Isländischer Handballstar Trainer in Liga zwei Gudjon Valur Sigurdsson: Musterprofi mit Masterplan

Von Jürgen Frey 

Fair, fleißig, hochprofessionell – aber vor allem auch erfolgreich: Das war der isländische Handballstar Gudjon Valur Sigurdsson in seiner aktiven Karriere. Gelingt ihm dies nun auch als Trainer?

In ihrer aktiven Karriere oftmals Gegenspieler: Gudjon Valur Sigurdsson (li., im Dress des THW Kiel) und  Christian Schöne von Frisch Auf Göppingen Foto: imago/Eibner
In ihrer aktiven Karriere oftmals Gegenspieler: Gudjon Valur Sigurdsson (li., im Dress des THW Kiel) und Christian Schöne von Frisch Auf Göppingen Foto: imago/Eibner

Gummersbach - Als direkter Gegenspieler entwickelt man ein feines Gespür für den Mann, den es während der 60 Minuten zu bekämpfen gilt. Christian Schöne hat als Rechtsaußen des SC Magdeburg und von Frisch Auf Göppingen unzählige Mal gegen den Linksaußen Gudjon Valur Sigurdsson gespielt. Egal ob der für TuSEM Essen, den VfL Gummersbach, die Rhein-Neckar Löwen oder den THW Kiel in der Bundesliga auflief – Schöne hat nicht einmal eine schlechte Erfahrung gemacht. Im Gegenteil: „Er war immer ein Top-Sportsmann, extrem fair und korrekt.“ Zwei-Minuten-Strafen? Meckern gegen die Schiedsrichter? Würfe ins Gesicht des Torwart? Fiese Gesten? Showeinlagen? Reibereien? All das gab es bei diesem isländischen Ausnahmehandballer nicht.

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Stattdessen bestach er bis zuletzt auch noch mit 40 Jahren durch konstant starke Leistungen. Durch Schnelligkeit beim Tempogegenstoß, Sicherheit beim Siebenmeter, Schnörkellosigkeit beim Torabschluss und durch eine beneidenswerte körperliche Verfassung. Dank vieler Zusatzeinheiten im Kraftraum hat er kein Gramm Fett am Körper. „Ich glaube, die fressen in Island Steine“, hat sein früherer Vereinstrainer, der dänische Weltmeister-Coach Nikolaj Jacobsen, mal gesagt über den in Reykjavik geborenen und handballerisch in Akureyri im Norden Islands (wo auch Bundestrainer Alfred Gislason herkommt) erwachsen gewordenen Rechtshänder. „Maschine – Danke für alles! Alles, was du für den Handball getan hast“, teilte ihm Filip Jicha, der Meistertrainer des THW Kiel mit, als bekannt wurde, dass Sigurdsson als französischer Meister mit Paris Saint Germain seine Handballschuhe an den Nagel hängt. Das war am 1. Mai. Dass keine drei Tage später die Meldung kommt, er steigt als Trainer beim VfL Gummersbach ein, ahnte damals noch keiner. Nicht einmal der frühere Weltmeistertrainer Heiner Brand: „Das ist sicherlich überraschend, aber ich finde es eine sehr interessante Verpflichtung. Ich bin mal gespannt wie er einschlägt“, sagte der 67-Jährige.

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Sigurdsson soll seiner alten Liebe zu neuem Glanz verhelfen. Der VfL Gummersbach, der zwölfmalige deutscher Meister und elfmalige Europapokalsieger, ist in den vergangenen Jahren zum Krisenclub geworden. Die vor kurzem abgebrochene Zweitligasaison beendeten die Oberbergischen auf Platz vier. Nichts war’s mit dem angepeilten sofortigen Wiederaufstieg unter Coach Torge Greve.

Den soll nun Sigurdsson, dieser europareisende Rekordmann in Sachen Handball, nachholen. In der kommenden Saison. Spätestens aber bis zum Ende seiner Vertragslaufzeit 2022. Eine große Aufgabe, aber wer Sigurdsson kennt, der weiß, dass er einen Masterplan dafür in der Tasche hat. Auch Brand sieht ihn dafür gewappnet: „Er weiß, was im Handball wichtig ist, er war ein akribischer Vollprofi“, meint die Ikone des VfL Gummersbach: „Wenn es ihm gelingt, diese Dinge auf die Mannschaft zu übertragen, wird sie sicherlich einen Schritt nach vorne kommen im Vergleich zum vergangenen Jahr.“

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Von 2005 bis 2008 spielte der heute 40-Jährige Sigurdsson für den VfL. „Meine Frau und ich haben uns in Gummersbach immer sehr wohl gefühlt“, hat der Familienvater (drei Kinder: Ina, Jona Margret und Jason Valur) mitgeteilt. Fußspuren hat der Torjäger (364 Länderspiele, 1875 Treffer für Island) als Spieler genügend hinterlassen. Ähnliches soll ihm nun auf der Bank gelingen. VfL-Geschäftsführer Christoph Schindler freute sich, die „Handball-Legende“ zurück im Verein zu haben: „Er hat zum einen eine unfassbare Erfahrung als Spieler und brennt zum anderen auf seine neue Aufgabe als Trainer.“

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Viele werden ihm die Daumen drücken. Auch Christian Schöne, der Sportliche Leiter von Frisch Auf Göppingen und Gegenspieler aus unzähligen Bundesligaduellen. „Für ihn ist es als Einstieg die perfekte Geschichte. Er kennt den Verein, kann den VfL ins Oberhaus zurückführen und muss nicht gleich im Haifischbecken Bundesliga seine Trainerkarriere starten.“ Hinzu kommt: Die zweite Liga darf sich nach Weltmeister Michael „Mimi“ Kraus von der SG BBM Bietigheim (sofern er weitermacht) in der nächsten Saison auf einen weiteren Mann mit hohem Glamourfaktor freuen.

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