Forschungsflugzeug Sofia in Stuttgart Ein Blick in die fliegende Sternwarte

Von Julika Wolf 

Von Montag bis Freitag ist das ungewöhnliche Flugzeug, das Wissenschaftlern bei der Erforschung von Sternen hilft, am Stuttgarter Flughafen. Normalerweise ist die Tür zum Hightech-Teleskop nur im Flug geöffnet – am Dienstag konnten einige Besucher das Spektakel auch am Boden erleben.

Alexander Steiner erklärt, wie das Teleskop funktioniert. Foto: /Julika Wolf 5 Bilder
Alexander Steiner erklärt, wie das Teleskop funktioniert. Foto: /Julika Wolf

Stuttgart - Eigentlich benutzen die Wissenschaftler die Luke des Forschungsflugzeugs Sofia, das noch bis Freitag auf dem Stuttgarter Flughafen steht, nur während eines Fluges. Denn dahinter befindet sich das Herzstück des Flugzeugs: das 17 Tonnen schwere Teleskop, mit dem die Forscher sich neue Einblicke ins Weltall verschaffen. Damit dem Hightech-Gerät nichts passiert, bleibt die Tür am Boden zu. Deshalb ist das Interesse auch besonders groß, als die Luke am Dienstagnachmittag geöffnet wird. „Das passiert am Boden fast nie“, versichert die Pressesprecherin des Deutschen Sofia-Instituts, Dörte Mehlert. Für diese einmalige Gelegenheit nehmen sich auch einige Mitarbeiter vom Flughafen Zeit.

Doch auch ohne das besondere Spektakel gibt es bei einer Führung durch die umgebaute Boeing viel zu sehen. Fast ist es dabei, als würde man wegfliegen: Check-in am Terminal, Personalausweis vorzeigen, durch die Sicherheitskontrolle. Dann der Weg in die weit entfernte Welt der Weltraumforschung. Und die Stuttgarter nehmen die Forscher dabei ein Stückchen mit. „Hier schauen sich etwa 3000 Besucher Sofia an“, sagt Dörte Mehlert. Experten und Laien seien dabei. „Wir hatten gestern einen Achtjährigen, der wusste schon unglaublich viel“, sagt sie. Diejenigen, die nicht so viel Vorwissen haben, bekommen von Experten alles erklärt: von der Technik über die Forschung bis hin zur Atmosphäre beim Flug. Schnell wird klar: Ein normales Flugzeug ist Sofia nicht – im Gegenteil.

„Es ist nicht ganz so komfortabel“, sagt Dörte Mehlert, die selbst Astronomin ist und schon einige Flüge mit Sofia hinter sich hat. Kein Wunder: Die Sitzreihen sind größtenteils ausgebaut, nur einzelne Sitze sind vor riesigen Monitoren und Schaltpulten angebracht. Außerdem ist es laut und kalt. „Aus Platzgründen und wegen des Gewichts gibt es keine Isolierung wie in Passagierflugzeugen“, erklärt die Astronomin. Außerdem müssen die Instrumente gekühlt werden. Es empfehle sich, im Zwiebellook an Bord zu gehen – also mit vielen Schichten. Auch die etwa zwanzig Mitflieger sind keine gewöhnlichen Passagiere, sondern arbeiten während des Fluges. Dazu gehören zum Beispiel der Mission Director, der die wissenschaftliche Mission leitet, ein Teleskop-Operateur und ein Flugingenieur, der mit den beiden Piloten im Cockpit sitzt.

Zwei Kilometer höher als Passagierflugzeuge

Eine weitere Besonderheit von Sofia ist die Flughöhe: Weil Wasserdampf das Infrarotlicht stört, mit dem das Teleskop Dinge im All sichtbar macht, fliegt das Flugzeug mindestens zwei Kilometer höher als Passagierflugzeuge. Das ist möglich, weil Sofia zehn Meter kürzer ist als andere Maschinen ihres Typs. Auf zwölf bis 14 Kilometern über der Erde öffnet sich dann mitten im Flug die Luke, hinter der das Teleskop steht. „Durch die Öffnung ändert sich für Piloten und Passagiere nichts am Flug“, erklärt ein Experte. Nur Sofia bemerkt eine Änderung, denn sie verbraucht in der Zeit drei Prozent mehr Treibstoff.

Die wohl größte Besonderheit im Flugzeug ist das Teleskop. „Normalerweise betoniert man das ein, damit es möglichst stabil ist“, sagt Teleskop-Ingenieur Alexander Steiner. Es in ein wackeliges Flugzeug zu stellen sei eigentlich kontraproduktiv. Eine ganze Reihe von mechanischen und technischen Maßnahmen hält das Gerät während des Flugs still. So auch am Mittwochabend, da ist Sofia zum ersten Forschungsflug über Europa aufgebrochen. Werner Hinderer aus dem Remstal ist mit seinem Sohn gekommen. „Das ist eine gigantische Geschichte für Stuttgart“, sagt er. „Ganz großes Kino.“ Er hat über einen Bekannten von Sofia erfahren, der mit dem Projekt zu tun hat und schon oft davon erzählt hat. Es sei beeindruckend, es jetzt endlich mal selbst zu sehen.

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