Hochschule der Medien in Stuttgart HdM gründet Institut für Künstliche Intelligenz

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An der Hochschule der Medien in Stuttgart soll ein neues Institut für Künstliche Intelligenz Spitzenforschung und Anwendung zusammenbringen. 15 Professoren planen fakultätsübergreifende Projekte.

Mona Lisa dank Algorithmus im Stil von Picasso oder Roy Lichtenstein – „alles Mathematik“, sagt die Studentin Ute Orner-Klaiber. Foto: Lg/Max Kovalenko
Mona Lisa dank Algorithmus im Stil von Picasso oder Roy Lichtenstein – „alles Mathematik“, sagt die Studentin Ute Orner-Klaiber. Foto: Lg/Max Kovalenko

Stuttgart - Die Hochschule der Medien (HdM) bündelt ihre Projekte zur Künstlichen Intelligenz (KI) in einer neuen Einrichtung: dem Institute for Applied Artifical Intelligence. Es sei allerdings „kein Neuanfang, sondern ein Zusammenschluss von 15 Professoren, die sich bisher auch schon mit KI beschäftigt haben“, betonte Johannes Maucher bei der Eröffnung des KI-Instituts am Donnerstag. Der Professor für Medieninformatik hat es initiiert und leitet es. Es gebe an der HdM schon seit mehr als zehn Jahren ein breites Angebot an Lehrveranstaltungen und Forschungsprojekten zur KI. In letzter Zeit sei das Anwendungsgebiet der KI „nahezu explodiert“, so Maucher. „Unsere Aufgabe ist es, Spitzenforschung in die Unternehmen zu bringen – wir sehen uns als Schnittstelle.“

Spitzenforschung selber könne die HdM nicht leisten, da könne sie nicht mit den Unis Stuttgart und Tübingen konkurrieren, räumte Maucher ein. Aber in Kooperation mit diesen Unis liefen derzeit bereits zehn Promotionen im KI-Bereich. Finanzieren könne die HdM die Doktoranden über Forschungsprojekte, die sie beim Bund oder der EU einwerbe. Johannes Theodoridis ist einer von ihnen. In seiner Dissertation beschäftigt er sich mit der Frage, wie Algorithmen aus der Künstlichen Intelligenz im Design und in der Medienproduktion eingesetzt werden können. „Für mich ist das perfekt“, sagt Theodoridis, der zuvor den Bachelor Audiovisuelle Medien und den Master in Medieninformatik an der HdM absolviert hat und nun an der Uni Tübingen im Fachbereich Informatik promoviert. Zugleich habe er an der HdM eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter und stärke in der Medieninformatik den Fachbereich KI. „Wir sind hier sehr nah an der Praxis“, sagt er. Und genau das sei der Reiz. „Warum sonst sollte man an einer angewandten Hochschule promovieren?“

HdM will Künstliche Intelligenz bei assistierenden Systemen einsetzen

„Es geht bei uns weniger um autonome Systeme, sondern um assistierende Systeme“, erklärt Maucher. Und: „Es gibt keinen Fachbereich an der HdM, wo die KI nicht reinspielt.“ Beim Umgang mit Texten, Bildern, Videos könne die KI als lernendes System gute Dienste leisten. Etwa, indem auf diese Weise der Text eines dicken Buches zusammengefasst werden könne. Dabei orientiere sich das System nicht an Schlüsselwörtern, sondern „KI versteht das Wesentliche“, so Maucher.

Es geht aber auch kreativ, etwa in der Kunst. Im Foyer der HdM können die Besucher am Stand von Ute Orner-Klaiber selbst aktiv werden: ein Selfie machen und selber entscheiden, ob der Rechner das Porträt von Da Vincis Mona Lisa ummodelt, im Stil von van Gogh, Picasso oder des Pop-Art-Künstlers Roy Lichtenstein. Das Ergebnis ist jeweils erstaunlich – und macht bei den Besuchern mächtig Laune. „Ich hab den Algorithmus geschrieben“, sagt die Bachelorstudentin der Medieninformatik im fünften Semester. „Eigentlich ist es nur Mathematik – mathematische Formeln, die die Pixelwerte ausrechnen.“ Ihre Kommilitonen Paul Fauth-Mayer und Daniel Rotärmel hingegen wollen einer Drohne beibringen, so wenig wie möglich mit Hindernissen zu kollidieren. Fauth-Mayer räumt ein: „Die ist noch nicht fertig trainiert.“ Aber nach jeder Kollision werde es besser.

Ein eigenes Studienfach zur KI plant die Hochschule nicht

Ein eigenes Studienfach zur KI sei allerdings nicht geplant, so Maucher. Man könne dies in der Medieninformatik allerdings als Schwerpunkt wählen: Im Master entschieden sich fast die Hälfte der Studierenden dafür, im Bachelor bis zu einem Drittel. Auch von dem KI-Institut könnten die Studierenden profitieren, meint Maucher: „Sie können jetzt viel besser fächerübergreifende Projekte machen.“ Mit im Boot des KI-Instituts ist unter anderem auch der Bereich Digitale Ethik, vertreten von Petra Grimm. Die Professorin wirbt dafür, Ethik auch in der Systemarchitektur der KI zu berücksichtigen. „Wir brauchen digitale Ethik – als Steuerungsinstrument, als Kompass für die Gestaltung des digitalen Wandels.“

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