OB-Wahl in Stuttgart Schreier schlägt Schneise in die CDU-Hochburg

Viele Stuttgarter kreuzen auf ihrem Wahlzettel Marian Schreier an. Noch mehr tun’s bei Frank Nopper. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Anders als im ersten Wahlgang kann der neue Stuttgarter OB Frank Nopper nicht mehr in allen 23 Wahlbezirken der Beste sein. Der Sieg in fünf Bezirken reicht für Marian Schreier trotzdem nicht.

Lokales: Alexander Ikrat (aik)

Stuttgart - Die Überraschung bei den Detailergebnissen der diesjährigen OB-Wahl ist dem neuen Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper im ersten Wahlgang vor drei Wochen gelungen. Da schaffte er es als erster Kandidat seit Jahrzehnten, in allen 23 Wahlbezirken vorne zu liegen. Nachdem in der Folge sowohl der SPD-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat, Martin Körner, als auch die Grünen-Kandidatin Veronika Kienzle zurückzogen, ist es am Sonntag nun wenig überraschend, dass Nopper vor allem in den Innenstadtbezirken überholt wird und wieder andere Farben auf die zuvor pechschwarze Landkarte getupft werden. Konkret ist es der unabhängige Kandidat mit SPD-Parteibuch, Marian Schreier, der in fünf Wahlbezirken Farbe ins Spiel bringt.

 

Der 30-jährige Bürgermeister von Tengen im Kreis Konstanz erzielt sein bestes Ergebnis wie schon im ersten Wahlgang im Westen und in Mitte, wo er sich von 19,8 und 18,4 Prozent der Stimmen auf jeweils 45,8 Prozent steigert und damit Frank Nopper (jeweils 28,8 Prozent) überholt. Schreier dominiert überall in der Innenstadt, liegt im Süden (43,5 Prozent), Norden (41,3 Prozent) und Osten (37,3 Prozent) vor Nopper. Doch auch der CDU-Kandidat kann in der ganzen Innenstadt zulegen: zwischen 5,9 Prozent mehr Stimmen als vor drei Wochen in Mitte und 10,3 Prozent mehr Stimmen im Osten.

In sechs Wahlbezirken holt Nopper die absolute Mehrheit

Die Dominanz von Schreier in der Innenstadt, wo konservative Kandidaten traditionell einen schweren Stand haben, erfährt allerdings ein deutliches Gefälle außerhalb des Kessels. In Mühlhausen erzielt Schreier mit 26,7 Prozent sein schlechtestes Ergebnis, ebenfalls noch unter 30 Prozent sind es in Münster (27 Prozent) und Stammheim (29,4 Prozent), wo er vor drei Wochen sein schlechtestes Ergebnis holte (10,6 Prozent), sowie in Hedelfingen (29,8 Prozent).

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Exakt in der umgekehrten Reihenfolge fährt der neue OB seine besten Ergebnisse ein. In Mühlhausen entscheiden sich 3791 Wählerinnen und Wähler für Frank Nopper, das sind satte 58,2 Prozent. Ebenfalls die absolute Mehrheit der Stimmen gewinnt der aktuelle OB von Backnang in Münster (58 Prozent), Stammheim (54,3 Prozent), Hedelfingen (51,7 Prozent), Obertürkheim (51 Prozent) und Weilimdorf (50,5 Prozent). In Möhringen, wo Nopper im dazugehörigen Sonnenberg aufgewachsen ist, schafft er immerhin noch 48,4 Prozent der Stimmen.

Rockenbauch gewinnt nicht so viele Stimmen dazu

Seine schlechtesten Ergebnisse erzielt Frank Nopper in den schon erwähnten Innenstadtbezirken: In Mitte und West sind es 28,8 Prozent der Wählerinnen und Wähler, die für ihn votieren, im Süden 31,1 Prozent. Aber was heißt hier schlecht: Im Osten sind es schon 36 Prozent der Stimmen, die der 59-Jährige auf sich vereint, im Norden sogar 39,4 Prozent. Damit holt er Marian Schreier hier sogar fast ein: 1,9 Prozent fehlen ihm zum Primus des Wahlbezirks Nord.

Und Hannes Rockenbauch? Der Fraktionssprecher des Linksbündnisses SÖS-Linke/plus im Gemeinderat, im Gesamtergebnis des ersten Wahlgangs nur 2215 Stimmen oder ein Prozent hinter Schreier gelegen, tut sich schwerer, Stimmen hinzuzugewinnen. Rockenbauch ist am Stöckach aufgewachsen und wohnt heute noch im Bezirk: Folglich holt er im Osten mit 24 Prozent der Stimmen ebenso sein bestes Teilergebnis wie im ersten Wahlgang (19,4 Prozent). Hier hatte der SPD-Kandidat und frühere Bezirksvorsteher Martin Körner nach seinem Rückzug vor drei Wochen 14,2 Prozent der Stimmanteile hinterlassen. Schreier profitiert offenbar stärker davon.

Achtbare Ergebnisse in der Innenstadt

Achtbare Ergebnisse erzielt der 40-jährige Rockenbauch auch im Westen (23,5 Prozent), in der Mitte und im Süden (jeweils 23,2 Prozent), doch danach fällt er mit 18,6 Prozent der Stimmen in Vaihingen ab. Gerade noch zweistellig punktet Rockenbauch in Mühlhausen (10,7 Prozent), Stammheim (11,9 Prozent) und Münster (12,2 Prozent), wo er im ersten Wahlgang wie auch in Möhringen, Obertürkheim und Weilimdorf tatsächlich einstellig geblieben war. Bewegte sich Rockenbauch damals noch in vielen Bezirken in Marian Schreiers Regionen und übertraf ihn sogar in Mitte, Ost, Süd und Vaihingen, fällt er im zweiten Wahlgang doch in allen 23 Wahlbezirken deutlich gegenüber Schreier ab.

Eine zumindest leicht überraschende Entwicklung zeigt sich auf der anderen Seite des politischen Spektrums: Michael Ballweg von der Initiative „Querdenken 711“ gegen die Einschränkungen wegen Corona halbiert sozusagen sein Ergebnis von 2,6 Prozent auf nur noch 1,2 Prozent – und das, obwohl der AfD-Kandidat Malte Kaufmann ebenfalls zurückgezogen hatte. Ballweg holt nur in Mühlhausen noch 2,3 Prozent und fällt danach deutlich ab.

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