Michael Schweikardt vom TVB Stuttgart „Kai Häfner wird auch seine Mitspieler besser machen“

Trainer Michael Schweikardt blickt voller Ehrgeiz auf die neue Saison mit dem TVB Stuttgart. Foto: Baumann/Julia Rahn

Mit Verspätung startet der TVB Stuttgart an diesem Freitag gegen die Füchse Berlin in die neue Saison der Handball-Bundesliga. Trainer Michael Schweikardt spricht über seinen Star-Neuzugang, die gestiegene Erwartungshaltung und seinen Meister-Tipp.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Das Bundesligaspiel bei den Rhein-Neckar Löwen wurde wegen Europacup-Teilnahme der Badener verlegt. Deshalb startet der TVB Stuttgart erst an diesem Freitag (20 Uhr/Porsche-Arena) gegen die Füchse Berlin in die neue Saison. Trainer Michael Schweikardt gibt einen Ausblick.

 

Herr Schweikardt, haben Sie viel Handball geschaut am ersten Spieltag?

Ja, da wir ein freies Wochenende hatten, habe ich schon die eine oder andere Minute geschaut und mich mit unseren Gegnern beschäftigt.

Was fiel Ihnen am meisten auf?

Der ThSV Eisenach hat mit dem Auftaktsieg gegen den Bergischen HC gezeigt, dass er von vielen unterschätzt wurde. Das ist ein unangenehmer Aufsteiger, der noch viele ärgern wird. Und die MT Melsungen hat mit dem 29:19 gegen Frisch Auf Göppingen gezeigt, dass sie das Potenzial in ihrem Kader in dieser Saison auch mal auf die Platte bringen kann. Allerdings erwischte Frisch Auf auch nicht gerade einen perfekten Tag.

Haben Sie erwartet, dass der HBW Balingen-Weilstetten dem THW Kiel mit 25:36 unterliegt?

Das ist hart für den HBW, aber man kann gegen den THW schon mit elf Toren verlieren. Uns reicht es, wenn wir am 5. September in Balingen mit einem Tor gewinnen (lacht).

Wenn Sie am Freitag mit dem TVB starten, haben manche Teams schon zwei Spiele absolviert. Ist das ein Vor- oder Nachteil, ist es egal?

Wir sind mit dieser Rolle zufrieden. Wir können uns eine Woche länger vorbereiten und konnten schauen, wie die Konkurrenten loslegen. Uns dagegen konnte keiner in einem Pflichtspiel unter die Lupe nehmen. Von daher sehe ich es eher als Vorteil.

„Wir wollen in jedem Spiel punkten“

Wie sehen Sie die Chancen gegen die Füchse Berlin?

Wir haben die Füchse im Mai mit 32:28 geschlagen – und da hatten sie noch Jacob Holm im Kader, der inzwischen bei Paris Saint-Germain spielt. Von daher werden wir alles daran setzen, gegen dieses Topteam erneut eine Überraschung zu schaffen. Wir glauben in jedem Spiel daran, zu punkten. Und haben keinesfalls schon die danach folgenden Aufgaben gegen die Aufsteiger Balingen und Eisenach im Hinterkopf.

Was werden die Trümpfe des TVB in dieser Saison sein?

Unser größter Trumpf muss eine stabile Defensive sein. Das Zusammenspiel zwischen Abwehr und Torwart muss funktionieren, genauso wie das Tempospiel.

Im Angriff dürfte Kai Häfner eine Schlüsselrolle einnehmen. Wie ist er angekommen beim TVB?

Nach seinem Wechsel von der MT Melsungen zu uns hatte er anfangs viel zu organisieren. Das hat sich jetzt gelegt. Kai ist topfit und wird eine sehr wichtige Rolle spielen.

Was erwarten Sie konkret von ihm?

Ich erwarte, dass er vorangeht, mit seiner Übersicht und Abgeklärtheit die Mannschaft führt, Entscheidungen an sich zieht. Gerade in der Crunch Time hat er oft genug gezeigt, dass er die Nerven behält und Verantwortung übernimmt. Er mag solche Situationen, in denen die Spiele entschieden werden. Und ich bin sicher, dass er auch seine Mitspieler besser macht.

Gerade auch seinen Bruder Max?

Auf jeden Fall, da sie sich eben auch zwischenmenschlich sehr gut verstehen, sie viel miteinander kommunizieren, bin ich sehr optimistisch, dass das bei Max zu einer Leistungssteigerung führt.

„Keiner reagierte beleidigt“

Wie haben eigentlich Jerome Müller und Jan Forstbauer, die auf Kai Häfners Position spielen, auf den Zugang des Nationalspielers reagiert?

Professionell. Beide wussten, dass wir uns um Kai bemühen, deshalb waren sie nicht vor den Kopf gestoßen oder reagierten gar beleidigt.

Wird einer der beiden den Club möglicherweise noch verlassen?

Es ist nichts geplant, wir wollen niemanden loswerden. Jerome und Jan sind fit und gesund, wir sind froh, dass wir solche Alternativen im Kader haben.

Gibt es Verletzungssorgen vor dem Start?

Nichts Größeres. Nur Fynn Nicolaus hatte zuletzt Magen-Darm-Probleme und Beschwerden am Knie, Jonas Truchanovicius zieht gut mit, steigert sein Fitnesslevel immer mehr, auch wenn es noch nicht für komplette 60 Minuten reicht.

Mit dem Saisonziel Platz zehn liegt die Messlatte hoch. Wie gehen Sie persönlichen mit dieser Erwartungshaltung und dem Druck um?

Ich sehe das entspannt. Mir macht es Freude, dass in unserem Verein Zug drin ist. Denn auch ich bin ambitioniert, möchte mich an solchen Zielen messen lassen und Erfolge feiern. Ich arbeite gerne mit Profis zusammen und freue mich, dass es endlich losgeht.

Kai Häfner sprach davon, dass es Charme hätte, mit dem TVB in Europa zu spielen.

Da wird ihm keiner widersprechen, aber er hat nicht gesagt, dass das in ein, zwei oder drei Jahren der Fall sein wird. Derzeit ist das doch noch relativ weit weg. Es wird immer schwieriger, sich für einen internationalen Startplatz zu qualifizieren, zudem haben zehn oder elf Clubs dies im Hinterkopf.

Wer wird Meister?

Die meisten sagen SG Flensburg-Handewitt oder SC Magdeburg, ich glaube, dass der THW Kiel seinen Titel verteidigen wird.

Zur Person

Karriere
Michael Schweikardt wurde am 7. März 1983 in Waiblingen geboren. Der ehemalige Spielmacher spielte in der Bundesliga für Frisch Auf Göppingen (2003 bis 2010), MT Melsungen (2010 bis 2012) und danach bis 2019 für den TVB Stuttgart. Er trainierte von 2019 bis 2022 den Drittligisten TSB Heilbronn-Horkheim. Seit Ende September 2022 ist er TVB-Chefcoach, sein Vertrag läuft bis 30. Juni 2025.

Persönliches
Er ist ausgebildeter Sozialversicherungsfachkaufmann und verheiratet mit Ina, das Paar hat zwei Söhne, Jacob (6) und Charlie (4). Michael Schweikardt ist sportbegeistert, er selbst spielt Tennis und Golf. (jüf)

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