InterviewRitter Sport in Waldenbuch Schokoladenfabrik profitiert von der Corona-Krise

Schnell vergriffen: Schokolade verkauft sich in der Krise gut. Foto: dpa/Marijan Murat
Schnell vergriffen: Schokolade verkauft sich in der Krise gut. Foto: dpa/Marijan Murat

Für den Waldenbucher Schokoladenhersteller Ritter Sport ist die Pandemie positiv: Die Firma hat überproportional profitiert. Das Geschäft mit süßen Kakao-Produkten läuft aber nicht bei allen gut: Ostereier und Pralinen verkaufen sich schlecht in diesen Zeiten.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)
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Waldenbuch - Der Appetit auf Schokolade ist groß: Ritter Sport hat seinen Umsatz im vergangenen Jahr um zehn Prozent steigern können. In der Krise greift der Verbraucher zu vertrauten Dingen, erklärt Michael Lessmann, der Geschäftsführer für den deutschsprachigen Raum.

Herr Lessmann, ist Ritter Sport ein Krisengewinnler?

Die Pandemie ist insofern positiv, weil sich der Markt positiv entwickelt hat und wir überproportional davon profitieren. Für Ritter war das vergangene ein gutes Jahr, aus soziodemografischer Sicht war es das natürlich nicht. Aber nicht jedem Schokoladehersteller geht es so. Schokolade ist ein ganz schwieriges Geschäft.

Wieso? Momentan tröstet sich doch so gut wie jeder mit Naschereien.

Andere Hersteller haben sehr gelitten, weil das Saisongeschäft im Lockdown gar nicht lief. Ostern vor einem Jahr war eine Katastrophe, da war Toilettenpapier das Thema der Konsumenten. Displays mit Osterware standen bis Oktober in den Supermärkten. Weihnachten war nicht viel besser. Pralinen laufen momentan gar nicht, weil die Anlässe dazu fehlen.

Was läuft dann besonders gut?

Tafelschokolade. Die Standardpackung ist das Nonplusultra. Wir haben im deutschen Markt ein Wachstum von 10,5 Prozent erzielt. Ein Risiko für Ritter hätte sein können, dass die Menschen in der Krise nur billige Schokolade kaufen. Aber das ist nicht eingetreten. Die günstigen Handelsmarken legten zwar ebenfalls zu. Doch in der Krise neigt der Verbraucher dazu, den Dingen zu vertrauen, die er kennt. Ritter Sport ist eine vertraute Marke, dahinter steht ein Familienunternehmen und kein anonymer Konzern.

Wo gab es die meisten Zuwächse?

Unsere Fernwehsorten kamen sehr gut an. Die Aktion lief 15 bis 20 Prozent besser als im Vorjahr ohne Corona. Die vegane Schokolade wächst ohne Ende, um 70 Prozent 2020. Allerdings muss man wissen, dass sie leider nur einen Anteil von zwei Prozent am Gesamtmarkt hat.

Und nach Corona werden alle Menschen übergewichtig sein?

Die Entwicklung war jetzt nicht so stark, dass es wegen Schokolade Probleme geben wird. Salzige Snacks haben übrigens um 18 Prozent zugelegt. Hofläden kommen dafür auf ein Plus von 30 Prozent. Es gibt also auch die gegenteilige Entwicklung.

Wenn die Krise vorbei ist, ist es dann auch mit dem Gewinn vorbei.

Ich denke, die Pandemie ist leider nicht so bald vorbei. Die strukturellen Veränderungen im Markt und im Verbraucherverhalten werden auch danach bleiben. Und bei Schokolade ist der langfristige Konsum nie rückläufig gewesen.




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