Industrie 4.0 in Kirchheim Schüler rüsten sich für digitale Revolution

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Roboter halten an der gewerblichen Max-Eyth-Schule in Kirchheim Einzug. Sie sind ein Teil einer „Lernstraße Industrie 4.0“, mit der die Arbeitskräfte von morgen auf den grundlegenden Wandel in der Produktion vorbereitet werden.

Auszubildende werden an der CNC-Fräse geschult. Ohne den Einsatz von Bildschirmen geht heute nichts mehr. Foto: Ines Rudel
Auszubildende werden an der CNC-Fräse geschult. Ohne den Einsatz von Bildschirmen geht heute nichts mehr. Foto: Ines Rudel

Kirchheim - Robotino ist der Name eines fleißigen Helfers, der in der neuen „Lernstraße Industrie 4.0“ an der gewerblichen Max-Eyth-Schule in Kirchheim eine der Hauptrollen spielt. Das mobile Robotersystem für Ausbildung und Forschung fährt in einem von mehreren Fachräumen der Lernstraße unter anderem Flaschenöffner in einer Transportkiste von A nach B. Diese Flaschenöffner werden in der Schule nach modernsten Verfahren produziert. Hier bereiten sich Schüler auf die digitale Revolution vor, die unter dem Begriff Industrie 4.0 in immer mehr Betrieben die Produktionsweisen verändert.

Am 3-D-Drucker entsteht ein Flaschenöffner als Prototyp

Vernetzung ist eines der Schlagworte, die für diese revolutionäre Entwicklung charakteristisch sind. Das Produkt – im vorliegenden Fall der Flaschenöffner – wird konzipiert und am Bildschirm designt. Im 3-D-Drucker entsteht dann ein Prototyp. In einem weiteren Schritt wird an der CNC-Maschine gefräst. Am Ende der Produktionskette steht schließlich die Individualisierung: das Produkt wird auf spezielle Kundenwünsche hin getrimmt, indem die Öffner ein individuelles Aussehen erhalten.

Bei jedem einzelnen Arbeitsschritt kommt High Tech zum Einsatz. Was vor 15 Jahren noch als Science Fiction gegolten hätte, wird heute Realität – auch zur virtuellen Realität, wie in einem mit Geräten von Festo Didactic – einem der Projektpartner der gewerblichen Schulen des Landkreises Esslingen – ausgerüsteten Raum besonders augenscheinlich wird.

Industrieroboter hat einen „digitalen Zwilling“

Schüler können dort eine „Augmented Reality“-Brille aufsetzen, mit der sie den digitalen Zwilling eines Industrieroboters sehen. Durch die Brille scheint es so, als stünde der Roboter tatsächlich im Raum. Schülerinnen und Schüler können mit dem Hologramm in Interaktion treten, was für den modernen Unterricht ganz neue Perspektiven eröffnet. Die Max-Eyth-Schule besuchen derzeit 1771 Schüler. Sie werden dort von 82 Lehrern auf Arbeit und Beruf vorbereitet. Unter dem Dach der Bildungseinrichtung versammeln sich ein Technisches Gymnasium, eine Fachschule, eine Berufsschule und ein Berufskolleg Informationstechnik.

Zu den Partnern des Schulträgers Landkreis Esslingen gehören Firmen, und auch die Hochschule Esslingen sitzt mit ihrem Know-how mit im Boot. In einer sogenannten Cloud wollen die einzelnen Projektpartner über das Internet eine Fülle von Daten bereitstellen und untereinander nutzbar machen. Der Esslinger Landrat Heinz Eininger stellte bei der Vorstellung der Lernstraße am Dienstag das Projekt in den Kontext der kreisweiten Digitalisierungsstrategie. Dazu gehört unter anderem, dass die digitale Infrastruktur zur Verfügung gestellt wird. Denn ohne den schnellen Austausch von gewaltigen Datenmengen bräche jede Digitalisierungsoffensive kläglich in sich zusammen. Noch im Frühjahr, erklärte Heinz Eininger, würden alle kreiseigenen Schulen über eine Breitbandversorgung und über WLAN-Anschluss verfügen. „Wir warten nicht ab“, sagte der Landrat energisch und unterstrich damit den Führungsanspruch des Landkreises Esslingen mit Blick auf die Herausforderungen der digitalen Zukunft.

Digitalisierungsstrategie bedingt Bildungsinvestitionen

Damit der Landkreis seinen Platz als High-Tech-Standort im Wettbewerb behaupten kann, sind erhebliche Bildungsinvestitionen nötig. Eininger dankte in diesem Zusammenhang nicht nur dem Land für seine finanzielle Unterstützung, sondern auch der Stiftung der Kreissparkasse Esslingen Nürtingen, die mit einer Summe von 60 000 Euro die Lernstraße gefördert hat. Nicht zuletzt gebührte der Dank des Landrats auch den Lehrern. Denn ohne deren hohes Engagement könnte die Lernstraße ihre Funktion niemals erfüllen.