Stuttgart - Der Fahrdienst Uber genießt vor allem bei jungem Publikum Kultstatus. Er lockt mit günstigen und vor allem von vornherein feststehenden Fahrpreisen. Auch in Stuttgart und Umgebung sind die weißen Toyota-Fahrzeuge unterwegs. Sie gehören aber nicht den etablierten Mietwagenunternehmen. Kurz vor dem Start vor einem Monat haben diverse Firmen Betriebssitze in den Landkreisen Rems-Murr, Esslingen und Calw eröffnet. Vor allem in Fellbach herrscht Hochbetrieb, in einem Gewerbegebiet haben sich solche Unternehmer angesiedelt, die Uber bereits aus Berlin und Frankfurt kennen und offenbar für einen gelungenen Start sorgen sollen. Uber-Sprecher Tobias Fröhlich sagt, es gebe weder eine Beratung noch finanzielle Unterstützung bei der Standortsuche. Distanz ist wichtig – Uber will nur Fahrten an Dritte vermitteln.
40 Prozent von null Euro Umsatz
Und wie fährt es sich nun mit dem Neuen? Thomas Ludwig, Mitglied der Chauffeurtruppe (richtiger Name ist der Redaktion bekannt), ist nach kurzer Zeit ernüchtert: Vom Umsatz gehen 19 Prozent ans Finanzamt, ein Viertel an Uber, und vom Rest bezahle ihn der Mietwagenunternehmer schlechter als schlecht. 40 Prozent des Umsatzes dürfe er behalten. Manchmal seien 40 Prozent 20 Euro, manchmal 80 Euro, gelegentlich gebe es aber auch 40 Prozent von nichts. Der junge Mann teilt sich den Wagen mit einem Kollegen, arbeitet nach eigener Aussage zwölf Stunden täglich, und das sieben Tage die Woche. Als 450-Euro-Jobber wäre für ihn bei einem Mindestlohn von 9,19 Euro bereits am vierten Tag des Monats Feierabend.
Ludwig sagt, alle Uber-Fahrer würden versuchen, im Schnitt mindestens alle zwei Stunden eine Fahrt zu bekommen, dann greife das Aktionsprogramm, das 18 Euro pro Stunde garantiere. Und wenn man nur fünf Fahrgäste hatte? „Wir sind ja auch nicht blöd“, sagt er. „Notfalls fährt man einen Kollegen um den Block oder lässt Freunde eine Fahrt buchen.“ Ludwig sagt, er verdiene etwa 800 bis 900 Euro netto im Monat – damit wären der 450-Euro-Jobber und sein Arbeitgeber ein klarer Fall für die Steuerfahndung. Für ihn gelte deshalb: Nur Bares ist Wahres. Er räumt auch ein, wie seine Kollegen permanent gegen das Personenbeförderungsgesetz zu verstoßen, weil man darauf verzichte, nach einer absolvierten Fahrt zum Betriebssitz zurückzukehren. „Das würde sich dann gar nicht mehr lohnen“, sagt Ludwig: „So gut kann sogar ich rechnen.“ Also hält er sich – offenbar unbemerkt vom Vermittler, dem laut Sprecher Fröhlich derlei Verstöße nicht bekannt sind – in der Stuttgarter City auf. „Dort warten wir am Straßenrand, bis ein neuer Auftrag kommt.“ Beliebt seien auch Neckarpark und Flughafen, wo er die Schlange umgeht, in der Taxifahrer oft bis zu zwei Stunden warten müssen.
Am Landkreis-Rand ist Uber-Niemandsland
Taxis unterliegen einer Betriebs-, Beförderungs- und Tarifpflicht. Der Fahrpreis der Konkurrenz richtet sich nach Angebot und Nachfrage und kann auch über dem Taxitarif liegen. In einem von unserer Redaktion vorgenommenen Vergleich lagen die Uber-Preise in Stuttgart um ein Drittel unter dem Taxitarif. In den Nachbarkreisen war der Unterschied geringer. Testbuchungen für Fahrten am Rand der Landkreise Ludwigsburg und Esslingen ergaben aber: Das ist Uber-Niemandsland. Ob Tag oder Nacht – es war entweder kein Fahrer bereit, die Peripherie zu bereisen, oder der Fahrgast sollte 25 Minuten Wartezeit in Kauf nehmen. „Solche Fahrten mache ich nur in Ausnahmefällen“, sagt Ludwig: „Meine Ablehnung begründe ich schon mal damit, der Kunde sei betrunken gewesen.“