Sonnen-Mission der Nasa US-Raumsonde zeigt die Sonne in ganz neuem Licht

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Die amerikanische Raumsonde Parker Solar Probe hat auf ihrer Reise zur Sonnen die ersten spektakulären Daten zur Erde gesendet. Sie zeigen: Der Stern steckt voller Überraschungen und Rätsel.

Die Nasa-Raumsonde Parker Solar Probe ist der Sonne so nah gekommen wie noch kein Raumschiff zuvor. Foto: Johns Hopkins APL/ Nasa Goddard Space Flight Center/AFP 10 Bilder
Die Nasa-Raumsonde Parker Solar Probe ist der Sonne so nah gekommen wie noch kein Raumschiff zuvor. Foto: Johns Hopkins APL/ Nasa Goddard Space Flight Center/AFP

Washington - Die Nasa-Raumsonde Parker Solar Probe kommt der Sonne immer näher und hat spektakuläre Daten zur Erde gesendet. Das Raumfahrzeug der amerikanischen Weltraumbehörde hat sich dem Stern bis auf 24 Millionen Kilometer angenähert.

Die Forscher haben jetzt die ersten Informationen analysiert und kommen zu überraschenden Ergebnissen: „Wir waren schockiert, wie vielfältig die Korona der Sonne von Nahem aussieht“, sagt Justin Kasper von der University of Michigan.

Plasmawellen, Magnetfelder, Strahlenströme

Was von der Erde bei einer totalen Sonnenfinsternis aussieht wie ein geschlossener Strahlenkranz, ist tatsächlich ein gewaltiges Mosaik aus Strahlenströmen, Plasmawellen und schwingenden Magnetfeldern in der Atmosphäre der Sonne.

Die Studie ist im Fachmagazin „Nature“ veröffentlicht.

Ganz neue, unerwartete Seite der Sonne

„Schon diese ersten Daten der Parker-Sonde zeigen unseren Stern von einer ganz neuen, unerwarteten Seite“, erklärt Nasa-Administrator Thomas Zurbuchen. Die Umgebung der Sonne sei weit komplexer als bislang gedacht und auch der Sonnenwind verhalte sich dort anders.

Die Forscher haben auch eine Erklärung dafür gefunden, warum die Korona der Sonne deutlich heißer ist als ihre Oberfläche. „Wenn man sich der Sonne nähert, zeigen sich Plasmawellen, die viermal so viel Energie haben wie die anderen“, so Kasper. „Sie sind so stark, dass sie die Richtung des Magnetfelds umkehren können.“

Sonde muss fast 1400 Grad aushalten

Die Daten der Raumsonde zeigen auch, dass die Zone des Sonnenwinds bereits in in einem Abstand von 32 Millionen Kilometern vom Stern beginnt – und damit viel weiter außen als bisher angenommen. „Der enorme Rotationsfluss des Sonnenwinds war eine echte Überraschung“, betont Kasper. „Die Geschwindigkeiten, die wir schon in diesen ersten Vorbeiflügen sehen, sind fast zehnmal höher als durch die Modelle vorhergesagt.“

Im August 2018 war die Nasa-Sonde zu ihrem Flug in die Sonnenatmosphäre hinein aufgebrochen. Bis auf rund 6,2 Millionen Kilometer soll sich die Parker Solar Probe der Sonne nähern, sie auf elliptischen Bahnen umrunden, ihre Atmosphäre untersuchen und dabei mehr als 1370 Grad Celsius aushalten.

Raumschiff, vollgeladen mit technologischen Neuerungen

In Sonnennähe erreicht sie voraussichtlich eine Geschwindigkeit von rund 200 Kilometer pro Sekunde. Die Nasa-Forscher versprechen sich von der bis 2025 angesetzten Mission Erkenntnisse über die Funktionsweise von Sternen. Die gesammelten Daten könnten auch künftige Wettervorhersagen genauer machen.

„Die Parker Solar Probe wird Fragen über Solarphysik beantworten, die uns seit mehr als sechs Jahrzehnten umtreiben“, erläutert Nasa-Wissenschaftlerin Nicola Fox. „Es ist ein Raumschiff, vollgeladen mit technologischen Neuerungen, die viele der größten Mysterien um unseren Stern herum lüften werden – zum Beispiel, warum der Strahlenkranz um die Sonne herum heißer ist als ihre Oberfläche.“

„Es gibt da einfach Fragen, die uns seit langer Zeit beschäftigen“, unterstreicht Nasa-Forscher Adam Szabo. „Wir wollen herausfinden, was nahe der Sonne passiert, und die offensichtliche Lösung dafür ist, einfach hinzufliegen. Wir können es gar nicht mehr abwarten.“

Lesen sie hier: Wetter im Weltraum – Sonnensturm trifft auf die Erde

Vorgänger Helios 1 und 2

Die Raumsonden Solar Orbiter und Parker Solar Probe kommen zwar näher an die Sonne heran, als alle anderen Sonden zuvor. Sie sind aber nicht die ersten, die den Stern aus der Nähe untersuchen. Bereits in den 1970er Jahren starteten die deutsch-amerikanischen Sonden Helios 1 und Helios 2, die jedoch mit rund 45 Millionen Kilometern einen gebührenden Abstand zum Hitzeball hielten.

Zum Vergleich: Die Erde ist im Schnitt etwa 150 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt, Merkur rund 58 Millionen Kilometer.

Solar Orbiter der Esa startet im Februar 2020

Im Februar 2020 soll die europäische Raumsonde Solar Orbiter gen Sonne starten. Im Februar startet die Sonde der Europäischen Raumfahrtorganisation Esa vom US-Raumfahrtbahnhof Cape Carnaveral mit einer Trägerrakete. Solar Orbiter an Bord einer Atlas-5-Rakete von Cape Canaveral an der Ostküste Floridas aus auf ihre mindestens zehn Jahre dauernde Mission zur Erforschung der Sonne gehen. Dabei geht es insbesondere um das Weltraum-Wetter und den Sonnenwind und wie er sich in Abhängigkeit von bestimmten Ereignissen auf der Sonnenoberfläche verändert.

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