Das Zadu an der Reuchlinstraße Das Ende einer Institution im Westen

Barbara Fürnrohr muss das Zadu an der Reuchlinstraße aufgeben. Foto: Lg/Leif Piechowski
Barbara Fürnrohr muss das Zadu an der Reuchlinstraße aufgeben. Foto: Lg/Leif Piechowski

Das Café und Restaurant Zadu hat nach 22 Jahren geschlossen. Das Künstlerhaus will die Räume sanieren und danach selbst nutzen.

Leben: Nina Ayerle (nay)
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S-West - So richtig sentimental wirkt Barbara Fürnrohr gar nicht. Dabei räumt sie gerade ihre letzten 22 Jahre auf. „Ein bisschen Wehmut ist schon dabei“, sagt sie. Mehr als zwei Jahrzehnte hat die Gastronomin die Traditionskneipe Zadu betrieben. Was ihr fehlen wird? Vieles, aber vor allem der Innenhof. „Den werde ich wirklich vermissen“, sagt die 49-Jährige. „Ein schönes Fleckchen mit toller Atmosphäre.“

Zig Stuttgarter Gastronomie-Führer haben den hübschen, dicht bewachsenen Hinterhof angepriesen. In der Rubrik „schönste Außengastro“ fehlt das Zadu nie. In Zukunft wird das Lokal darin nicht mehr auftauchen. Vergangene Woche hat das Zadu, heute eine Mischung aus Kneipe, Café und Restaurant, geschlossen. Das Künstlerhaus hat den Pachtvertrag gekündigt. Man möchte die Räume sanieren. Ein Café soll es zwar nach dem Umbau wieder geben, aber mit einem neuen Konzept.

Barbara Fürnrohr hegt deswegen keinen Groll. Sie habe immer einen guten Kontakt zur Leitung des Künstlerhauses gehabt. Bereits im Frühjahr habe man ihr Bescheid gegeben. Wohin es geht für sie, das weiß sie im Moment noch gar nicht. Erst einmal alles ordentlich „abschließen“, sagt sie. 22 Jahre sind eine lange Zeit. „Aber es war immer gut“, sagt die Gastronomin. „Mit Aufs und Abs, aber ich habe meine Arbeit hier nie nicht gemocht.“

Wer kann das schon über sich selbst sagen? Dabei ist Fürnrohr, wie sie sagt, in die Gastronomie eher so reingerutscht. Im damaligen Libero hat sie angefangen, als an der Reuchlinstraße 4b dann die Räume frei waren, hat sie zugegriffen. Ihre Idee? Eine Stadtteilkneipe sollte das Zadu sein. „Damals gab es kaum Kneipen, wo man eine Kleinigkeit essen konnte“, erzählt die 49-Jährige. Im Restaurant habe man gutbürgerlich gegessen, in die Kneipe sei man dann nur zum Trinken gegangen.

Am heutigen Freitag hätte Fürnrohr mit dem Zadu eigentlich den 22. Geburtstag gefeiert. Am 7. Juli 1995 hat sie mit ihrem damaligen Partner eröffnet, nachdem sie die Kneipe von der Stuttgarter Gastro-Legende Bernd Heidelbauer („Bernd’s Lädle“) übernommen hatte. Er nannte es Kaffeehaus des Westens – ein bisschen Berlin-Flair sollte es haben – oder schlicht Café im Künstlerhaus.

Der Kontakt zur Künstlerszene, auch zu der im Haus, war damals noch enger. Ein Café im Werkstättenstil sei es gewesen, hinten in den Räumen zur Druckwerkstatt habe er den ersten Buffetbrunch Stuttgarts veranstaltet. „Das habe ich aus den USA mitgebracht. Das kannte hier noch keiner“, erzählt Heidelbauer. Den Brunch, den es im Zadu irgendwann samstags und sonntags gab, hat Fürnrohr späte quasi institutionalisiert. Wer sich rechtzeitig ein Tischchen reservieren konnte, konnte sich lange Zeit für etwa zehn Euro den halben Vormittag durch ein riesen Buffet futtern.

Das Zadu, davor auch sein Café, sei eine der ersten „bunteren“ Kneipen im Westen gewesen. „Irgendwie berlinerisch“, so Heidelbauer. Etwas in der Art – er sagt „Pfiffiges“ – ­ habe es in der Nachbarschaft nicht gegeben. Ihm fällt nur das Soho an der Schwab­straße und das Stella an der Hauptstätter Straße ein. Beide haben im Jahr 2015 nach über 30 Jahren endgültig geschlossen. Mit dem Zadu schließt nun eine weitere Stuttgarter Gastro-Institution.




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