InterviewLutz Siebrecht über Transfers Was sich bei den Stuttgarter Kickers in der Winterpause tut

Von Jürgen Frey 

Die Spieler der Stuttgarter Kickers befinden sich in der Winterpause, der Sportliche Leiter bleibt am Ball. Im Interview erklärt Lutz Siebrecht wie es ihm gelang, David Braig für die Blauen zu verpflichten und welche weiteren Veränderungen es noch geben kann.

Ein gelassener  Lutz Siebrecht (li., neben Trainer Ramon Gehrmann): Der Sportliche Leiter der Stuttgarter Kickers kann an der Seitenlinie aber auch Emotionen zeigen. Foto: Baumann
Ein gelassener Lutz Siebrecht (li., neben Trainer Ramon Gehrmann): Der Sportliche Leiter der Stuttgarter Kickers kann an der Seitenlinie aber auch Emotionen zeigen. Foto: Baumann

Stuttgart - Am 14. Januar 2020 starten die Fußballer der Stuttgarter Kickers wieder mit dem Training. Am 29. Februar steht für die Mannschaft von Trainer Ramon Gehrmann gegen den FSV 08 Bissingen das erste Oberligaspiel 2020 auf dem Programm. Der Sportliche Leiter Lutz Siebrecht stellt sich auf einen harten Kampf um den Aufstieg ein – und stellt dafür die personellen Weichen.

Herr Siebrecht, was versprechen Sie sich von der Verpflichtung von David Braig?

Erst einmal sind wir sehr froh, dass wir einen Spieler seiner Klasse überzeugen konnten, zu den Stuttgarter Kickers zu wechseln, denn er hatte auch zahlreiche andere Angebote vorliegen. Ich verspreche mir von ihm einen Qualitätsgewinn für unsere Mannschaft und gleichzeitig mehr Variationsmöglichkeiten.

Was zeichnet ihn aus?

David ist ein sehr robuster Stürmer, lauf- und kopfballstark. Er wird nochmal mehr Intensität in unser Spiel bringen. Außerdem zeichnet ihn eine sehr gute Mentalität aus.

Für ihn ist es im Alter von 28 Jahren die erste Station außerhalb von Ulm. Wie schwer war es, ihn nach Stuttgart zu holen?

David hat schon in der Jugend beim SSV 1846 gespielt hat und ist dem Verein bis zum November immer treu geblieben. Er hat in seiner aktiven Zeit in 230 Pflichtspielen 89 Treffer für die Spatzen erzielt. Um ihn für die Stuttgarter Kickers zu verpflichten, musste ich schon kämpfen, wobei ich auch einen kleinen Vertrauensvorschuss hatte (lacht). Die Stuttgarter Kickers sind eine gute Adresse, ein Traditionsverein mit tollen Fans und sportlichen Ambitionen.

Sie sind 2015/16 gemeinsam mit dem SSV 1846 in die Regionalliga aufgestiegen.

Und David hatte mit 26 Toren maßgeblichen Anteil daran.

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In der vierten Liga lief es allerdings nicht mehr ganz so gut für ihn.

In den ersten beiden Regionalligajahren erzielte er immerhin jeweils neun Saisontore. Aber grundsätzlich möchte ich ihn nicht nur an den Toren messen. Er bringt sehr viel mit, um einer Mannschaft wertvolle Impulse zu verleihen und sie damit auch stabiler zu machen.

Wie kann man sich das konkret vorstellen?

David ist ein Typ, der für das Innenleben einer Mannschaft sehr wichtig ist. Er kommuniziert viel, motiviert seine Mitspieler und bringt sich im täglichen Training immer wieder voll ein.

Und zusammen mit den schon vorhandenen Torjägern Mijo Tunjic (19 Saisontreffer) und Cristian Giles (zehn Tore) sind die Kickers jetzt unschlagbar?

Wir wollen uns als Team weiterentwickeln und erfolgreich sein. Dafür benötigen wir ausreichend Alternativen, um das zu gewährleisten.

Es fehlten qualitativ gleichwertige Alternativen.

Genau – und auch deshalb haben wir David Braig geholt und bauen natürlich auch auf die Rückkehr unserer verletzten Spieler Markus Obernosterer, Marvin Weiss und Bleron Visoka.

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Werden alle zum Trainingsstart am 14. Januar dabei sein?

Markus Obernosterer auf jeden Fall. Bei Marvin Weiss ist das noch nicht sicher, seine Verletzung stellte sich nicht nur als Muskelfaserriss heraus, es war auch eine Sehne betroffen, und bei Bleron müssen wir noch bis Anfang Januar den weiteren Heilungsverlauf seinen Syndesmoseband abwarten.

Shkemb Miftari kam vor der Winterpause kaum mehr zum Einsatz, er ist beim Ligakonkurrenten SGV Freiberg im Gespräch. Wie ist der Stand der Dinge, was seine Zukunft bei den Kickers betrifft?

An mich sind bisher weder der Spieler noch ein anderer Verein herangetreten.

Sein Abgang würde das Budget entlasten. Sie dürften ihm keine Steine in den Weg legen?

Das kommt darauf an. Wenn er auf uns zukommt, würden wir uns mit ihm darüber unterhalten. Wir müssen ihn nicht unbedingt abgeben.

Drei Eigengewächse wollen Sie aber in der Winterpause ablösefrei ziehen lassen.

Unsere letztjährigen A-Junioren-Spieler Erman Kilic, Berkant Cetinkaya und Kelecti Nkem hatten bei uns so gut wie keine Einsatzzeiten. Sie brauchen aber dringend Spielpraxis, um sich weiterzuentwickeln. Deshalb würden wir sie ablösefrei gehen lassen, allerdings nur mit einer Option, sie wieder zurückholen zu können.

Gibt es schon Interessenten?

Die Berater der Spieler sondieren den Markt.

Nicht ersetzt wurde die Position von Tim Wöhrle, der Ende August um seine Freigabe bat und sich Regionalligist FC 08 Homburg angeschlossen hat. Werden die Kickers also noch einen Sechser verpflichten, der auch als Innenverteidiger eingesetzt werden kann?

Darüber denken wir schon nach, aber so viele Spieler gibt es nicht, die dieses Anforderungsprofil erfüllen.

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Ruben Reisig vom SSV Reutlingen wäre einer.

Ich werde keine Namen kommentieren. Klar ist nur ganz grundsätzlich, dass auch die finanziellen Rahmenbedingungen stimmen müssen.

Stichwort Finanzen: Liegt es daran, dass es kein Winter-Trainingslager im Süden gibt?

Das entscheidende Argument ist, dass wir unter den Gegebenheiten trainieren möchten, die uns mit dem Wiederbeginn der Punkterunde am 29. Februar erwarten. Zudem haben wir hier kurze Wege und alle Möglichkeiten in Sachen Physiotherapie und Athletiktraining. Wir werden sehr hart an der Physis und an der Verletzungsprophylaxe arbeiten.

Damit sich die Mannschaft in welchen Bereichen steigert?

Wir wollen uns grundsätzlich weiterentwickeln, auch fußballerisch. Wir wollen stabiler sein und dominanter auftreten – auch auswärts.

Rechnen Sie mit einem Zweikampf mit dem VfB Stuttgart II?

Nein, definitiv nicht. Der 1. Göppinger Sportverein und der FV Ravensburg haben sich als sehr stabil erwiesen. Da sind aufgeräumte Fußballfachleute im Verein am Werk. Auch der FC 08 Villingen, der SV Oberachern, der CfR Pforzheim haben noch Chancen – und nicht zu vergessen unser erster Gegner 2020, der FSV 08 Bissingen.

Kickers-Film als Stream

Im Sommer 2018 steigen die Stuttgarter Kickers erstmals in der Vereinsgeschichte in die Oberliga ab. Bis zum 29. Spieltag stehen sie an der Spitze, dann wendet sich das Blatt. Ein Team von Stuttgarter Zeitung und Nachrichten hat den Verein ein Jahr lang bis zum bitteren Ende in Alzenau begleitet. Den Film gibt es nun auch als Stream. Infos gibt es unter folgendem Link:

https://vimeo.com/ondemand/trauminblau

Winterfahrplan der Stuttgarter Kickers

Dienstag, 14. Januar, 10.30 Uhr: Trainingsauftakt im ADM-Sportpark (Trainingsort je nach Wetterlage).

Donnerstag, 16. Januar, 19 Uhr: Testspiel VfB Oberesslingen/Zell – Kickers (Kunstrasen Esslingen-Zell, Alleenstr. 11, 73730 Esslingen).

Samstag, 18. Januar, 14 Uhr: Testspiel SV Fellbach – Kickers.

Samstag, 25. Januar, 14 Uhr: Testspiel Kickers – TSG Backnang (ADM-Sportpark oder Großraum Stuttgart, je nach Wetterlage).

Donnerstag, 30. Januar, 18.30 Uhr: Testspiel Kickers – TSG Balingen (ADM-Sportpark oder Großraum Stuttgart, je nach Wetterlage).

Samstag, 1. Februar, 13 Uhr: Testspiel SKV Rutesheim – Kickers (Stadion des SKV Rutesheim, Robert-Bosch-Str. 55, 71277 Rutesheim).

Samstag, 8. Februar, 14 Uhr: Testspiel TSG 1899 Hoffenheim II – Kickers in Hoffenheim.

Samstag, 15. Februar, 14 Uhr: Testspiel FC Augsburg II – Kickers (Paul-Renz-Sportanlage, Donauwörther Str. 170, 86154 Augsburg).

Samstag, 22. Februar, 14 Uhr: Testspiel Kickers – FV Illertissen (ADM-Sportpark oder Großraum Stuttgart, je nach Wetterlage).

Samstag, 29. Februar, 14 Uhr: Erstes Oberligaspiel nach der Winterpause Kickers – FSV 08 Bissingen (Gazi-Stadion auf der Waldau).

Samstag, 7. März, 14 Uhr: Zweites Oberligaspiel nach der Winterpause SV Sandhausen II – Kickers.