Gastronomie in Stuttgart-West Kommen Food-Trucks auf den Bismarckplatz?

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Der Bezirksbeirat stimmt mit knapper Mehrheit zu, die Veranstaltung „Eat and Meet“ in den Süden zu holen. Jetzt muss das Amt für öffentliche Ordnung darüber entscheiden.

Snacks unter freiem Himmel genießen  und Freunde treffen – das ist das Konzept von „Eat an Meet“. Foto: Jan Reich
Snacks unter freiem Himmel genießen und Freunde treffen – das ist das Konzept von „Eat an Meet“. Foto: Jan Reich

S-West - Die kalten und warmen Speisen werden im Lastwagen zubereitet, von da aus verkauft und unter freiem Himmel verspeist. Das Event mit den Oldtimertrucks ist der jüngste Gastro-Hit, und solche Events könnten in diesem Sommer auch auf dem Bismarckplatz unter dem plakativen Motto „Eat and Meet“stattfinden. Mit diesem Konzept hat die Eventagentur Heldenreich im vergangenen Jahr immer donnerstags bis zu 10 000 Leute auf den Karlsplatz gelockt, wo die Food-Trucks vorgefahren waren. Ausgestattet sind sie mit ihren eigenen Wassertanks, sodass darin gekocht und auch wieder gespült werden kann.

Daniel Rosner, der Inhaber der Agentur, hat am Dienstag im Bezirksbeirat West für die neue Art des Ausgehens geworben. Auf dem Bismarckplatz sollen vom 6. Mai bis 30. September jeden Freitag von 15 bis 22 Uhr zehn Laster stehen und ihr Angebot aus regionaler und aus Bioproduktion unter die Leute bringen. Heldenreich und die Wirtschaftsförderung der Stadt Stuttgart haben sich das Street-Food-Market Programm zur Belebung der Bezirke gemeinsam ausgedacht, betont Rosner. „Damit sich die Leute am Wochenende in ihrem Bezirk treffen und nicht auf die Theo-Heuss fahren.“

An acht Standorten in der Stadt soll es „Eat and Meet“ geben

Der Westen ist somit nur einer von insgesamt acht Standorten. Vorgespräche mit den Bezirksvorstehern sowie den ansässigen Handels-und Gewerbevereinen werden auch in Vaihingen, Feuerbach, Stammheim, Zuffenhausen, Degerloch und Untertürkheim geführt. Die Bezirksbeiräte müssen noch darüber diskutieren. In Plieningen hat das Gremium bereits zugestimmt.

„Eat and Meet“ solle es an allen Standorten während der Sommermonate freitags zwischen 15 bis 22 Uhr geben, so die Agentur Heldenreich. „Am Vormittag wird aufgebaut, nach Ende um 22 Uhr wieder abgebaut“, verspricht die Agentur. Ihr Vertrag läuft jeweils über ein Jahr. Der Bezirksbeirat Mitte lehnte im Januar eine Neuauflage ihrer „Gaumenfreuden“ genannten Veranstaltung auf dem Karlsplatz für 2016 zwar ab, aber Rosner erhielt vom Amt für öffentliche Ordnung dafür dennoch die Genehmigung, wie er berichtet.

300 Trucks fahren durch Deutschland

Der Bezirksbeirat West tat sich bei seiner Sitzung am vergangenen Dienstag sehr schwer mit der Entscheidung, die Food-Trucks auf dem Bismarckplatz auf der Seite der Elisabethenkirche vorfahren zu lassen. Mit nur einer Stimme Mehrheit entschied er sich im Grundsatz dafür. Die Genehmigung erteilt am Ende das Amt für öffentliche Ordnung, nachdem alle Argumente – auch die der Polizei – abgewogen worden sind. Der Bezirksvorsteher von West, Reinhard Möhrle, bat den Veranstalter nach dem knappen Abstimmungsergebnis, die Argumente der vorangegangenen Diskussion zu beherzigen, sollte das Event genehmigt werden. „Noch sind ja nicht alle Gespräche geführt worden“, betonte Möhrle.

Rosner warb unter anderem damit, dass das kulinarische Angebot jede Woche wechsle, weil immer verschiedene Anbieter vor Ort seien. „Wir haben Zugriff auf 300 Trucks“, sagte er. Diese fahren zu ihren Stationen durch Deutschland und ins benachbarte Ausland. Die Agentur bucht sie für die Events, die auf ihrer Route liegen.

Sorge um die örtliche Gastronomie

Bei den Bezirksbeiräten im Westen herrschte jedoch große Skepsis. „Wie verträgt sich das mit der Feinstaubdiskussion?“, fragte der CDU-Mann Roland Stricker. Der AfD-Bezirksbeirat Rolf-Peter H. Kress erinnerte daran, dass es für die Gestaltung des Bismarckplatzes eine Bürgerbeteiligung gebe. „Jetzt wollen wir ihn freitags zukleistern“, kritisierte er. Und um die Gastronomie im Viertel sorgten sich gleich mehrere im Gremium. Rosner versuchte, die Einwände zu entkräften: „Die Leute besuchen anschließend die umliegende Außengastronomie.“

Wie zehn Trucks oder Transporter mit Verkaufsständen auf dem kleinen Platz unterkommen könnten, war einigen Bezirksbeiräten schleierhaft. Andere fragten sich, wo die Street-Food- Gäste, das was sie zu sich genommen haben, wieder loswerden können? Einige Toilettenhäuschen werden für den Event aufgebaut, versicherte der Veranstalter, und da in der Nacht noch abgebaut werde, sei der Wochenmarkt am Samstag nicht beeinträchtigt.

„Ich bin ein großer Fan von Street Food. Ich kenne das aus Berlin“, schwärmte Marina Silverii (Grüne). „Das ist eine gute Idee“, fand auch Franz Rumiz (Grüne). Im Westen werde immer wieder neidvoll auf den Süden geblickt, weil dort so viel los sei. Der Food-Markt sei jetzt eine Möglichkeit zur Belebung. Paul Russmann (SÖS-Linke-Plus) dagegen verurteilte derartige Veranstaltungen als „neue Art der Kommerzialisierung des öffentlichen Raumes“.

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