Gibt es Zombies? Teil III Darum haben wir Angst vor den Untoten

Wiederkehr der Untoten: Ein Ur-Mythos der Völker (Szene aus dem Horrorfilm-Klassiker „I walked with a Zombie“ von Jacques Tourneur aus dem Jahr 1943). Foto: Verleih 9 Bilder
Wiederkehr der Untoten: Ein Ur-Mythos der Völker (Szene aus dem Horrorfilm-Klassiker „I walked with a Zombie“ von Jacques Tourneur aus dem Jahr 1943). Foto: Verleih

Voodoo, Wiedergängerriten, Auferstehung: Die Angst vor den Untoten, die sich aus ihren Gräbern erheben, ist tief im Unterbewusstsein des Menschen verwurzelt. Ein Tripp durch Religion, Ethnologie und Kulturgeschichte.

Leben: Markus Brauer (mb)
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Stuttgart - Der Tod ist jedem Menschen gewiss. Doch wie ist es mit der Auferstehung? Der Glaube daran verbindet mehr als 2,3 Milliarden Menschen auf der Welt. Jesus Christusist der Archetypus des Wiedererweckten, der den Tod besiegt und die Unterweltdurchschritten hat. Auf diese Hoffnung bauen Christen im Angesicht des Todes. Sie ist der Kern ihres Glaubens. „Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist euer Glaube nichtig, dann seid ihr noch in euren Sünden, also sind auch die in Christus Entschlafenen verloren.“ Dieser Satz aus dem Ersten Korintherbrief des Apostel Paulus (Kapitel 15, Vers 12-14) ist das zentrale Diktum der Theologie.

Wiederaufstehung von den Toten – auch für Zombies?

Der Gedanke, dass Jesus tot war, hat bei aller Schrecklichkeit doch etwas Tröstliches: Selbst in der tiefsten Verlassenheit ist Gotte Sohn den Menschen nahe. Nicht erst im Tod, schon im Leben. In Augenblick der Verzweiflung, Angst, des Schmerzes, des Verlustes, der tiefsten Trauer ist er da.

Das gilt nicht für Zombies. Die Untoten sind aus der Gemeinschaft der Auferstandenen ausgeschlossen. Sie sind dazu verdammt auf Erden umherzuwandeln und sich von Lebendigem zu nähren. Auch die Zombie-Mutation ist eine Metamorphose, eine Verwandlung. Allerdings unter negativen Vorzeichen, eine Art spiegelverkehrte Version des christlichen Erlösungsmysteriums – die Auferstehung der Untoten unter negativen Vorzeichen.

Voodoo-Kult auf Haiti

Der französische Ethnologe Michel Leiris beschreibt Zombies in seinem Buch „L’Afrique Fantôme“ („Phantom Afrika“, 1934) als „Individuen, die man künstlich in einen Scheintodzustand versetzt, beerdigt, dann wieder ausgegraben und geweckt hat und die infolgedessen folgsam wie Lasttiere sind, da sie ja gutgläubig annehmen müssen, dass sie tot sind“. Leiris fand Hinweise auf Zombies im haitianischen Voodoo-Kult und in der Religion der Yoruba, einem Volk im Südwesten Nigerias.

In dem zwar christianisierten, aber immer noch von heidnischen Bräuchen durchtränkten Leben der Haitianer besitzen Voodoo-Hexer und Priesterinnen die geheimnisvolle Fähigkeit, Lebende mit einem Fluch zu belegen, so dass sie scheintod sind.

Zombie-Gift: Wahrheit oder Schwindel

Der Ethnopharmakologe Wade Davis entdeckte 1982 auf einer Forschungsreise durch Haiti ein Gift, dass angeblich Menschen zu Zombies macht. Zerraspelte Menschenknochen, Krötensekrete und das Gift des Kugelfisches zusammengerührt, würden ein Pulver ergeben, das einen Zustand des Scheintods herbeiführt. Ob es sich bei Davis’ Fund um einen Schwindel oder eine wissenschaftliche Sensation handelt, sei dahingestellt. Fakt ist: Der Glaube an Zombies ist quicklebendig.




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