Nationalmannschaft Joachim Löw und die Türkei-Connection

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Der Fußball-Bundestrainer wird von Harun Arslan beraten, der auch mit den in die Kritik geratenen Nationalspielern Mesut Özil und Ilkay Gündogan zu tun hat.

Joachim Löw und sein Berater Harun Arslan (r.) bei einer Preisverleihung Foto: GES
Joachim Löw und sein Berater Harun Arslan (r.) bei einer Preisverleihung Foto: GES

Stuttgart - Es sei keine glückliche Aktion der beiden gewesen, meinte der Fußball-Bundestrainer Joachim Löw bei der Vorstellung seines WM-Kaders, als er auf die beiden deutschen Nationalspieler Ilkay Gündogan und Mesut Özil angesprochen wurde. Die beiden hatten mit ihrem Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und den davon veröffentlichten Fotos Diskussionen ausgelöst. Ilkay Gündogan hatte auf sein Trikot als Mitbringsel in Türkisch sogar „Für meinen Präsidenten, hochachtungsvoll“ geschrieben. Der Bundestrainer hielt sich im Unterschied zum DFB-Präsidenten Reinhard Grindel mit Kritik am Auftritt seiner Spieler auffallend zurück, warb dagegen eher für Verständnis: „ Ich weiß, dass bei Menschen mit Migrationshintergrund zwei Herzen in der Brust schlagen.“

In diesem Fall, der kurz vor der Fußball-WM in Russland große Aufregung verursacht, dürften aber auch zwei Herzen in der Brust des Bundestrainers schlagen – fühlt sich Joachim Löw der Türkei doch eng verbunden. 1998 übernahm er nach seiner Zeit beim VfB Stuttgart den Trainerjob bei Fenerbahce Istanbul. Eingefädelt hatte diesen überraschenden Wechsel damals Harun Arslan, der seitdem Joachim Löws Berater ist und in 20 gemeinsamen Jahren zum engen Vertrauten und Freund wurde.

Der türkischstämmige Arslan betreibt in Hannover die ARP Sportmarketing GmbH, die gemeinsam mit der Kooperationsfirma Family & Football die Klienten betreut. Und zu diesen Klienten gehören neben Joachim Löw auch Ilkay Gündogan und Mesut Özil. Als Berater arbeiten dort auch Ilhan Gündogan, der Onkel von Ilkay Gündogan, sowie ­Mutlu Özil, der Bruder von Mesut Özil. Neben der öffentlichen Empörung in Deutschland über eine Wahlkampfhilfe für Erdogan mitten aus der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) heraus wurde auch darüber gerätselt, wie Ilkay Gündogan und Mesut Özil so schlecht beraten sein können, einen Termin eng an der Seite des umstrittenen türkischen Präsidenten wahrzunehmen. Von Naivität war dabei häufig die Rede.

Unmut in Deutschland, Wohlwollen in der Türkei

Es ist allerdings fest davon auszugehen, dass Berater-Vollprofis wie Harun Arslan und der Rechtsanwalt Erkut Sögüt, Chef der Spielerberatung Family & Football, abschätzen können, was passiert, wenn zwei Spieler der DFB-Auswahl mit Recep Tayyip Erdogan posieren: großer Unmut in Deutschland, großes Wohlwollen in der Türkei. Und mittendrin auch noch Joachim Löw, der sich zum einen dem Deutschen Fußball-Bund verpflichtet fühlt, gleichzeitig aber wohl auch nicht mit scharfer Kritik seinen türkischen Berater vor den Kopf stoßen will. Harun Arslan, der auch den VfB-Trainer Tayfun Korkut berät, war für eine entsprechende Anfrage unserer Zeitung nicht zu sprechen .

Zum Termin mit Erdogan im Londoner Hotel Four Seasons war offenbar auch ein weiterer in England tätiger deutscher Nationalspieler mit türkischen Wurzeln eingeladen. Im Unterschied zu Mesut Özil und Ilkay Gündogan erschien der beim FC Liverpool unter Vertrag stehende Emre Can allerdings dort nicht. Emre Can, der einen anderen Berater hat als Gündogan und Özil, steht nicht im erweiterten deutschen Kader für die am 14. Juni beginnende Fußballweltmeisterschaft.

Dass auch Ilkay Gündogan und Mesut Özil nach ihrem Treffen mit dem türkischen Präsidenten nicht zur WM fahren dürfen, daran habe Joachim Löw nach eigener Aussage „selbstverständlich nicht und zu keiner Sekunde“ gedacht.