Intendantenwechsel am Junges Ensemble Stuttgart (Jes) Jes-Chefin Brigitte Dethier gibt die Theaterleitung auf

Von Nicole Golombek 

Aufhören, wenn es am Schönsten ist, das Sprichwort hat sich Brigitte Dethier zu Herzen genommen. Die Intendantin des international renommierten Jugendtheaters Junges Ensemble Stuttgart verlässt das Haus im Sommer 2022.

Brigitte Dethier (60) ist seit dem Jahr 2002 Leiterin des  Kinder- und Jugendtheaters Junges Ensemble Stuttgart. Sie verlängert ihren Vertrag nicht und wird das Haus im Sommer 2022 verlassen. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Brigitte Dethier (60) ist seit dem Jahr 2002 Leiterin des Kinder- und Jugendtheaters Junges Ensemble Stuttgart. Sie verlängert ihren Vertrag nicht und wird das Haus im Sommer 2022 verlassen. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Brigitte Dethier hört auf. Das ist eine betrübliche Nachricht weit über die Stuttgarter Theaterszene hinaus. Die Regisseurin, Gründerin und Intendantin des renommierten Jugendtheaters Junges Ensemble Stuttgart (Jes) sagte am Donnerstag während der Vorstellung der neuen Spielzeit, sie werde ihren Vertrag nicht verlängern. Ihre Intendanz, die im Jahr 2002 begann, endet damit zum Finale der Saison 2021/2022.

„Ich möchte nicht warten, bis alle sich fragen, wann geht sie denn endlich? Ich möchte aufhören, wenn es am Schönsten ist“, sagte die Intendantin, die in diesem Jahr ihren 60. Geburtstag gefeiert hat: „Ich mache mit viel Energie und Freude diese und noch zwei Spielzeiten, dann sind es zwanzig Jahre. Das ist ein klarer Schnitt. Wenn ich gehe, bin ich 63 Jahre alt, es ist an der Zeit, dass eine andere, jüngere Leitung auch noch einmal andere Perspektiven entwickelt und zeigt.“

Brigitte Dethier will kein anderes Theater mehr leiten

Sie sei dann insgesamt 33 Jahre in Leitungsfunktionen gewesen, sie werde künftig kein anderes Theater mehr leiten wollen, sagte Dethier, sondern frei als Regisseurin arbeiten und an der Schauspielschule unterrichten.

Die Theaterszene verliert damit eine künstlerisch und gesellschaftlich engagierte Theaterleiterin, die Nachricht passt aber immerhin zum aktuellen Spielzeitmotto „Jes for Future“. In mehreren, zum Teil internationalen Produktionen will das Ensemble nach vorne schauen, Themen wie Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Kinderarmut aufgreifen, die auch die Jugendlichen der Bewegung „Fridays for Future“ bewegt.

Der Intendantenposten wird voraussichtlich im Sommer 2020 ausgeschrieben. In die Entscheidung ihre Nachfolge betreffend werde sie nicht involviert sein, sagte Dethier, höchstens bei der Vorauswahl auf Wunsch beratend agieren. „Ich bin gespannt, wer sich alles bewerben wird“, sagte Dethier. Ein Haus für Kinder- und Jugendtheater wie dieses, das nicht an eine größere Institution gebunden ist und frei agieren kann, sei in der Theaterszene selten zu finden.

Spielzeitfest ist am 3. Oktober

Das Jes ist regelmäßig zu Gastspielen eingeladen, hat diverse Preise für die Inszenierungen gewonnen – auch dafür, das Theater für andere Kunstsparten wie Tanz zu öffnen und gemeinsam erarbeitete Ensemblestücke zu zeigen. Alle zwei Jahre findet zudem das internationale Kinder- und Jugendtheater-Festival „Schöne Aussicht“ statt – nächstes Mal im Frühjahr 2020.

Die Eröffnung der aktuellen Spielzeit wird am 3. Oktober stattfinden mit Party, Mitmachaktionen, mit einer Spielclub-Premiere und mit dem in deutscher und türkischer Sprache gespielten Stück „Die beste Geschichte“. Nach der Voraufführung im Sommer steht die Produktion nun als Premiere auf dem Spielplan. Die nächste große Premiere ist am 9. November „Als der Baum mit den roten Haaren weinte“ für Zuschauer ab neun Jahren, Hanneke Paauwe wird ihr Stück auch selbst inszenieren.