Kostenentwicklung bei S 21 Stuttgart 21: Kalkulation nahe an Grenze

Von Konstantin Schwarz 

Rechnet man die bisherige Entwicklung hoch, dann bleibt für Stuttgart 21 aktuell ein Puffer von elf Millionen Euro. Interessant ist für die Kostenentwicklung ist dabei eine bestimmte Verhältniszahl.

Anfang Januar hat der Verein zum Bahnprojekt zum Besuch der Baustellen eingeladen. Die Arbeiten stoßen auf großes Interesse. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Anfang Januar hat der Verein zum Bahnprojekt zum Besuch der Baustellen eingeladen. Die Arbeiten stoßen auf großes Interesse. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart. - Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG hat vor einem Jahr, am 26. Januar 2018, den Kostenrahmen für das Projekt Stuttgart 21 deutlich erweitert. Vorangegangen waren laut Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla bei Ausschreibungen nicht erwartete Abweichungen zwischen der internen Kalkulation und Angeboten der Baufirmen. „Erwartungen und Vergaben klaffen immer weiter auseinander“, hatte Pofalla damals gesagt. Der Aufsichtsrat erweiterte den Finanzierungsrahmen schließlich von 6,5 auf 8,2 Milliarden Euro. Über 7,705 Milliarden, den so genannten Gesamtwertumfang, kann die Projektgesellschaft seitdem verfügen, den Risikopuffer bis 8,2 Milliarden kann das Kontrollgremium freigeben.

Noch elf Millionen Euro frei

Ein Jahr nach der Kostenexplosion und der Verschiebung des Fertigstellungstermins von Ende 2021 auf Ende 2025 gibt es erneut eine Debatte über die Kosten. Die Projektgesellschaft nennt auf Anfrage unserer Zeitung Zahlen, die sich aus dem dritten Quartal 2018 ergeben. Danach liege die Kostenprognose für Stuttgart 21 sieben Jahre vor der Fertigstellung bei 7,694 Milliarden Euro. Sie habe sich gegenüber 2018 nicht erhöht. Bis zum Gesamtwertumfang wären damit noch elf Millionen Euro frei. Zahlen aus dem vierten Quartal erhalte zunächst der Aufsichtsrat.

Im dritten Quartal 2018 hat die Projektgesellschaft Bauaufträge für 77 Millionen Euro vergeben, im ersten und zweiten Quartal waren es 244 Millionen Euro gewesen. Der Aufsichtsrat wird quartalsweise über den Projektstatus informiert.

47 Prozent noch zu vergeben

Interessant ist für die Kostenentwicklung eine Verhältniszahl: Die Bahn hatte bis Ende September 2018 für 53 Prozent der Bauleistungen , in Summe 4,115 Milliarden Euro, Aufträge vergeben. 47 Prozent des Projektumfangs müssen damit noch beauftragt werden. Parlamentarier wie Christian Jung (FDP, Karlsruhe-Land) erwarten nicht, dass die Kostenprognose gehalten werden kann. „Es gibt Hinweise, dass einzelne Lose bei den Vergaben deutlich teurer werden“, sagt Jung. Sollte sich die Kostenprognose für das gesamte Jahr 2018 nicht geändert haben, „wäre das eine Sensation“, so der Abgeordnete. Die Verteuerung liege auch an der Hochkonjunktur, die es Baufirmen erlaube, für ihre Arbeiten hohe Prise aufzurufen.

Angst um Bahn-Liquidität

Jung befürchtet, dass die Liquidität der Deutschen Bahn AG bei einer weiteren Kostenexplosion im Projekt Stuttgart 21 leiden könne und dann andere, für die Qualität und Zuverlässigkeit der Schiene bundesweit nötige Investitionen verschoben werden müssen. Für die an Stuttgart 21 anschließende Neubaustrecke von Wendlingen nach Ulm nennt die Projektgesellschaft eine Kostenprognose von 3,694 Milliarden Euro. Vom Aufsichtsrat genehmigt wurden bis zu 3,703 Milliarden Euro. Für die Strecke sind bisher 73 Prozent aller nötig Leistungen beauftragt worden.