InterviewKultusministerin Eisenmann und G 8 G8 ist nicht für alles der Sündenbock

Landespolitik: Renate Allgöwer (ral)
Dürfen Sie dann Modellversuche ausweiten?
Ich habe keine Modellversuche ausgeweitet, ich habe sie von meinen Vorgängern übernommen. Ob es eine generell kluge Entscheidung war, diese 44 Modellstandorte zu genehmigen, steht auf einem anderen Blatt.
Die Länder bieten einen Flickenteppich an Angeboten. Wenn es nach Ihnen geht, gibt es dann 2025 noch ein neunjähriges allgemein bildendes Gymnasium im Südwesten?
In den neuen Ländern ist G9 gar kein Thema. Sachsen erzielt mit G8 in der Qualitätsdebatte glänzende Werte. Andere Länder kehren komplett zu G9 zurück. Ich bin gespannt, wie Bayern es macht, wenn an einem Standort beide Formen angeboten werden. Man wird sehen müssen, in welcher Qualität dort G9 umgesetzt wird, angesichts des unbestrittenen Lehrermangels. Auch muss man sehen, dass es in Bayern nicht die beruflichen Gymnasien gibt, wie wir sie haben. Wir sollten uns die Zeit nehmen, zu sehen wie sich die Situation entwickelt.
Dennoch ist das Interesse an G9 sehr hoch.
Ja, in der Regel müssen Interessenten abgewiesen werden. Dass Eltern die Wahlmöglichkeiten nutzen, ist absolut legitim und nachvollziehbar. Sie sagen, wenn mein Kind ein Jahr mehr Zeit für den gleichen Stoff bekommt, hat es weniger Stress. G9 ist dann schlicht einfacher als G8.
Gibt es auch gute Erfahrungen mit G8?
2015 hat Professor Trautwein aus Tübingen eine Vergleichsstudie zu G8/G9 vorgelegt. Er hat in den Abiturjahrgängen 2011, 2012 und 2013 keine Unterschiede in den Abiturnoten festgestellt. Auch die Mercatorstiftung konnte 2017 weder positive noch negative Effekte bezogen auf G8 und G9 feststellen. Es gibt überhaupt keinen Beweis für die These, dass G8 schädlich sein könnte. Viele Schülerinnen und Schüler haben vielmehr G8 problemlos bewältigt und gehen ihren Weg. Wir haben auch in den Sportvereinen keinen immensen Rückgang an Mitgliedschaften. Natürlich gibt es in der Pubertät Verschiebungen, das betrifft aber alle Schularten. Und auch in G8 sind die Schulstunden begrenzt.
Klagen die Vereine ohne sachliche Basis?
Die Vereine fragen sich natürlich, wie es weiter geht. Darauf haben wir mit Jugendbegleitern und der Umwidmung von Lehrerstunden reagiert. Es ist nicht alles an G8 festzumachen. Und es gibt auch nicht nur Eltern, die zwingend G9 wollen.
Der Nachhilfemarkt boomt. Liegt das an G8?
Nein, die Nachhilfe boomt am meisten in der Grundschule. Baden-Württemberg hat mit die höchste Quote bei der Nachhilfe im Grundschulbereich. Das hat mit G8 gar nichts zu tun. Ich werbe auch dringend dafür, G8 nicht für alles anzuführen, was in irgendeiner Form im Bildungsbereich nicht rund läuft. Würden sich die Befürworter von G8 einmal so organisieren wie die Gegner, wären das gar nicht so wenige.




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