Restauranttest in Markgröningen Mittelalter trifft Moderne: Maultaschen und Balsamicoperlen in der Herrenküferei

Das neue Küchenteam in der Herrenküferei: Nadja Blank und Mathias Nufer Foto: Simon Granville

Fast drei Jahre lang stand die traditionsreiche Herrenküferei leer. Nun wird das Hotel-Restaurant am Marktplatz von Markgröningen wieder bespielt. Zwischen vielen hausgemachten Klassikern finden sich auch ambitionierte Gerichte.

Lokales: Matthias Ring (mri)

Allein schon weil sie neben dem Fachwerk-Rathaus am Marktplatz liegt, ist die Herrenküferei von zentraler Bedeutung für Markgröningen. Und sie hat eine lange Geschichte, wobei man nicht bis zum Baujahr 1414 zurückblicken muss. Gastronomisch herausragend waren bislang die Jahre, als sie als Strifflers Herrenküferei sogar mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet war. Aber auch später unter Sebastian Maier konnte man dort gut essen – bis die Stadt das Gebäude an einen Architekturprofessor verkaufte und Maier sich zurückzog.

 

Die Chefin steht auch selbst in der Küche

Immer wieder haben Nadja und Joachim Blank vom Marktplatz aus auf das fast drei Jahre leer stehende Hotel-Restaurant geschaut und eines Tages beschlossen, sich für die Pacht zu bewerben. Sie kümmerte sich zuletzt um die Buchhaltung in der IT-Firma ihres Mannes, ist aber gelernte Köchin und war auch lange im Service tätig. Seit November nun steht Nadja Blank wieder in der Küche, um „experimentierfreudig“ das Motto „Mittelalter trifft Moderne“ umzusetzen. Die Karte liest sich zwar nicht ganz so ungewöhnlich, weil dort neben Vesper überwiegend bürgerliche Klassiker wie Schnitzel und Geschnetzeltes zu finden sind. Doch schon der Gruß aus der Küche mit einer Apfel-Blutwurst-Terrine mit eingelegtem rosa Rettich überrascht. Auch der Feldsalat mit Gelbe-Bete-Carpaccio (10,80 Euro), gerösteten Walnüssen, Balsamicoperlen und Sprossen ist so arriviert wie schmackhaft. Die Blumenkohlsuppe (7,80 Euro) ist zwar etwas dick, aber mit schöner Currynote austariert und bietet zudem eine knusprig ausgebackene Garnele und Strudelteig on top.

Veganes Orzotto, klassischer Rostbraten und ein schönes Dessert

Von den derzeit nur zwei vegetarischen Hauptgerichten nehmen wir das vegane, schaumige Orzotto aus Perlgraupen (19,40 Euro) mit präsenter Safrannote, Schwarzwurzelstückchen und Kräuterseitlingen. Ganz klassisch überzeugt der Zwiebelrostbraten (33,90 Euro für ein hohes 300-Gramm-Stück), zu dem es einen schwäbischen Salat gibt. Nicht nur die Spätzle und Soße, sondern auch die würzigen Maultaschen sind hausgemacht. Das Dessert hebt sich ebenso positiv vom Standard ab, denn die Panna Cotta im Glas (8,90 Euro) ist cremig-fluffig, obenauf mit einem Himbeerfruchtspiegel und in Honigbutter glasierten Trauben. Sogar die Deko-Apfelscheiben sind mariniert, dazu gibt es drei Trüffelpralinen.

Die Weinkarte soll noch international ausgebaut werden, bietet aber einen ordentlichen Querschnitt zwischen 4,20 und 10,50 Euro für 0,2 l. Bis zu 72 Gäste finden drinnen Platz – links gediegen-gemütlicher, rechts klassisch-moderner. In der Freiluftsaison soll man draußen bis zum Brunnen sitzen können. Gut, dass der pittoreske Marktplatz von Markgröningen, den sich mehrere Gastronomen teilen, dann auch an dieser Ecke endlich wieder bespielt wird.

Service

Herrenküferei, Marktplatz 2, Markgröningen, 071 45 / 208 98 00, Di bis Fr und So 11.30 bis 23 Uhr, Sa ab 16.30 Uhr. www.herrenkueferei.de

Bewertung

Essen: 4 Sterne

Service: 4 Sterne

Atmosphäre: 4 Sterne

Legende ***** = herausragend, ****= überdurchschnittlich, *** = gut, **= Luft nach oben, * = viel zu verbessern

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