InterviewInterview mit Roberto Hilbert "Es ist unvergleichlich, was hier abgeht"

Von Oliver Trust 

Als Besiktas-Profi kennt sich Roberto Hilbert aus mit dem türkischen Fußball. Er sagt der deutschen Nationalelf ein hartes Spiel voraus.

Roberto Hilbert (Besiktas Istanbul) sieht sich das EM-Qualifikationsspiel der deutschen Nationalelf in Istanbul mit Freude an. Foto: dpa
Roberto Hilbert (Besiktas Istanbul) sieht sich das EM-Qualifikationsspiel der deutschen Nationalelf in Istanbul mit Freude an. Foto: dpa

Istanbul - Roberto Hilbert steht beim türkischen Traditionsverein Besiktas Istanbul unter Vertrag, mit dem der 26-Jährige 2011 Pokalsieger geworden ist. "Die Türkei hat absolut europäisches Topformat. Und am Freitag setzen sie alles auf Sieg", sagt der ehemalige Profi des VfB Stuttgart vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland in Istanbul.

Herr Hilbert, lassen Sie uns gleich mit einem schwierigen Thema anfangen. Der türkische Fußball wird von einem Manipulationsskandal erschüttert. Die Saison fing deshalb einen Monat später an.

Über was da berichtet wird, war für alle ein Schock. Mittlerweile ist aber zumindest für uns Spieler wieder der Fußballalltag eingekehrt. Alle warten auf die Ergebnisse der Untersuchungen.

Ihr Trainer Tayfur Havutcu sitzt aber noch im Gefängnis - es geht um das angeblich verschobene Pokalfinale gegen den Istanbuler Club Büyüksehir Belediye Spor.

Das stimmt, als wir im Trainingslager in Österreich waren, sollte er zu einem Verhör nach Istanbul. Er kam nicht zurück und sitzt seitdem in U-Haft.

Welche Erinnerungen haben Sie an das Finale, das Sie mit 6:5 nach Elfmeterschießen gewonnen haben?

Ich habe einen Elfmeter verschossen. Es war ein enges Spiel, wie so oft im Pokal. Und ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass da etwas nicht in Ordnung war. Unser Gegner Istanbul BB hat eines seiner besten Saisonspiele gemacht, die Partie war wahnsinnig eng und umkämpft.

Wo schauen Sie sich als deutscher Profi von Besiktas das Länderspiel am Freitag an?

Ich werde mit Freunden ins Stadion gehen. Wir haben Besuch aus Deutschland, deshalb werden wir die Spielpause auch nicht zu einem Besuch daheim nutzen. Die Pause tut aber trotzdem gut. Der verzögerte Saisonstart hat dazu geführt, dass wir alle drei Tage entweder in der Liga oder in der Europa League spielen.

Wagen Sie einen Tipp?

Es wird für uns auf alle Fälle schwieriger als im Hinspiel. Hier wird das Stadion voll sein, und die Türken wollen unbedingt Zweiter werden. Zu Hause ist die Mannschaft noch um einiges stärker, wenn sie die Fans nach vorne peitschen. Die Türkei hat absolut europäisches Topformat. Und am Freitag setzen sie alles auf Sieg.

Wie lebt es sich in Istanbul, der Verkehr soll höllisch sein?

Das stimmt. Wir sind mit unseren vier Kindern hier, und ich kann sagen, Istanbul ist eine in allen Belangen gigantische Stadt. Mit Kindern hat man am besten immer etwas zu essen und zu trinken dabei - wenn die Brücke zwischen Europa und Asien voll ist, kann es Stunden dauern. Die Kinder werden deshalb am Morgen um 6.15 Uhr abgeholt, damit sie rechtzeitig in die Schule oder den Kindergarten kommen.

Wie weit hat es der Papa?

Zum Trainingszentrum von Besiktas, das auf der asiatischen Seite liegt, sind es ungefähr 20 Minuten. Wir wollten wegen der Kinder eigentlich auf die europäische Seite ziehen, aber ich wäre dann nie rechtzeitig zum Training gekommen. Zweimal am Tag durch Istanbul ist mehr als ein Abenteuer.

Ein Abenteuer, das für Sie noch bis 2013 andauert, so lange läuft Ihr Vertrag noch.

Sportlich und privat sind Club und Stadt eine tolle Erfahrung. Die Stimmung in den Stadien ist sensationell. Ich habe sogar gehört, bei Besiktas hält man den Lautstärkerekord bei einem Fußballspiel. Keine Ahnung, ob das stimmt - aber ich glaube es sofort. Es ist unvergleichlich, was hier abgeht.