Schlotwiesenlager Zuffenhausen Gedenkstein schließt Erinnerungslücke

Von Bernd Zeyer 

Von 1942 bis 1967 waren auf der Schlotwiese tausende Menschen aus verschiedenen Gründen eingesperrt beziehungsweise untergebracht: Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter, Vertriebene, Flüchtlinge sowie so genannte „Displaced Persons“, also Heimatlose. Nun wird an sie erinnert.

Ex-Bezirksvorsteher Wolfgang Meyle, Bürgermeister Fabian Mayer, Historiker Mathias Beer Bezirksvorsteher Gerhard Hanus, Frank Jung (Porsche) und Herbert Hellstern vom Innenministerium (von links) haben den Gedenkstein enthüllt. Foto: Bernd Zeyer
Ex-Bezirksvorsteher Wolfgang Meyle, Bürgermeister Fabian Mayer, Historiker Mathias Beer Bezirksvorsteher Gerhard Hanus, Frank Jung (Porsche) und Herbert Hellstern vom Innenministerium (von links) haben den Gedenkstein enthüllt. Foto: Bernd Zeyer

Zuffenhausen - Vor Kurzem ist an der Hirschsprungallee der Gedenkstein für die ehemaligen Lager auf der Schlotwiese eingeweiht worden. Von 1942 bis 1967 waren dort tausende Menschen aus verschiedenen Gründen eingesperrt beziehungsweise untergebracht: Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter, Vertriebene, Flüchtlinge sowie so genannte „Displaced Persons“, also Heimatlose (wir berichteten). Die Festansprache hielt Mathias Beer vom Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde Tübingen, Grußworte überbrachten der Stuttgarter Verwaltungsbürgermeister Fabian Mayer, Ministerialdirigent a.D. Herbert Hellstein sowie Frank Jung, der Leiter des historischen Archivs der Firma Porsche.

„Mit dem Stein kehren die Lager und deren Insassen auf die Schlotwiese und damit ins öffentliche Gedächtnis der Bevölkerung zurück. Der Stein schließt eine Leerstelle der Erinnerung“, sagte Mathias Beer. Für die meisten Menschen sei die Schlotwiese mit ihren Einrichtungen ein Begriff für Freizeit. Dass hier Menschen unter unwürdigen Bedingungen gelebt haben, sei in den vergangenen Jahrzehnten größtenteils in Vergessenheit geraten. Mindestens 8000 Personen wären hier im Laufe der Zeit untergebracht gewesen, viele seien zu Tode gekommen. Der Gedenkstein erinnere in vierfacher Form an die Lagergeschichte: Mit dem Standort (dort befand sich das Verwaltungsgebäude), der Inschrift (sie führt alle Gruppen auf, die im Lager waren), dem Lageplan (einer Luftaufnahme aus der Nachkriegszeit) sowie mit dem Stein selbst, der bewusst unbearbeitet blieb und so darauf hinweist, dass die Insassen aus ihrem Leben herausgerissen worden sind.

Auch 400 Porsche-Zwangsarbeiter waren im Lager untergebracht

Bürgermeister Fabian Mayer sprach von einem „außergewöhnlichen Gedenken“ und dem „gelungenen Abschluss eines schönen Projekts“. Dabei lobte er vor allem die „AG Lager auf der Schlotwiese“, die einen langen Atem bewiesen hätte und die Firma Porsche, deren 8000-Euro-Spende den Stein finanziell erst ermöglicht habe. Von Porsche war Frank Jung zur Einweihung gekommen. „Nur wer seine Vergangenheit kennt, kann seine Zukunft gestalten“, sagte der Leiter des historischen Archivs. Er sprach auch ein dunkles Kapitel der Firmengeschichte an: 400 PorscheZwangsarbeiter waren im Lager untergebracht. Herbert Hellstern vom Innenministerium betonte, unter welch „schrecklichen Umständen“ die Bewohner hatten leben müssen. Zudem seien sie von den Menschen außerhalb des Lagers stets scheel angesehen worden. Dennoch hätten sie nach dem Krieg dank ihrer Fähigkeit anzupacken und zu organisieren das Beste aus der Situation gemacht. Deshalb sei großer Respekt für ihre Lebensleistung angebracht.

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