Diese will nun auch künftig die Hand am Braukessel haben: „Heute würde man die Brauerei Dinkelacker sicherlich nicht mehr verkaufen“, meint der geschäftsführende Gesellschafter, „die Brauerei ist zu hundert Prozent in Familienbesitz und bleibt dies auch.“ Dass er auf den zurückerlangten Besitz stolz ist, zeigt das Gespräch im Büro in der Tübinger Straße. „Wir sind die einzige echte Stuttgarter Brauerei“, meint er.
Hofbräu, ebenfalls eine Stuttgarter Traditionsbrauerei und der größte Konkurrent, gehört zur Frankfurter Radeberger-Gruppe. Anders dagegen Dinkelacker: „Wir sind zu hundert Prozent Stuttgart“, preist Christian Dinkelacker die Verbundenheit mit der Landeshauptstadt und fügt hinzu: „Bei uns wird alles in Stuttgart gebraut“ – wie übrigens auch bei Hofbräu. „Ja, ganz klar. Als nach seinem Herkunftsort benanntes Bier wird Stuttgarter Hofbräu auch nur in Stuttgart gebraut“, sagt Martin Alber, der Sprecher der Geschäftsleitung von Stuttgarter Hofbräu auf eine entsprechende Frage.
Die Brauerei Dinkelacker zieht von Böblingen nach Stuttgart
Schwaben waren die Dinkelackers schon immer – nicht aber Stuttgarter. Die Stuttgarter Brauerei hat ihre Ursprünge in Böblingen. Dort gründete Karl Gottfried Dinkelaker, Biersieder und Stadtrat 1823 die Brauerei. Sein Sohn Christian zieht nach Stuttgart, wo dessen Sohn Carl 1888 in der Tübinger Straße seine eigene Brauerei aufmacht.
Dinkelacker hat seinen Standort in der Tübinger Straße in Stuttgart auch deshalb gewählt, weil man unter der Karlshöhe große Stollen für das Eis anlegen konnte, mit dem das Bier gekühlt wurde. Um 1900 hat die Brauerei bereits 140 Beschäftigte und einen Ausstoß von 140 000 Hektolitern. Vor allem gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts stehen die Zeichen auf Expansion. 1971 hieß es nicht nur bei Biertrinkern, sondern auch bei der Familie Dinkelacker: „Wir wollen Wulle.“ Die bereits 1861 gegründete Brauerei wird ebenso übernommen wie 1977 Sanwald, ebenfalls eine Stuttgarter Traditionsmarke. Keine 20 Jahre später schließen sich Dinkelacker und die 1888 von Robert Leicht in Vaihingen gegründete Brauerei Schwabenbräu zusammen. Heute ist Dinkelacker-Schwabenbräu, wie der offizielle Name lautet, fest in der Hand der Familie Dinkelacker – ebenso wie die frühere Heilbronner Brauerei Cluss und Haigerlocher Schloßbräu.
Vom Konzern zurück zur Familie Dinkelacker
Anfang des Jahrhunderts schien das Ende der Familienbrauerei besiegelt, das Stuttgarter Unternehmen war Teil des weltgrößten Braukonzerns Anheuser Busch Inbev mit Sitz in Brüssel. Die Familie Dinkelacker hatte ihre Brauerei zunächst an die Münchner Brauerfamilie Sedlmayr verkauft, über diese kam sie dann 2004 an den Konzern. Doch als der Global Player sich von seinen regionalen Marken trennen wollte, griff Wolfgang Dinkelacker zu und kaufte 2007 den ehemaligen Familienbesitz zurück. „Jetzt treffen wir alle Entscheidungen wieder selbst“, sagt Christian Dinkelacker, „damit reagieren wir dank kurzer Entscheidungswege wieder sehr flexibel und schneller.“ Vor dem Rückkauf war dies anders: „Während der Zugehörigkeit zu dem Konzern fehlte vor allem die regionale Identifikation und das Verständnis für die spezifischen Belange der Brauerei und unserer Themen vor Ort“, berichtet der Geschäftsführer.
Dinkelacker setzt auf Tradition – kein Bier mit Himbeergeschmack
Die bisherigen Marken will Dinkelacker beibehalten und ein traditioneller Brauer bleiben. „Wir bleiben bei unseren klassischen Biersorten. Biermischgetränke mit dem Geschmack von Himbeeren oder Bananen sind nicht unsere Sache“, meint Christian Dinkelacker. Mit 200 Beschäftigten braut Dinkelacker-Schwabenbräu jedes Jahr 500 000 Hektoliter Bier, erzielt damit einen Umsatz von 50 Millionen Euro und erwirtschaftet einen „auskömmlichen“ Ertrag.
Dinkelacker denkt regional – Gerste aus der Region, Faible für die Kickers
Das Brauwasser kommt über die Bodenseewasserversorgung, der Hopfen aus Tettnang, Gerste für das Malz aus dem Strohgäu, dem Heckengäu und von der Schwäbischen Alb. Eines fehlt dem Chef der Regionalbrauerei, die ihre Rohstoffe regional einkauft: „Den Regionalstolz und den Trend zu regionalen Bieren vermisse ich im Schwabenländle im Vergleich zu Bayern etwas“, sagt er. Die regionale Verbundenheit kommt bei Christian Dinkelacker nicht nur beim Bier zum Ausdruck, sondern auch beim Fußball: „Ich bin ein Blauer, gehe aber auch gerne zu Spielen des VfB“, sagt er. Doch wenn die Blauen gegen die Roten spielen, „schlägt mein Herz für die Kickers“. Und beim Bier? „Mein Lieblingsbier ist Dinkelacker Hell. Das trinke ich jeden Tag als Feierabendbier.“
Gründer-Verwandtschaft
Böblingen
Bereits 1823 gründet Karl Gottfried Dinkelaker (noch ohne „c“ vor dem „k“) in Böblingen seine Brauerei. Der Gründer ist Biersieder und Stadtrat. Einige Jahre später verlegt er diese auf den Postplatz. 1860 übernehmen die Söhne Christian und Wilhelm die Brauerei. Diese ist weiter in Böblingen und firmiert unter dem Namen Schönbuch Braumanufaktur.
Stuttgart
Christian zieht als Privatier von Böblingen nach Stuttgart. Im Jahr 1888 gründet Christians Sohn Carl in der Stuttgarter Tübinger Straße die heutige Brauerei Dinkelacker. Um 1890 streicht Wilhelm in Böblingen das „c“ vor dem „k“ wieder aus seinem Namen und schreibt sich wieder Dinkelaker, wie schon sein Vater.