Neue Stromtrasse in Bad Cannstatt und S-Ost Viel Strom für den Neckarpark

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In diesen Wochen werden die letzten Kabeltrassen gelegt, dann ist der Neckarpark über neue, leistungsfähigere Verbindungen von Gaisburg und von Cannstatt her an das Stromnetz angeschlossen.

Der spektakulärste Teil der neuen Stromtrasse: die neue Kabelbrücke für die Gaisburger Brücke Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Der spektakulärste Teil der neuen Stromtrasse: die neue Kabelbrücke für die Gaisburger Brücke Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

S-Ost/Bad Cannstatt - Die Kabelarbeiten, die gerade im Bereich zwischen Wildunger und Waiblinger Straße in Bad Cannstatt laufen, fallen den meisten Menschen im Vorbeifahren nicht weiter auf. Tatsächlich bilden sie aber den Schlusspunkt in einem seit Jahren laufenden und viele Millionen Euro teuren Infrastrukturprojekt, das die Stromversorgung in einem Gebiet sicherstellt, das an manchen Wochenenden von Hunderttausenden von Menschen besucht wird – dem Neckarpark mit Cannstatter Wasen, Schleyer-Halle und Porsche-Arena, dem Stadion, dem Mercedes-Museum. Und wo künftig auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs in Bad Cannstatt auch mehr als 2000 Menschen wohnen werden. Zu dem Großprojekt für eine sichere Stromversorgung gehören unter anderem das neue Umspannwerk Gaisburg, die neue Kabelbrücke an der Gaisburger Brücke und Kilometer lange Kabeltrassen.

Umspannwerk unscheinbar, aber wichtig

Im Mai 2015 rollten auf dem EnBW-Gelände neben den bisherigen Kohlehalden direkt unterhalb der Gaisburger Brücke die ersten Bagger an. Dort entstand in der Folge ein komplett neues Umspannwerk auf dem aktuellen Stand der Technik, das inzwischen die bisherige unscheinbare Anlage nur wenige Meter weiter an der Talstraße ersetzt hat. Das Gaisburger Umspannwerk ist eines von 25 solchen Anlagen im ganzen Stadtgebiet und ist nicht nur für die Stromversorgung vor allem der Stadtteile Gablenberg und Gaisburg wichtig, sondern eben auch für die vielen Einrichtungen auf der anderen Seite des Neckars. Vor allem dort wird in den kommenden Jahren deutlich mehr Strom als bisher benötigt. Durch den Ausbau der bestehenden Einrichtungen erhöht sich der Bedarf, die Mercedes-Benz-Welt soll irgendwann erweitert werden, auf dem ehemaligen Güterbahnhofsareal entstehen nicht nur Wohnungen, sondern auch Gewerbeflächen und das neue Sportbad. Schon Mitte 2015 sagte der EnBW-Pressesprecher Hans-Jörg Groscurth: „Die Bedeutung der Anlage ist weitaus größer als das, was man sieht.“ Das neue Umspannwerk mit zwei 82 Tonnen schweren Trafos kostete alleine rund neun Millionen Euro – und ist durch die Standortwahl möglicherweise schon ein Hinweis darauf, dass die EnBW die angrenzenden Flächen in Richtung Heizkraftwerk auch künftig selbst nutzen will.

Kanäle in der Gaisburger Brücke voll

Mehr Strom kann allerdings nur fließen, wenn auch die entsprechenden Kabelkapazitäten vorhanden sind. Hier entpuppte sich bei den Planungen für die Versorgung des Neckarparks die Gaisburger Brücke als Nadelöhr. Die durch die Brücke verlaufenden Kabelkanäle waren voll belegt, es musste eine andere Lösung gefunden werden. So entstand auf dem Wasengelände Ende 2015 eine 30 Tonnen schwere Stahlbrücke, durch die 40 Kabelrohre führen und die dann in einer spektakulären Aktion auf Schwimmpontons auf dem Neckar zur Gaisburger Brücke gebracht und dort befestigt wurde.

Das nächste Hindernis für die neue Stromtrasse bildete die sogenannte Einfahrbahn von Daimler, die vermutlich einzige innerstädtische Teststrecke eines Automobilunternehmens zumindest in Deutschland. Mit Hilfe von ausgeklügelten Bohrtechniken wurden die neuen Kabelrohre unter den Fahrbahnen durchgezogen. Leidtragende dieser Arbeiten waren zeitweise Radfahrer und Fußgänger – die Neckarradwege auf beiden Seiten des Neckars mussten wegen der Bohrungen immer wieder gesperrt werden.

Die Stuttgart Netze GmbH investiert 8,7 Millionen Euro in die neue Stromtrasse, die nach ihrer Fertigstellung die Umspannwerke an der Talstraße in Gaisburg und an der Waiblinger Straße in Bad Cannstatt verbindet, den Neckarpark mit Strom versorgt und in den angrenzenden Gebieten eine „höhere Versorgungssicherheit“ bietet, wie es in einer Pressemitteilung der Stuttgart Netze heißt.

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