Stuttgart - Der Autozulieferer Marquardt in Rietheim-Weilheim (Landkreis Tuttlingen) streicht im Südwesten bis zu 200 Arbeitsplätze. Darauf haben sich Geschäftsleitung und Arbeitnehmervertretung geeinigt. Betroffen sind sowohl der Firmensitz, wo Verwaltung und Produktion angesiedelt sind, als auch das zehn Kilometer entfernte Werk in Böttingen. Insgesamt sind an den beiden Standorten 2500 Mitarbeiter tätig. Mit der Entscheidung reagiert der Anbieter von Fahrzeugzutritts- und Batteriemanagementsystemen für elektrobetriebene Fahrzeuge auf die durch das Coronavirus verschärfte Wirtschaftskrise. Deutschlandweit beschäftigt das Familienunternehmen 2800 Personen. Nicht nur in Deutschland, auch an den Auslandsstandorten spart Marquardt. So wurden unter anderem in den USA Stellen gestrichen.
Kündigungen erst Anfang 2021 möglich
Noch in diesem Herbst sollen den Beschäftigten an den betroffenen Standorten hierzulande freiwillige Angebote wie Abfindungen oder Altersteilzeit angeboten werden. Die Verhandlungen über einen Interessenausgleich beginnen im September. Wird die angestrebte Abbauzahl nicht erreicht, sind von Anfang 2021 an auch Kündigungen möglich. Noch bis Ende des Jahres schließt der bestehende Ergänzungstarifvertrag Entlassungen aus. Von April an gilt dann ein neuer Ergänzungstarifvertrag. Vereinbart ist bereits, dass Marquardt 2021 „nur“ 25 Prozent des tariflich festgesetzten Urlaubs- und Weihnachtsgeldes zahlt. Zudem erhalten die Beschäftigten statt des tariflichen Zusatzgeldes verpflichtend freie Tage. Zwischen April und Dezember 2021 sind weitere Kündigungen dann ausgeschlossen.
„Nicht zuletzt dank der Verzichtsleistungen der Belegschaft werden wir die Krise überwinden, auf den Wachstumspfad zurückkehren und die Mobilitätswende mitgestalten können“, bewertet Firmenchef Harald Marquardt die Entscheidung. „Sicherlich sind der geplante Abbau und die Verzichte schmerzlich, aber es gibt jetzt wieder eine gute Basis bei Marquardt für die Zukunft“, kommentiert Klaus-Peter Manz, der zweite Bevollmächtigte der IG Metall Albstadt.
Der Zulieferer hat bereits 2019 mit einem Sparprogramm auf die sich eintrübende Konjunktur reagiert – damals wurden bereits insgesamt 200 Arbeitsplätze gestrichen. Mit diesen Maßnahmen nun sieht sich Marquardt gut gerüstet. Denn: „Wir haben die richtigen Produkte und eine langfristig angelegte Strategie für die Zukunft“, sagt der Firmenchef.