Nutzung des Gleisgeländes in Stuttgart Ergänzungsbahnhof bei S 21? – Kuhn geht auf Distanz

Wichtige Beschlüsse zur Nachnutzung des Gleisareals beim Projekt Stuttgart 211 will OB Fritz Kuhn noch mitbestimmen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Ende 2025 soll der Durchgangsbahnhof in Stuttgart fertig sein, dann soll auf dem alten Gleisgelände so schnell wie möglich ein neuer Stadtteil entstehen. Der scheidende OB Fritz Kuhn will dazu Pflöcke einrammen.

Stuttgart - OB Fritz Kuhn (Grüne) wird vom Gemeinderat ein Verhandlungsmandat erhalten, um mit der Deutschen Bahn AG über eine schnelle Freimachung der von der Stadt bereits 2001 erworbenen Gleisflächen in der City für den Wohnungsbau sprechen zu können. Das haben am Dienstag alle Fraktionen im Ausschuss für Stadtentwicklung zugesagt.

 

„Wir verändern beim Projekt Stuttgart 21 nochmals die Kaufverträge“, sagte Kuhn. Ohne Einigung drohe sich die Übergabe auf 2035 zu schieben. „Die Bahn hat diese Zahl in den Raum gestellt“, so Kuhn. „Sie versteht unser Problem, sie will die Preise hochziehen, deshalb ist nicht alles öffentlich diskutierbar“, so der Verwaltungschef. Ohne Einigung drohe auch eine „Eidechsenrochade“, also die schrittweise Verdrängung der streng geschützten Tiere vom Gleisschotter und deren Rückführung. „Am Ende hätten wir eine frei geräumte Fläche, aber voller Eidechsen“, so das Schreckensbild des OB. Bauen könne man dann noch nicht.

CDU mahnt neue Organisation an

Über die Nutzung des Grundstücks gegenüber dem alten Bonatz-Bahnhof will Kuhn bereits im Herbst 2020 mit dem Gemeinderat entscheiden, dort könne dann ab 2026 gebaut werden, auf dem Gelände dahinter 2026/27, auf dem Gelände C bei den Wagenhallen sogar schon 2023. Für die Struktur einer Projektgesellschaft zur Bebauung der 85 Hektar wolle er Vorschläge machen, entscheiden solle sein Nachfolger – die Wahl ist im November. Der CDU-Fraktionschef Alexander Kotz mahnt diese Gesellschaft dringend an, „um dieses Mammutprojekt zu bewältigen“. Die Verwaltung sei dazu nicht adäquat aufgestellt. SPD-Chef Martin Körner und FDP-Chef Armin Serwani stimmten mit ein.

Zur Frage, ob der Durchgangsbahnhof mit einem kleinen unterirdischen Kopfbahnhof samt unterirdisch zugeführter Gleise ergänzt werden sollte, zeigte sich der Oberbürgermeister reserviert. Die Vorstellung des (vom Parteikollegen Winfried Hermann geführten) Verkehrsministeriums, dass dazu noch Zeit sei, halte er für falsch. Er lehne es auch ab, auf ein drittes Gleis am Flughafen für die Gäubahn zu verzichten, weil in Berlin ein Tunnel für deren Zuführung zum Airport im Gespräch sei. Diesen Vorschlag müsse man „erst bewerten“.

Grüne wollen Gutachten abwarten

Grünen-Fraktionssprecher Andreas Winter setzt bei der Frage eines Zusatzhalts auf neue Erkenntnisse aus Gutachten, die Ende Juli präsentiert werden sollen. „Wir wollen für die S-Bahn und den Regionalverkehr das Beste“, sagte er. Die Kritik der Landräte und Bürgermeister aus dem Süden, die sich wegen der für Mitte 2025 vorgesehenen Kappung der Gäubahn vom Hauptbahnhof von Stuttgart abgehängt sehen, teilten die Grünen, sagte Winter.

Hannes Rockenbauch, Sprecher des Linksbündnisses im Rat und erklärter S-21-Gegner, sieht sich durch Vorschläge des Bundesverkehrsministeriums für zwei neue Tunnel von Norden Richtung Durchgangsbahnhof und für die Gäubahn bestätigt: „Stuttgart 21 ist ein Planungs-, Bau- und Verkehrsdesaster ohne Ende“, sagte er. Nun solle das Projekt „auf 100 Kilometer Tunnel aufgebläht werden“.

Linksbündnis: S 21 stoppen

Die Zeitvorstellungen von Kuhn und Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) zur Nutzung des Gleisfelds sei illusorisch, nicht nur die Lösung der Eidechsen-, auch die nicht thematisierte Altlastenfrage werde Jahre dauern. Aus Klimaschutzgründen lehne man die großflächige Bebauung ab, aus Verkehrsgründen setze man auf den Kopfbahnhof, so Hannes Rockenbauch. „Sie bauen eine Fata-Morgana auf“, sagte Peter Pätzold darauf.

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