Am 16. Januar diskutiert der Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik über den Fortgang der Planung, die sich auf zwei vom Atelier Brückner aus Stuttgart vorgestellte Anbau-Varianten stützt. Sie waren im Spätsommer 2023 präsentiert worden. Entweder käme eine hoch aufragende Halle, die Variante Ost, neben die Villa oder ein Konzertsaal (Variante Nord), der überwiegend in der Erde versenkt würde und so den historischen Bestand als Solitär hervorheben würde.
Villa hat nur 1500 Quadratmeter Nutzfläche
Die Villa, im Jahr 1853 als Sommerresidenz des württembergischen Kronprinzen- und späteren Königspaars Karl und Olga errichtet, verfügt nur über 1500 Quadratmeter Nutzfläche. Zusammen mit einem Neubau stünden rund 4000 Quadratmeter zur Verfügung. Für jede der beiden Anbauvarianten ist die Freigabe von 10,4 Millionen statt bisher 4,4 Millionen Euro nötig, um die Planungen für das vor acht Jahren von der Stadt erworbene Kleinod weiter betreiben zu können. Die 10,4 Millionen sind aber nur ein kleiner Teil der Investitionen. Für die Sanierung und den Anbau werden als „erste Prognose“ bis zu 104,3 Millionen Euro genannt. Dazu kommen die Sanierung der bestehenden Tiefgarage mit 400 Stellplätzen, ein Aufzug und die Wiederherstellung und Umgestaltung der Parkanlage rund um die Villa. In Summe geht es vorläufig um 168,7 Millionen Euro. Wobei nirgends in der städtischen Vorlage die alleinigen Kosten für den Anbau an die Villa genannt werden. Für den Betrieb würden jährlich wohl 2,3 Millionen Euro Zuschuss nötig sein.
Kulturprojekte im Milliardenwert geplant
Die Weiterplanung für die zuvor vom SWR genutzte Villa sollte bereits Mitte November vorigen Jahres im Rat besprochen werden. Die CDU-Gemeinderatsfraktion beantragte damals die Vertagung. Das Projekt sei längst viel zu groß geworden, hieß es. Stuttgart steht vor einer langen Liste kultureller Großprojekte. Für die Vorhaben in Milliardenhöhe existiert im Haushalt lediglich eine Rückstellung von rund 170 Millionen Euro – die würden nun allein für die Villa Berg fällig.
Die CDU will nun die Notbremse ziehen. Sie argumentiert in ihrem Antrag aber nicht mit den hohen Kosten, sondern mit der solitären Stellung der Villa. Beide Planungsvarianten hätten zur Folge, „dass das ursprüngliche und über allem stehende Ziel der Wiederherstellung der Villa und des Parks in ihrer historischen Kombination ad absurdum geführt würde“.
Dieses Ziel war nach einer Bürgerbeteiligung zu möglichen Nutzungsideen aufgegeben worden. Denn das nötige Raumprogramm ließ sich allein in der Villa nicht darstellen. Natürlich könne man die Frage stellen, ob der Gemeinderat die Fehlentwicklung nicht früher hätte erkennen müssen, merkt die CDU selbstkritisch an. Für eine Umkehr, zurück zum „ursprünglichen und richtigen Ziel“ sei es aber nicht zu spät. Die Frage ist, ob das die Mehrheit des Rates genauso sieht.
Lösung wäre ein neues Nutzungskonzept
Die CDU jedenfalls beantragt einen Stopp der jetzigen Ausbaupläne. Die Verwaltung solle prüfen, ob sich das Nutzungskonzept, das unter der Beschreibung „Ein offenes Haus für Musik und Mehr“ läuft, auch allein in der Villa und eventuell „sehr geringen Ergänzungen“ umsetzen ließe.
Falls nicht, sollten nicht neue Flächen geschaffen, sondern es sollte „ein völlig neues Nutzungskonzept“ entwickelt werden. Ein kompletter Neustart also, der das Projekt um einige Jahre zurückwerfen würde. Das Nutzungskonzept war Ende 2022 vom Gemeinderat einstimmig beschlossen worden. Damals wurde eine „befestigte Multifunktionsfläche“ von 800 Quadratmeter Größe nahe der Villa „ohne feste Bauwerke“ beschrieben. Die CDU lobte damals, man habe ein wichtiges Etappenziel auf dem Weg zum künftigen Kultur- und Bürgerzentrum Villa Berg im Stuttgarter Osten erreicht.