Die Stadtverwaltung hält die Darstellung des Gesamtpersonalrats über die Personalnot für überzogen. Beim Thema Geld appelliert sie an die Tarifparteien: „Die Abschlüsse müssen im Geldbeutel unserer Beschäftigten deutlich spürbar werden.“

Lokales: Jan Sellner (jan)

Die Stadt Stuttgart hält das Problem des Personalmangels für weniger gravierend als der Gesamtpersonalrat der Stadt. Dieser hatte die Zahl der offenen Stellen mit rund 1300 beziffert. Verschärft werde dieses Problem durch den demografischen Wandel und die Abwanderung von Beschäftigten zu anderen Arbeitgebern.

Die Stadt verweist ihrerseits darauf, dass zu den 1300 Stellen auch fast 1000 zählen würden, die im aktuellen Doppelhaushalt beschlossen worden seien. Von diesen sei bereits ein Drittel besetzt, obwohl sie erst seit Juni im Zuge der Haushaltsgenehmigung durch das Regierungspräsidium freigegeben seien. „Eine Besetzung all dieser Stellen innerhalb von nur drei Monaten ist nicht leistbar“, sagte ein Sprecher. Hinzu komme, dass der Gemeinderat schon im vorausgegangenen Doppelhaushalt fast 1000 neue Stellen geschaffen habe. Mehr als 90 Prozent davon seien inzwischen besetzt.

Die Verwaltung verwies darauf, dass jährlich mehr als 1200 Beschäftigte die Stadt verlassen, weil sie in den Ruhestand gehen oder den Arbeitgeber wechseln würden. „Dies ist ein absolut branchenüblicher Wert“, betonte der Sprecher. Wenn man alle diese Faktoren berücksichtige, „sind 1300 offene Stellen kein beunruhigendes Signal“. Zumal es in vielen Bereichen eine ausreichende Zahl an gut qualifizierten Bewerbungen gebe.

Die Stadt will eine „Schieflage“ mit den Beamten vermeiden

Skeptisch äußert sich die Verwaltung zu der Forderung des Gesamtpersonalrats nach einer Stuttgart-Zulage für alle Beschäftigten, um die Stadt als Arbeitgeber attraktiver zu machen und einen finanziellen Ausgleich für gestiegene Lebenshaltungskosten zu bieten: „Eine Stuttgart-Zulage könnte einen finanziellen Ausgleich schaffen“, sagte der Sprecher. Man sei aufgeschlossen, mit dem Gemeinderat darüber zu diskutieren. Dabei müsse jedoch bedacht werden, dass eine solche Zulage nur für städtische Angestellte gewährt werden könne. „Beamtinnen und Beamte sind von einer solchen Zulage ausgeschlossen“, sagte der Sprecher. „Es sollte aber nicht zu einer Schieflage zwischen beiden Mitarbeitendengruppen kommen.“ Etwa jeder sechste Mitarbeiter der Stadt ist als Beamter beschäftigt.

Eine Zulage in Höhe von 300 Euro für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt und ihrer Eigenbetriebe, wie vom Gesamtpersonalrat gefordert, würde den städtischen Haushalt zudem mit etwa 60 Millionen Euro im Jahr zusätzlich belasten, erklärte der Sprecher weiter: „Dabei sind die freien Kita-Träger und Gesellschaften wie das Klinikum Stuttgart noch nicht berücksichtigt.“ Man setze lieber auf Zulagen in Bereichen, in denen Personalmangel herrsche. Doch auch sie seien keine Garantie für eine erfolgreiche Stellenbesetzung. Beim Thema Geld sieht die Stadt ohnehin in erster Linie die Tarifparteien am Zug. Ihr Appell: „Als Stadtverwaltung plädieren wir dafür, dass bei der nächsten Tarifrunde Abschlüsse erzielt werden, die im Geldbeutel unserer Beschäftigten deutlich spürbar werden.“

Die CDU fordert: Stadt soll deutschlandweit nach Mitarbeitern suchen

Die CDU-Gemeinderatsfraktion hat unterdessen ihren Antrag für eine deutschlandweite Mitarbeiter-Suche formuliert. Im Zeitalter von Homeoffice sollte die Stadt „den Blick deutlich über den Talkessel hinaus schweifen lassen“, heißt es darin. Bei fortschreitender Digitalisierung müssten Arbeitsplatz und Arbeitsort nicht in räumlicher Nähe liegen, meint die CDU-Fraktion: „Wir sind der festen Überzeugung, dieser Mosaikstein der Personalgewinnung kann uns helfen, die prekäre Situation in mehreren Ämtern zu verbessern und dadurch unseren Bürgerinnen und Bürgern wieder einen besseren Service bieten zu können.“