Nahverkehr in Stuttgart Die SSB verlassen die Klett-Passage

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Am Freitag sind die Schalter der Stuttgarter Straßenbahnen in der Klett-Passage ein letztes Mal geöffnet. Ungeklärt ist nach wie vor die Zukunft des Bahnhofsumfelds. Die Stadt steckt noch in den Vorbereitungen eines städtebaulichen Wettbewerbs

Die Tage des Kundenzentrums der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) in der Klett-Passage sind gezählt. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Die Tage des Kundenzentrums der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) in der Klett-Passage sind gezählt. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Die langen Schlangen, die sich zum Jahres-, aber auch zu den Monatswechseln regelmäßig vor den Schaltern der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) in der Klett-Passage gebildet haben, gehören der Vergangenheit an. Das liegt aber weniger daran, dass das städtische Verkehrsunternehmen den Vertrieb seiner Monats- und anderer Zeitkarten revolutioniert hätte. Vielmehr schließen die SSB ihr Kundenzentrum. Damit verliert die unterirdische Passage, die im vergangenen Jahr ihr 40-jähriges Bestehen gefeiert hatte, einen Mieter der ersten Stunde. Seit 9. April 1976 hatten die SSB dort Fahrkarten verkauft und über ihr Angebot informiert.

Künftiges Erscheinungsbild der Passage ist ungewiss

Damit setzt sich der Wandel der einstmals als modern gerühmten Passage fort. Wohin die Reise geht, ist aber nach wie vor unklar. Unbestritten ist hingegen, dass mit dem Umbau des Hauptbahnhofs auch der Modernisierungsdruck auf die Klett-Passage steigt. Im vergangenen September hatte Baubürgermeister Peter Pätzold bekundet, einen städtebaulichen Wettbewerb für das Bahnhofsumfeld ausloben zu wollen. Sehr viel weiter ist die Stadt aber noch nicht. „Die Vorarbeiten für ein Wettbewerbsverfahren sind sehr umfangreich und werden einige Zeit in Anspruch nehmen. Um verwertbare Ergebnisse zu erhalten, ist die Auslobung sehr sorgfältig vorzubereiten“, erklärt ein Rathaus-Sprecher auf Anfrage. Die Stadt beabsichtigt, den Verkehr auf der Schillerstraße vor dem Bahnhof zu reduzieren. Dazu müsste die Führung des City-Rings von dort weiter in den Norden auf die Wolframstraße verlegt werden. ­Offensichtlich bestehen aber im Rathaus Zweifel, ob das auch möglich ist. „Bevor die Machbarkeit dieses Ringschlusses nicht geklärt ist, kann für die Schillerstraße keine sichere Prognose über das dort noch abzuwickelnde Verkehrsaufkommen gemacht werden“, sagt der Stadtsprecher. Und auch die Frischzellenkur für die Klett-Passage sei alles andere als trivial. „Unterschiedlichste Eigentümer und Anrainer mit den unterschiedlichsten Ansprüchen und Entwicklungsvorstellungen“ machten das Vorhaben diffizil. Nach Christoph Ingenhovens Lesart fällt ihm als Architekt des Stuttgart-21-Bahnhofs auch die Aufgabe zu, das Bahnhofsumfeld neu zu planen. Darüber herrscht zwischen dem Düssdeldorfer und dem Rathaus allerdings Dissens.

SSB verweisen auf neue Räume gegenüber dem Bahnhof

Etwas naheliegender als die Klärung dieses Streits dürfte für SSB-Kunden die Frage sein, wo sie künftig ihre Karten bekommen, wenn die Verkaufsstelle in der Klett-Passage ihre Pforten schließt. Das städtische Nahverkehrsunternehmen verweist auf das Kundenzentrum im ehemaligen Hindenburgbau. Dort hatten die SSB Ende 2014 neue Räume bezogen, die zumindest die selbe Kapazität bieten sollen, wie jene in der Klett-Passage. „Wir haben an beiden Standorten je vier Bearbeitungsplätze“, sagt SSB-Sprecherin Birte Schaper auf Anfrage. Für Wieland Mayr, bei den SSB für die Kundenzentren zuständig, ist der Abschied von der Klett-Passage folgerichtig. Der dortige SSB-Auftritt, bei dem die Kunden noch vor einer dicken Glasscheibe ihr Anliegen vorbringen mussten, sei ein „nicht mehr zeitgemäßes Relikt“, das „den klassischen Charme der 1970er-Jahre“ versprühe. Auflagen zum Brandschutz und zu Fluchtwegen sowie die Größe der verfügbaren Fläche hätten es nicht zugelassen, den Standort an aktuelle Anforderungen anzupassen.

Die Gefahr, dass es in den künftig nur noch drei Kundenzentren (neben dem Hindenburgbau je eines am Charlotten- und am Rotebühlplatz) zu langen Wartezeiten kommt, sehen die SSB nicht. Zunehmend würden die Fahrkarten elektronisch geordert und Auskünfte auf den Internetseiten des Verkehrsunternehmens eingeholt.

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