Bilanz zum Wahlkampf in Stuttgart Alle zuversichtlich, alle zufrieden

Von Thomas Braun und Jörg Nauke 

Der Wahlkampf neigt sich dem Ende zu, und die Kreisvorsitzenden ziehen Bilanz. Der Wahlkampf sei insgesamt fair geführt worden, alle Parteien hoffen nun auf ein gutes Resultat am kommenden Sonntag.

Der Wahlkampf neigt sich dem Ende zu, und die Kreisvorsitzenden ziehen Bilanz. Foto:  
Der Wahlkampf neigt sich dem Ende zu, und die Kreisvorsitzenden ziehen Bilanz. Foto:  

Stuttgart - Wie erfolgreich die Parteien in Stuttgart Wahlkampf betrieben haben, wird sich erst am Sonntag weisen. Eine Schlacht hat der CDU-Kreisvorsitzende Stefan Kaufmann aber schon erfolgreich geschlagen: die Plakatschlacht gegen SPD und Grüne. Mit leichten Blessuren allerdings, denn das Orange der ersten Charge neuartiger recycelbaren Pappplakate war schnell ausgebleicht, und Kaufmann glaubt, dass die CDU wieder am stärksten von Vandalismus betroffen gewesen sei. In der zweiten Welle habe aber die Qualität gestimmt, was die Grünen von ihrem Material nicht behaupten können. Unzählige ihrer Plakate lösten sich in ihre Bestandteile auf – bundesweit. Und auch das Lila der Sozialdemokraten kommt nur noch blassgrau daher.

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Kaufmann: Merkel bleibt auf jeden Fall Kanzlerin

In mehr als die 3000 Kopfplakate pro Kandidat und die 22 Großplakate, auf denen er als Kandidat des Wahlkreises I mit seiner Parteifreundin Karin Maag (Wahlkreis II) zu sehen sind, habe man nicht investiert, betont Stefan Kaufmann. „Anders als die Gegenseite“, die sogar mit nicht klimaneutralen Plastikplakaten gearbeitet habe. Unterm Strich seien 80 000 Euro aus der Parteikasse in den Wahlkampf geflossen. Außerdem hätten die Kandidaten aus eigener Tasche einen Beitrag geleistet.

Kaufmann hat eine wohlwollende Stimmung in den Innen- und Außenbezirken ausgemacht. Er hebt auch die gegenseitige Fairness hervor; anders als vor vier Jahren sei die Auseinandersetzung mit dem Grünen-Bewerber Cem Özdemir von gegenseitigem Respekt geprägt gewesen. „Ich gehe davon aus, dass die CDU beide Direktmandate holt“, so Kaufmann. Ob es für Schwarz-Gelb reiche, wisse er nicht. Sicher sei aber, „dass Angela Merkel Kanzlerin bleibt“.

Grüne rechnen mit Kopf-an-Kopf-Rennen im Wahlkreis I

Die Grünen haben die Hoffnung auf ein gutes Wahlergebnis trotz sinkender Umfragewerte nicht aufgegeben. „Ich erwarte mir für Stuttgart ein überdurchschnittliches Resultat“, sagt der Kreisvorsitzende Philipp Franke. Nach seinen Angaben hat die Kreispartei inklusive Spenden 130 000 Euro aufgewendet. Die Mitglieder seien bis in die Haarspitzen motiviert gewesen. Franke rechnet mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Grünen-Bundeschef Cem Özdemir und seinem Kontrahenten Kaufmann, für Birgitt Bender (Wahlkreis II) erwartet er ein gutes Zweitstimmenergebnis. Özdemir hatte bei der Abschlusskundgebung der Öko-Partei den meisten Beifall aller Redner eingeheimst und im Gegensatz zum Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann kritische Worte für das Bahnprojekt gefunden. Dies soll Özdemir prompt einen Rüffel aus dem Staatsministerium eingetragen haben.

Der SPD-Kreischef Dejan Perc spricht ebenfalls von einem gelungenen Wahlkampf: „Die Leute an unseren Ständen und bei den Veranstaltungen waren aufgeschlossen und interessiert.“ Die Vereinbarung zwischen SPD und Grünen über die gegenseitige Wahlhilfe habe fast ausnahmslos Zustimmung in der SPD gefunden. Perc erhofft sich, dass das Bündnis in Stuttgart aus der Wahl gestärkt hervorgeht „und wir einen Beitrag leisten können, dass Rot und Grün die Bundesregierung stellen“. Rund 15 000 Euro hat sich die Kreispartei den Wahlkampf kosten lassen, hinzu kommt jeweils der gleiche Betrag von den Kandidaten Ute Vogt und Nicolas Schäfstoß.

SPD, Linke und FDP sind ebenfalls optimistisch

„Wir hatten keine Probleme mit dem Material“, sagte Christoph Ozasek, Kreischef der Linken. 1400 Plakate seien aufgehängt worden, dazu Großplakate mit Gregor Gysi und Sahra Wagenknecht. Die Linke habe wegen deren hoher Glaubwürdigkeit bewusst auf Gesichter gesetzt – und die richtigen thematischen Akzente gesetzt, etwa gegen S 21. Ozasek spricht von einer Glaubwürdigkeitskrise der anderen Oppositionsparteien, die es dem Wähler leicht mache, das Original zu erkennen. Der Kreischef hofft bundesweit auf acht bis zehn Prozent, im Land könnten es fünf bis sechs sein – und setzt darauf, „dass die FDP herausfällt“. Davon sei nicht auszugehen, hat der Kreisvorsitzende Armin Serwani bereits vor Wochenfrist deutlich gemacht – und die Zweitstimmenkampagne forciert. Die Vereinbarung zwischen SPD und Grünen fand er dagegen „beschämend“. Mit dem Wahlkampf waren die Liberalen zufrieden. Von den Kandidaten Judith Skudelny und Matthias Werwigk wird ein zweistelliges Ergebnis erwartet.

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