InterviewMüllvermeidung „Zero Waste ist ein Werbeslogan“

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Husni Suwandhi hat sich in seinem Leben viel mit Umweltfragen befasst. Am 25. September will er mit anderen über das Thema Plastikmüll diskutieren. Warum er das für wichtig hält und wie er selbst lebt, erklärt er vorab im Interview.

Die Industriestaaten  exportieren Plastikmüll in Länder wie Indonesien. Foto: dpa/Tatan Syuflana
Die Industriestaaten exportieren Plastikmüll in Länder wie Indonesien. Foto: dpa/Tatan Syuflana

Büsnau - Immer mehr Menschen bewegt, wie sie möglichst müllreduziert leben können. Husni Suwandhi aus Büsnau versucht dies seit vielen Jahren. Der 71-Jährige, der aus Indonesien stammt, hat drei Jahrzehnte bei Daimler gearbeitet und sich dort für Umweltbelange eingesetzt. Wie das zusammengeht, erklärt er im Interview und bei einem Vortrag am 25. September in Büsnau.

Herr Suwandhi, Sie haben lang bei Daimler gearbeitet und sich dort im Arbeitskreis Umwelt engagiert. Wie passen die Automobilwirtschaft und der Umweltschutz überhaupt zusammen?

Das muss sich nicht immer ausschließen. Schon seit Jahren werden unsere Autos mit neuen, umweltfreundlicheren Lacken lackiert. Der Arbeitskreis Umwelt hat Studenten von der Hochschule Pforzheim zu einem Autodesign-Wettbewerb angeregt, unter anderem kam dabei ein Auto raus ohne Außenspiegel, und das wird kommen. So verbraucht das Auto weniger Sprit. Eine Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach des Werkes in Bad Cannstatt ist auch eine Initiative vom Arbeitskreis Umwelt. Das Geld haben wir von verschiedenen Abteilungen zusammenbekommen. Auch eine Idee des Arbeitskreises war, dass die Reserve-Radmulde einer A-Klasse aus Bananenfaser hergestellt wurde. Außerdem ist ein globales Verkehrskonzept wichtig, für das unter www.ideas4traffic.com weltweit Ideen gesammelt werden. Die derzeit von allen forciert produzierten Elektroautos werden dabei nicht weiterhelfen, da deren Akkus seltene Erden enthalten. Das bringt weitere Probleme mit sich, da bei der Herstellung CO2 woanders produziert wird.

Sie haben ein großes Interesse an dem Thema Umwelt. War das schon immer so oder erst, seit Sie damals bei Daimler angefangen haben?

Nein, das Interesse ist bei mir schon immer da.

Gab es den Arbeitskreis schon, als Sie zu Daimler kamen?

Ja, ich bin dazu gekommen, und später war ich mehr als zehn Jahre als Co-Sprecher tätig.

Ihr Vortrag am Mittwoch in Büsnau wird sich mit Umweltschutz, Müll und Plastik befassen. Was ist davon Ihr größtes Thema?

Das größte Thema ist die Umwelt, Umwelt allgemein. Vieles, was wir machen, ist für die Umwelt schlecht. Ob es das Essen ist, ob es das Autofahren ist, ob es Plastik ist. Ich habe schon mehrere Vorträge zu Umweltthemen gehalten. Was mich sehr interessiert, ist das Prinzip Cradle to Cradle, dass also alles, was produziert wird, wiederverwertet werden soll. Das heißt auf Autohersteller übertragen: Wir müssen die Autos wieder zerlegen: Metall zu Metall, Plastik zu Plastik. Aber das wird von vielen Autoherstellern nicht immer beachtet, weil es zusätzliche Kosten verursacht.

Bei Ihrem Vortrag in Büsnau geht es aber nicht nur um Autos, oder?

Nein, ich möchte das Thema Plastik vertiefen. Es werden Fragen angesprochen wie: Warum sammeln wir Plastik in gelben Säcken in Deutschland? Warum landen diese dann auch zusammen mit vielen anderen aus EU-Ländern in Indonesien?

Sie stammen aus Indonesien. Wenn Sie den Umweltschutz in Deutschland mit dem in Indonesien vergleichen, steht Deutschland vergleichsweise gut da?

Ja, es steht besser da. Man kann sagen: In Indonesien haben wir erst in den letzten Jahren mit der Mülltrennung angefangen, aber noch nicht überall. Dort gibt es noch viele Probleme mit dem Müll.

Leben Sie in Ihrem Alltag Zero Waste? Also ohne Müll?

Das würde ich gerne, aber Zero Waste ist ein Werbeslogan und für niemanden durchführbar. Natürlich ist es aber möglich, unseren Müll kleinzuhalten. Wir leben in einem Drei-Familien-Haus, aber unsere kleinere Mülltonne ist nie voll, und wir haben wenige gelbe Säcke.

Sie leben also sehr müllreduziert?

Ja.

Wie handhaben Sie das Thema Fleisch?

Seit dem BSE-Skandal vor rund 20 Jahren essen wir weniger Fleisch, maximal einmal die Woche, wenn nicht sogar nur einmal in zwei Wochen.

Wie lange leben Sie schon so?

Beim Fleisch schon lange. Als ich dann Sprecher vom Arbeitskreis Umwelt bei Daimler wurde, habe ich zudem angefangen, meinen Müll zu reduzieren und auch das Autofahren. Meine Frau fährt auch heute noch viel mit dem Fahrrad zur Arbeit. Ich habe mit 71 nicht mehr so viel Kraft für die Stuttgarter Topografie und benutze daher oft ein E-Bike.

Veranstaltung: Am Mittwoch, 25. September, wird der ehemalige Daimler-Mitarbeiter Husni Suwandhi über Müll und Umweltfragen sprechen. Er kommt dafür in den evangelischen Gemeindesaal in Stuttgart-Büsnau, Büsnauer Platz 13. Der Beginn seines Vortrags ist um 19.30 Uhr. Er will an dem Abend vor allem auf die Frage eingehen, warum Plastikmüll von den EU-Staaten in Länder wie Indonesien exportiert wird. Es soll allerdings kein Abend sein, an dem nur einer spricht, Suwandhi lädt die Besucher zur regen Diskussion zum Thema Müll und Umwelt.

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