Beim Gaskessel in Stuttgart-Ost Schwere Kästen sorgen für richtig Spannung

82 Tonnen wiegt der 110-Kilovolt-Transformator, der am Donnerstag Vormittag vor der Kulisse des Gaskessels an seinen neuen Standort gehoben wurde. Foto: Jürgen Brand
82 Tonnen wiegt der 110-Kilovolt-Transformator, der am Donnerstag Vormittag vor der Kulisse des Gaskessels an seinen neuen Standort gehoben wurde. Foto: Jürgen Brand

Im Neubau des Umspannwerks Talstraße sind zwei Großtransformatoren angeliefert worden. In den beiden je 82 Tonnen schweren Trafos wird künftig Strom von 110 000 Volt in 10 000 Volt umgewandelt. Über das Umspannwerk wird voraussichtlich von August an der Neckarpark mit Strom versorgt.

Lokales: Jürgen Brand (and)
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Wer mal eben 82 Tonnen durch die Gegend heben will, braucht Geduld. Der Schwerlastkran kann nur ganz langsam gedreht, die tonnenschwere Last nur behutsam angehoben und abgesetzt werden. Sonst geht ganz schnell etwas richtig kaputt, entweder der Kran, weil er kippt, oder in dem Fall der schwere Trafo, weil er irgendwo anschlägt. Im Neubau des Umspannwerks Talstraße ist die Gedulds- und Präzisionsarbeit gestern Vormittag gut gegangen. Zwei jeweils 82 Tonnen schwere Transformatoren wurden von überlangen Schwertransportern auf ihren künftigen Arbeitsplatz gehievt. Bis August werden sie angeschlossen. Ab dann soll die Stromversorgung für den gesamten Neckarpark über sie laufen.

Im Neckarpark wird immer mehr Strom benötigt

Das neue Umspannwerk unterhalb der Gaisburger Brücke hat sich im Laufe seiner Entwicklung als kompliziertes Projekt entpuppt. Der Neubau wurde erforderlich, weil das in Sichtweite stehende bisherige Umspannwerk aus den 1950er Jahren mit entsprechend überholter Technik stammt. Der Strombedarf auf der anderen Neckarseite in Porsche-Arena und Schleyerhalle, Stadion und Mercedes-Benz-Museum und bei den vielen Veranstaltungen auf dem Cannstatter Wasen wird aber immer größer, auch das geplante neue Wohngebiet braucht Strom. Um die Versorgung dauerhaft sicherzustellen, muss die Infrastruktur dafür erneuert werden.

In das neue Umspannwerk investiert die Netze BW rund neun Millionen Euro. Eigentlich hätte es schon längst fertig sein sollen – aber dann wurden geschützte Eidechsen auf dem geplanten Baugelände entdeckt. Die mussten erst gezählt und dann umgesiedelt werden, bevor mit den Arbeiten begonnen werden konnte. Das hat das ganze Projekt um etwa ein Jahr verzögert.

Die Trafos waren ein Jahr gelagert

So lange sind auch die beiden jetzt eingesetzten Transformatoren schon fertig. Konstruiert wurden sie in Italien und dann per Schwertransport nach Deutschland gebracht. Wegen der Verzögerung mussten sie dann aber erst einmal eingelagert werden. Von ihren Lagerplätzen, einer war in Wendlingen, wurden sie jetzt schließlich in weiteren Schwertransporten nach Gaisburg gebracht.

In den Großtrafos wird der aus dem Hochspannungsnetz mit 110 000 Volt ankommende Strom in Mittelspannung von 10 000 Volt umgewandelt. Vom Umspannwerk Talstraße aus wird die Energie dann im Mittelspannungsnetz weiter verteilt, zu einem beträchtlichen Teil in Richtung Neckarpark. In weiteren Umspannstationen wird dann die für Privathaushalte nutzbare Spannung hergestellt.

Zusammenspiel von EnBW und Stadtwerken

Der gesamte Umwandlungs- und Verteilprozess wird in Stuttgart seit 1. Januar von zwei Unternehmen gesteuert. Die Aufteilung wird an dem neuen Gaisburger Umspannwerk deutlich: Das Umspannwerk selbst gehört der Netze BW, also der EnBW, ebenso die in die Transformatoren führenden Hochspannungsleitungen. Die dort herausführenden Mittelspannungsleitungen dagegen gehören schon zur Stuttgart Netze GmbH, einem Gemeinschaftsunternehmen der Stadtwerke Stuttgart und der Netze BW. 25 der insgesamt 30 Umspannwerke in Stuttgart sind an die Stuttgart Netze übergegangen, das an der Talstraße nicht.

Das neue Umspannwerk ist allerdings nur ein Teil der gesamten Infrastrukturmaßnahme für den Neckarpark. Die neue Kabelbrücke an der Gaisburger Brücke, die Mitte Dezember auf Schwimmpontons zu ihrem Standort gebracht wurde, gehört ebenso dazu wie die neuen Kabeltrassen, die zurzeit am Cannstatter Wasen verlegt werden. Die neue Kabelbrücke war notwendig geworden, weil die Kapazitäten der in der Gaisburger Brücke verlaufenden Kabelrohre erschöpft war.




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