modernisierung nur im unbewohnten Zustand möglich“, schreibt die Pressesprecherin Saskia Bodemer-Stachelski. Die SWSG informiere frühzeitig über die geplante Maßnahme und begleite individuell dabei, eine neue Wohnung zu finden. Den Mieterinnen und Mietern würden exklusive barrierefreie Wohnungen aus dem Bestand angeboten, zum Beispiel im fertiggestellten, ehemaligen Bettenhaus des Bürgerhospitals. „Das Betreuungsangebot durch die Pflegeeinrichtung wird somit auch während der Sanierungszeit in der Ausweichwohnung gewährleistet“, betont die Pressesprecherin. Die SWSG bezahle den Umzug und begleite den gesamten Prozess. Nach Abschluss der Arbeiten könne, wer wolle, zurück an den Laubeweg ziehen. Die SWSG werde dabei unterstützen und beispielsweise die Umzugskosten übernehmen. Zu der Frage, ob die Mieten in der Wohnanlage dann steigen, könne die SWSG „gegenwärtig noch keine seriöse Aussage treffen“, heißt es in der Stellungnahme.

Das sagt die Geschäftsführerin zu der bevorstehenden Sanierung

Brigitte Göltz, die Geschäftsführerin der Wohnanlage Fasanenhof gGmbH, kennt die Sorgen der Bewohnerinnen und Bewohner. „Wir stehen im intensiven Austausch, die Mitarbeitenden, wie zum Beispiel die ambulante Assistenz, der Pflegedienst und die Verwaltung, sammeln die Punkte, die dann in die Gesprächen zwischen Geschäftsführung und SWSG einfließen.“ Man gehe offen, informierend und beruhigend mit den Sorgen um, sagt Brigitte Göltz und ergänzt: „Informierend, soweit es die Entscheidungslage der SWSG erlaubt.“ Die Sanierung sei bereits seit sechs, sieben Jahren geplant. Und schon damals habe die SWSG kommuniziert, dass sie in Einzelgesprächen die jeweiligen Bedarfe und Möglichkeiten mit den Mieterinnen und Mietern abstimme – sowohl den privaten als auch den gewerblichen. „Wir sind zuversichtlich, die Phase der Umzüge trotz des damit verbundenen Aufwands gemeinsam gut zu bewerkstelligen“, sagt Göltz.

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Insgesamt spricht sie von einer „engen, konstruktiven Kooperation“ zwischen der Wohnanlage gGmbH und der SWSG. Die Sanierung sei dringend erforderlich. Die Räumlichkeiten seien zu klein von der Fläche und nicht mehr lange tragbar vom Zustand. „Nach der Sanierung werden die Räume den jetzt geltenden Bauvorgaben entsprechen, außerdem werden die sehr differenzierten kleinen Angebote der Wohnanlage vergrößert und auf wirtschaftlich sinnvolle, mit der Sozialplanung der Landeshauptstadt abgestimmte Größen angepasst.“

Hintergrund

Wohnanlage Fasanenhof
 Die Wohnanlage Fasanenhof gGmbH ist ein Träger der Behindertenhilfe in Stuttgart. Sie erbringt vollstationäre und teilstationäre Leistungen für Kinder und Erwachsene mit Behinderung sowie ambulante Pflege- und Betreuungsleistungen für eigenständig lebende Menschen mit Körperbehinderung.

SWSG
 Mit rund 19 000 Einheiten hält die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft einen Marktanteil von gut neun Prozent der Mietwohnungen in Mehrfamilienhäusern. Dank vieler öffentlich geförderter Wohnungen ist sie ein wichtiger Anbieter für bezahlbares Wohnen in Stuttgart.

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