Landesbank Baden-Württemberg LBBW baut für schlechte Zeiten vor

Von Sabine Marquard 

Die baden-württembergische Landesbank wappnet sich für eine Konjunkturabkühlung und erhöht die Risikovorsorge für das Kreditgeschäft. Die Fusion zu einer Super-Landesbank sieht LBBW-Chef Rainer Neske skeptisch.

Die Zentrale der Landesbank Baden-Württemberg in Stuttgart: Vor allem das  Segment Unternehmenskunden trug zum Gewinn der LBBW bei. Foto: dpa
Die Zentrale der Landesbank Baden-Württemberg in Stuttgart: Vor allem das Segment Unternehmenskunden trug zum Gewinn der LBBW bei. Foto: dpa

Stuttgart - Die LBBW hat im vergangenen Jahr deutlich mehr Kredite an Unternehmen sowie im Immobiliengeschäft vergeben und ihre Kosten gesenkt. Das waren die wesentlichen Gründe für den um 8,4 Prozent auf 558 Millionen Euro gestiegenen Gewinn vor Steuern. LBBW-Chef Rainer Neske zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden. „Das Gewinnplus kann sich auch im Branchenvergleich gut sehen lassen“, sagte Neske bei der Bekanntgabe der Zahlen.

Gleichzeitig hat die größte deutsche Landesbank bereits Vorsorge getroffen für eine mögliche Konjunktureintrübung, indem sie die Risikovorsorge für Kredite und Wertpapiere um gut die Hälfte auf 142 Millionen Euro gesteigert hat. Damit soll auch eine mögliche Verschlechterung der Automobilbranche abgedeckt sein, die rund 15 Prozent des Kreditportfolios ausmacht.

Ein konkretes Ziel für das Vorsteuerergebnis im Privatkundengeschäft nannte Neske nicht

Nach Steuern bleiben bei der LBBW 420 (Vorjahr: 419) Millionen Euro übrig. Die Träger der Landesbank, das Land Baden-Württemberg, die baden-württembergischen Sparkassen und die Stadt Stuttgart sollen eine Ausschüttung von insgesamt 250 Millionen Euro erhalten nach 173 Millionen Euro im Jahr zuvor. 2018 war das erste Jahr, in dem die LBBW kein Geld mehr für Altlasten aus der Finanzkrise aufwenden musste.

Das Segment Unternehmenskunden lieferte mit 296 Millionen Euro vor Steuern den größten Ergebnisbeitrag. Das Segment Privatkunden/Sparkassen steuerte das kleinste Vorsteuerergebnis bei. Mit 25 Millionen Euro kehrte der Bereich aber nach zwei Jahren im Minus wieder in die Gewinnzone zurück. Ein erfolgreiches Wachstumsfeld sei die deutschlandweite Betreuung vermögender Privatkunden.

Ein konkretes Ziel für das Vorsteuerergebnis im Privatkundengeschäft nannte Neske nicht. Man habe den Ehrgeiz, das Ergebnis positiv weiterzuentwickeln. „Aber die Bäume wachsen nicht in den Himmel“, sagte Neske. Die Bank leidet an dem extrem niedrigen Zinsniveau. Eine Zinswende sehe er nicht, so der LBBW-Chef.

Größe sei nicht per se ein gutes Ziel

Zum 1. April 2019 wird die BW-Bank, der Privatkundenarm der LBBW, die Gebühren für das Girokonto anheben. Die meisten Banken hätten bereits 2018 die Gebühren erhöht. Bei den Filialen werde es keine großen Anpassungen mehr geben, sagte Neske, was aber nicht bedeute, dass jede Filiale bestehen bleiben werde. In den vergangenen drei Jahren hat die BW-Bank 36 mit Mitarbeitern besetzte Filialen geschlossen. Derzeit unterhält sie bundesweit noch 150 Filialen, davon 130 in Baden-Württemberg.

Zum erwarteten Ergebnis für dieses Jahr äußerte sich Neske verhalten. Er rechne mit einem Vorsteuerergebnis „im mittleren dreistelligen Millionenbereich“. Auf Nachfrage sagte er: „Sie sehen mich am Anfang des Jahres hinreichend optimistisch, dass das Plus höher ausfällt als 2018.“

Zur erneut aufgekommenen Diskussion über eine weitere Konsolidierung der öffentlich-rechtlichen Landesbanken äußerte sich Neske zurückhaltend. Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, Helmut Schleweis, sprach sich zuletzt im Zuge der Rettung der NordLB für eine Super-Landesbank aus. Neske sagte, die LBBW habe die Übernahme der SachsenLB und der Landesbank Rheinland-Pfalz „gerade jetzt verdaut“. Größe sei nicht per se ein gutes Ziel. Wenn man drei Landesbanken zusammennehmen würde, entstünde ein Institut, „das kleiner wäre als die Commerzbank, von der ja schon gesagt wird, sie wäre zu klein, um zu bestehen.“

Die Träger sahen eine weitere Fusion zuletzt kritisch

Neske forderte, eine weitere Konsolidierung mit „kühlem Herzen“ zu prüfen. Bislang erkenne er kein Argument, warum ein solches Spitzeninstitut im Interesse der Träger der LBBW sinnvoll sein solle. „Die Priorität des Vorstand ist es, diese Bank weiterzuentwickeln, aber offen zu sein.“ Die Träger sahen eine weitere Fusion zuletzt kritisch.

Nach Ansicht von Neske gibt es unterhalb von Fusionen viele Bereiche, in denen Landesbanken wie Helaba für Hessen-Thüringen, BayernLB und LBBW zusammenarbeiten können. Er nannte zum Beispiel die Abwicklungsstruktur und das Auslandsnetz. „Ich bin sehr daran interessiert, dass wir diese Dinge vorantreiben“, betonte der LBBW-Chef.