John Glenn ist tot Der Wettlauf ins All

20. Februar 1962: Der Raumanzug sitzt, der Helm passt, die Raketentriebwerke laufen sich warm – John Glenn ist bereit, um die Erdumlaufbahn zu umkreisen. Foto: AFP 24 Bilder
20. Februar 1962: Der Raumanzug sitzt, der Helm passt, die Raketentriebwerke laufen sich warm – John Glenn ist bereit, um die Erdumlaufbahn zu umkreisen. Foto: AFP

Der erste Amerikaner im All ist er zwar nicht geworden. Dafür hält John Glenn zwei andere Raumfahrer-Rekorde – und galt nicht nur deswegen vielen als Held. Nun ist Glenn im Alter von 95 Jahren gestorben.

Leben: Markus Brauer (mb)
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New York - 4. Oktober 1957, 19:28:34 Uhr. Eine sowjetische Trägerrakete startet vom Weltraumbahnhof im kasachischen Baikonur. Oben an der Spitze der Rakete Sputnik 1, der erste künstliche Erdtrabant. Nachdem die 83,6 Kilogramm schwere mit Stickstoff gefüllte, hochglanzpolierte Aluminiumkugel die Erdumlaufbahn erreicht hat, kreist sie in einer elliptischen Bahn in 215 bis 939 Kilometer Höhe um den Blauen Planeten. Am 4. Januar 1958, nach 92 Tagen im All, verglüht der Satellit.

Mit Sputnik beginnt der Wettlauf ins All

Der Wettlauf ins All ist eröffnet. West gegen Ost, die USA gegen die Sowjetunion, die westlichen Demokratien gegen den kommunistischen Machtbereich. In den ersten Jahren der Raumfahrt haben die Sowjets klar die Nase vorn. Am 3. November 1957 hebt um 2:30 Uhr Sputnik 2 ab. An Bord: Laika, das erste Lebewesen von „Terra“, das in den Orbit fliegt.

Die dreijährige Mischlingshündin liegt eingezwängt in der Kapsel. Die Sensoren an Bord zeugen, dass Laika beim Start extrem gestresst ist. Erst 2002 gestehen russische Experten offiziell ein, dass die Hündin schon fünf bis sieben Stunden nach dem Abheben der Rakete an Überhitzung und Stress gestorben war. Ein Teil der Hitzeabschirmung der Raumkapsel hatte sich gelöst und die Innentemperatur stark ansteigen lassen.

Am 1. Februar 1958 sind die Amerikaner an der Reihe. Der Satellit Explorer 1 startet von der Cape Canaveral Air Force Station in Florida.

Drei Jahre später, am 12. April 1961, folgt der bis dahin größte Meilenstein des Wettlaufs ins All: Der russische Kosmonaut Juri Gagarin begibt sich an Bord der Wostok 1 und umrundet in 106 Minuten einmal die Erde. Nach 41 000 Kilometern endet der erste bemannte Raumflug. Die Raumkapsel mit Gagarin an Bord landet im Wolga-Gebiet.

Am 29. November 1961 schießen die Amerikaner den Schimpansen Enos an Bord einer Mercury Atlas 5 Rakete ins All.

John Glenn – ein Amerikaner erobert den Orbit

20. Februar 1962: John Glenn zwängt sich auf dem Weltraumbahnhof Cape Canaveral in die winzige Mercury Kapsel Friendship 7. Das Raumschiff ist auf die Spitze einer Mercury Atlas 6 Rakete montiert.

Um 14:47:39 Uhr hebt die Rakete ab und erreicht nach zehn Minuten den Orbit. In den folgenden knapp fünf Stunden umrundet der 39-Jährige mit einer Maximalgeschwindigkeit von über 28 000 Kilometern drei Mal die Erde.

Aus 265 Kilometern Höhe schaut er durch seine kleine Bordluke auf die blau-weiße Kugel hinab. Da das Hitzeschild nicht richtig montiert war, besteht die Gefahr, dass Friendship 7 beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglüht und Glenn zu Staub zerfällt.

Die Rückkehr zur Erde wird ein Höllenritt. Die Landekapsel pendelt stark, der Treibstoff wird für die Lageregelung restlos aufgebraucht. Doch weil sich der Hilfsfallschirm früher als geplant auslöst, wird das Gefährt stabilisiert. Der Zerstörer USS Noa hievt die Kapsel mitsamt dem Astronauten an Bord aus dem Atlantik. Glenn sprengt die Einstiegsluke auf und verletzt sich dabei an der Hand. Aber außer Erschöpfung und Durst hat er keine Beschwerden. Die Rückkehr in die Heimat wird zum Triumphzug.

„What a sad day for All American dreamers“

8. Dezember 2016: Der Mann, der Raumfahrtgeschichte schrieb, stirbt im Alter von 95 Jahren in seinem Heimatbundesstaat Ohio. „Der Tod von John Glenn macht uns traurig“, teilt die US-Raumfahrtbehörde Nasa per Twitter mit. „Ein wahrer amerikanischer Held.“ „What a sad day for All American dreamers“ – „Was für ein trauriger Tag für alle amerikanischen Träumer“, retweetet ein Militärveteran.




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